In Gedenken an Martin Büsser

Heute wird mein Kollege Martin Büsser begraben, der mit nur 42 Jahren an einer Krebserkrankung verstorben ist. Zukünftig muss ich einen Kollegen vermissen, der zweifelsohne einer der wenigen Guten war, an deren ebenso verbindlicher wie kritischer Haltung man selbst eine Orientierung in den Wirren des Lebens finden konnte, ohne dass sich Martin auch nur ansatzweise als starke Figur inszeniert hätte, der zu folgen sei. In zweiter Linie werde ich ihn dankbar erinnern als einen ebenso weitläufig vernetzten wie uneitlen Freund, ohne dessen Kontakte zum damals noch in Hamburg angesiedelten Rotbuch-Verlag ich mein „Popliteratur“-Büchlein vermutlich nie geschrieben hätte, da eigentlich Martin vom Verlag als Autor vorgesehen war, er aber wiederum der Meinung war, dass ich diesen Text schreiben solle und mich folglich an seiner Statt dem Verlag vorschlug. Da dieses kleine Büchlein in einer Phase meines Lebens eine zentrale Rolle spielte, wäre meine Biografie ohne ihn wohl anders verlaufen.

Wer Martin Büsser und sein unkorrumpiertes Engagement noch einmal virtuell sehen möchte, kann sich beispielsweise den Beitrag aus der 3Sat-Kulturzeit zur Initiative „I Can’t Relax in Deutschland“ von 2005 ansehen, an der sich Martin natürlich federführend beteiligt hat:

Zuletzt war ich intensiv in Kontakt mit ihm, als wir über mein Autorenportrait über Florian Neuner konferierten, das ich für die testcard #19 zum Thema „Blühende Nischen“ schrieb. Er gab mir den Eindruck, dass der Text ganz in seinem Sinne war, was ich gehofft hatte. Welch Unglück, dass der Texte so etwas wie meine letzte Hommage an ihn geworden ist.

Eines unserer ersten Treffen fand im Essener KKC an der Uni statt, nachdem Martin dort sein Buch Wie klingt die Neue Mitte? Rechte und reaktionäre Tendenzen in der Popmusik vorgestellt hatte. Schon 2001 hat er am Ende dieses Buchs eines seiner Credos formuliert:

„Denn nichts ist schlimmer als jene Härte, die auf Unterwerfung baut. Stärke zu zeigen oder auch nur zu spielen, dient den gegebenen Machtverhältnissen, ist die verzweifelte Souveränität der Angepaßten, ein Gebrüll im Raubtierkäfig, das die Gitter nicht weiter stört. Bessere Zeiten klingen gut lautete der Titel einer L´Age d´Or-Compilation. Damit es nicht nur gut klingt, sondern Musik sich auch als Ausdruck möglicher besserer Zeiten unmißverständlich zu erkennen gibt, bleiben Schwäche, Zweifel, Ambivalenz und ein gebrochenes, auf Uneindeutigkeit hin ausgerichtetes musikalisches Material unabdingbar. Sie alleine sind Mittel, die Verhärteten zu verunsichern und dank einem Rest von Menschlichkeit im Pop den Verbliebenen das Gefühl zu geben, nicht ganz alleine zu sein.“

Die Verunsicherung der Verhärteten und das Gefühl der Menschlichen, nicht alleine zu sein, waren mit Martin Büsser in dieser Welt größer. Es wird härter und einsamer ohne ihn.

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