Aus aktuellem Anlass: Korruption im Amateurfußball

Dieser Fehler war nicht gekauft...
Der Handballsport ist in der Krise, Schiedsrichter sollen über viele Jahre bestochen worden sein. Anlässlich dieses neuerlichen Skandals muss noch einmal kurz daran erinnert werden, dass auch der Fußballsport in der Saison 2004/2005 einen Schiedsrichter-Skandal erlebte, der als “Fußball-Wettskandal 2005″ in die Annalen einging. Die Muster ähneln sich allerdings immer wieder (übrigens auch beim Umgang mit Doping in vielen anderen Sportarten): Zunächst werden die Skandale von Funktionären gedeckelt, weil man einen Imageschaden für den Sport befürchtet, dann werden die beteiligten Sportler oder Schiedsrichter als ’schwarze Schafe’ symbolisch aus dem natürlich ‘integeren Kreis der fairen Sportler’ ausgestoßen - und der Betrieb läuft weiter wie bisher.
Mich haben die aktuellen ‘Enthüllungen’ an meine eigene Zeit als Fußball-Torwart im Ruhrgebiet erinnert: Von 1994-1999 habe ich von der Kreis- bis zur Landesliga für u.a. den VfB Speldorf, Blau-Weiß Mintard und den SV Raadt gespielt (zwischendrin auch für die U21-Kreisauswahl Mülheim/Duisburg/Dinslaken und die Mülheimer Stadtauswahl). Meiner Erfahrung nach werden selbst in diesem mittleren Amateurbereich einige Spiele aus dem letzten Saisondrittel zwischen einem Team, das noch um den Auf- oder Abstieg spielt, und einer Mannschaft, die jenseits von Gut und Böse steht, zum Gegenstand von ‘Verhandlungen’. Üblicherweise bietet ein nicht direkt am Spiel beteiligter Verein (so er einen ‘freundlichen Mäzen’ besitzt) als ‘Motivationshilfe’ einen ‘Zuschuss zur Mannschaftskasse’, wenn man das Spiel gewinnt (das wurde von den Beteiligten allgemein als ‘normal’ empfunden); manchmal hält der direkte Gegner mit einem höheren Betrag dagegen, wenn man ‘freiwillig verliert’ (das wurde meist vom Mannschaftsrat oder dem gesamten Team besprochen und zumindest als ‘moralisch problematisch’ empfunden). Zu den ‘Angeboten’ muss man sich verhalten - es ist unmöglich, sich diesen Deals komplett zu entziehen, allerdings sehr wohl möglich, einfach sein Bestes zu geben und dann mal zu sehen, wer was bezahlt (und sich ggf. auch durch eine gute Leistung gegen den Willen des Teams zu stellen). Je nach Spielplan und finanzieller Ausstattung der Gegner hatten meine Teams zwei bis drei solcher ‘lukrativen Spiele’ pro Saison, die teilweise die Mannschaftskasse in signifikanter Weise füllten.
Das dreisteste Ereignis erlebte ich als Torwart des SV Raadt bei einem Kreisliga-Auswärtsspiel in Duisburg am vorletzten Spieltag: Unser Gegner führte die Tabelle mit einem Punkt Vorsprung an und benötigte noch zwei Siege, um sicher aufzusteigen, für uns als Tabellenzehnten war die Saison bereits gelaufen. Als wir tatsächlich bis zehn Minuten vor dem Ende das 0:0-Remis hielten, kam der gegnerische “Fußballobmann” mit einem Umschlag zu meinem Tor, den er in meine Torwarttasche legte und mir sagte, darin seien 1000 Mark (in der Landesliga ging es um höhere Summen), für mich und/oder das Team, wir sollten doch zumindest ein Tor zulassen, für uns gehe es doch um nichts mehr und auf diese Weise würden wir beide gewinnen. ‘Natürlich’ hielten wir das 0:0 (ich kann von mir behaupten - wie viele andere Spieler auch! -, niemals für Geld eine bewusst schlechtere Leistung gebracht zu haben), unser Gegner stieg allerdings dennoch auf, weil auch der direkte Konkurrent patzte (vermutlich hatte dessen Gegner eine ‘Motivationsspritze’ erhalten).
Seit dieser Zeit habe ich den Glauben an einen ’sauberen Sport’ weitestgehend verloren, denn wenn es schon im Amateurbereich so zugeht (es gäbe noch einiges zu erzählen), werden sich im Profitum, wo es um viel größere Summen geht, noch ganz andere Geschichten abspielen. Aber was erwartet man auch vom Sport? Dass er als Teil einer Gesellschaft, die Begriffe wie ‘Leistung’, ‘Erfolg’, ‘Wettbewerb’ und ‘Geld’ in ihr Zentrum stellt, die Felder des Illegalen immer nur hinter dem Horizont liegen sieht und ansonsten bis zur Selbstaufgabe dem Fairplay frönt (wie es im Profibereich z.B. Ajax Amsterdam durchaus verwirklicht)?
Übrigens: Dass ich später im Trierer Raum noch auf der linken Außenbahn für den SV Wasserliesch-Oberbillig spielte, hat natürlich nichts mit indirekten Bestechungsavancen zu tun. Im Gegensatz zum Ruhrgebiet habe ich an der Mosel keine finanziellen Angebote miterlebt (aber ich habe dort auch nur ein Jahr lang gespielt)…
























Dirk sagt
am 30. März 2009 @ 16:45
Off-Topic: Du bist alt geworden seit der 88. Minute
Timo sagt
am 15. Dezember 2009 @ 11:36
Haha, ohja, ganz meine Meinung… toller Artikel! Sch