Zum neuen Jahr 2011: Die Schriftsteller, der Staat und der Widerstand

In meiner Dissertationsschrift mit dem Titel Literatur und Subversion. Politisches Schreiben in der Gegenwart stelle ich die alte Frage nach der gesellschaftlichen und politischen Relevanz der Literatur und von Autorschaftsinszenierungen nach dem Ende des ‚Kalten Krieges‘ in neuer Weise. Dass die Auseinandersetzungen zwischen Schriftstellern und den staatlichen Instanzen nicht nur symbolischen Charakter besitzen, sondern „von den Protagonisten“, so Pierre Bourdieu, „durchaus als Fragen um Leben oder Tod erlebt werden“, davon mag ein ebenso kleiner wie dramatischer Videoclip aus dem Jahre 1981  (also aus den Vor-Wende-Zeiten mit klareren Frontverläufen, die heute weit entfernt scheinen) zeugen, in dem der Autor Thomas Brasch aus den Händen des damaligen bayrischen Ministerpräsidenten Franz-Josef Strauß den Bayrischen Filmpreis in Höhe von 50.000 DM entgegennimmt. In seiner Rede verteidigt sich Brasch gegen die Angriffe seiner KollegInnen, einen solchen Pakt mit den Herrschenden einzugehen:

„Der Widerspruch [eines Autors, T.E.], der mit dem Geld des Staates arbeitet und den Staat angreift, der den subversiven Außenseiter zum Gegenstand seiner Arbeit macht und sich selbst zur gleichen Zeit zu einem Komplizen der Macht, [ist] ein entscheidender. Er ist der Widerspruch der Künstler im Zeitalter des Geldes schlechthin – und er ist nur scheinbar zu lösen.“

Doch sehen Sie selbst (besonders ab 2:20 Min.):

Einerseits beeindruckt Brasch tatsächlich durch die Tumulte, die er im wohlsituierten Publikum mit seinen (in diesem Kontext provokanten) Feststellungen „Die Kriminalität ist der urwüchsigste Ausdruck der Auflehnung“ (ab 4:49) und „Ich danke der Filmhochschule der DDR für meine Ausbildung“ (ab 5:18) auslöst (wobei er allerdings immer wieder auf die „staatliche Macht“ als seinen Gegner rekurriert, was uns heute – da in Finanzkrisenzeiten die Rede vom Ausnahmezustand und der staatlichen Ohnmacht allgegenwärtig geworden ist, sonderbar erscheinen mag). Andererseits wird er am Ende vom hochrotköpfigen Landesvater als ein „lebendiges Demonstrationsobjekt der Liberalitas Bavariae“ herabgewürdigt. Wie schrieb Bourdieu: „Die Künstler und Schriftsteller, allgemeiner: Intellektuellen, bilden eine beherrschte Fraktion der herrschenden Klasse.“ Und dann bleibt nurmehr die Subversion, doch dazu im Verlaufe des Jahres 2011 mehr…

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