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Wenn im laufenden Semester die Lehre digital wird: Das Beispiel Belgien

Nein, so hatte ich mir das nicht vorgestellt. Im letzten Jahr habe ich meinen Habilitationsprozess an der Universität Duisburg-Essen erfolgreich mit einer Schrift über Literatur und Literaturwissenschaft im Zeitalter der Sozialen Medien abgeschlossen. Ein Kapitel dieser Arbeit widmet sich der Frage, welche Potenziale die Sozialen Medien für die digitale Lehre und die Veröffentlichungspraxis der Germanistik offerieren und wie diese fruchtbar gemacht werden könnten. Es wurde mir klar, dass diese Potenziale zwar groß sind, in der Umsetzung aber auch viel daneben gehen kann und – vor allem – dass es noch viel auszuprobieren gäbe.

Deutschland: Debatte um digitale Lehre und ein #Nichtsemester

Aber so hatte ich mir das nicht vorgestellt: Dass wir nun in der „größten Krise seit dem Zweiten Weltkrieg“ (UN), so groß muss man wohl denken, gezwungen sein würden, unsere komplette Hochschullehre in kürzester Zeit auf ihre digitale Form umzustellen. Die Maßnahmen gegen die Verbreitung des Coronovirus sind zunächst einmal ein gesamtgesellschaftliches Problem und insbesondere für die Risikogruppen hochrelevant. Ein Effekt dieser wichtigen Maßnahmen ist für meine Kolleg*innen und mich allerdings, dass sie als struktureller Zwang nun eine nur auf Temporalität angelegte Disruption der Lehre auslösen werden.

Eine ‚digitale Revolution‘ lässt sich unter diesen Vorzeichen kaum sinnvoll umsetzen. In Deutschland gibt es daher, ausgehend von einem von den Kolleginnen Prof. Dr. Paula-Irene Villa Braslavsky (LMU München), Prof. Dr. Andrea Geier (Trier) und Prof. Dr. Ruth Mayer (Hannover) initiierten offenen Brief, eine Debatte, ob das Sommersemester 2020 nicht besser ein Nicht-Semester werden sollte. Der Brief weist berechtigterweise darauf hin, dass die Online-Lehre „eine besondere, eigene, voraussetzungsreiche Variante der Lehre“ ist und sehr „gründlich vorbereitet“ werden müsse, wofür die Zeit nun kaum reiche. Spezifische Probleme des deutschen Hochschulsystems – die Befristung der allermeisten Stellen, die hohen Lehrdeputate vieler Kolleg*innen – sowie die schwierigen ökonomischen und sozialen Situationen vieler Studierenden stünden jedoch dieser notwendigen gründlichen Vorbereitung im Wege. Die Forderung der Verfasserinnen, das Sommersemester vor diesem Hintergrund in ein besonders flexibles ‚Nicht-Semester‘ umzuwandeln, wurde innerhalb von drei Tagen von mehr als 1.300 Kolleg*innen erstunterzeichnet.

Belgien: Umstellung auf digitale Lehre im laufenden Semester

Als in Belgien Lehrender ist meine Situation allerdings eine andere, denn die Studienjahre sind anders strukturiert. Mich erwischten die Maßnahmen zur Bekämpfung der Coronavirus-Verbreitung in einem laufenden Semester, denn hier starten die Lehrveranstaltungen schon in der zweiten Februarwoche. Während also in Deutschland noch darüber debattiert wird, ob und wann und wie die Lehre ab April oder Mai stattfinden wird, habe ich die Umstellung sozusagen bereits hinter mir.

Für mich war das besonders unglücklich, weil ich den Ruf nach Antwerpen erst zu diesem Studienjahr erhalten habe und gerade mit meinen ersten drei Lehrveranstaltungen begonnen war. Man muss sich in einem neuen akademischen System zurechtfinden, ein Gefühl für die Interessen und Nöte der belgischen Studierenden entwickeln und einzuschätzen lernen, welche Erwartungen man an die Leistungen der Studierenden im ersten, zweiten bzw. dritten Bachelorjahr oder dann im Masterstudium stellen darf. Als ich nach den ersten Seminaren anfing, einen besseren Einblick zu haben, griff die Universiteit Antwerpen – die in Person des Virologen Prof. Dr. Steven van Gucht und der Expertin für Infektionskrankheiten, Prof. Dr. Erika Vlieghe, auch den belgischen Diskurs über die Coronavirus-Bekämpfung mitbestimmt – zur Notbremse. Mit einer Email vom 18. März 2020 erklärte unser Rektor Prof. Dr. Herman Van Goethem als Konsequenz der Coronavirusverbreitungsbekämpfung die Lehre zur Digitallehre, mit Email vom 20. März 2020 auch das gesamte Semester als eines der digitalen Lehre.

Was sind nun meine Erfahrungen aus diesen letzten Wochen? Zunächst ganz allgemein: Erstens ist nicht alles so schlimm, wie man es befürchtet. Zweitens gibt es große Potenziale im Digitalen, die man nun endlich einmal selbst ausprobieren kann. Drittens weiß man klarer, welche Bereiche auch durch das Digitale nicht zu ersetzen sind und sogar noch relevanter werden. Was heißt das konkret?

Erfahrungen und Tipps (1): Digitale Studieninhalte und Studierendenbetreuung

Im Gegensatz zu früher müssen wir uns klar machen, dass die Studierenden und Lehrenden eine andere Unsicherheit spüren und womöglich nur eingeschränkt oder temporär verfügbar sind. Es muss für uns alle erst einmal prioritär sein, dass wir die Zeit bis zur möglichen Impfung gesund überleben oder zumindest daran mitarbeiten können, dass möglichst viele Menschen sich nicht anstecken oder im Falle der Erkrankung überleben. Das heißt konkret, dass wir möglicherweise selbst erkranken; dass einzelne Studierende erkranken; dass Familienmitglieder oder Freund*innen von uns oder den Studierenden erkranken oder Symptome zeigen, was psychisch belastend sein kann; zudem entsteht für befristet arbeitende Kolleg*innen mit kleinem Einkommen sowie für Studierende, deren Nebenjobs wegfallen, eine enorme psychische Belastung. Diejenigen, die sich privat in der Pflege engagieren oder deren Kinder nicht in den Kindergarten oder die Schule gehen können, stehen vor einem enormen Alltagsstress. Daher erscheint mir sehr wichtig: Es kann helfen, die Lernziele zu reduzieren, und es ist in jedem Fall wichtig, wesentlich flexibler mit dem Seminarverlauf sowie dem individuellen Studienverlauf umgehen zu können.

Neben diesen aktuellen Herausforderungen gibt es andere, die die digitale Lehre aus dem Homeoffice allgemein betreffen. Wichtig werden die technischen Voraussetzungen: ein möglichst guter Rechner, eine möglichst stabile Internetverbindung, aber auch ein Raum, in den man sich zu Hause ungestört zurückziehen kann. Der Digitalunterricht privilegiert daher die reicheren Studierenden und ist gerade für die ärmeren Studierenden aus bildungsschwachen Hintergründen eine besondere Herausforderung. Die von Prof. Dr. Nicole Zillien (Gießen) schon früh konstatierte Gefahr der „Digitalen Ungleichheit“ kann hier wieder voll durchschlagen. Es ist daher wichtig, individuell für diese Differenzen der Ausstattung sensibel zu sein und nach Möglichkeit auch strukturelle Lösungen zu bedenken. Aus meiner Erfahrung ist es tatsächlich ein großer Unterschied, ob man zum Beispiel einer digitalen Präsentation einer guten Studentin folgt, die technisch optimal verläuft, oder einer wesentlich schwächeren Präsentation, die dann auch noch regelmäßig technische Aussetzer hat und wegen eines billigen Headsets von einem unangenehmen Grundrauschen begleitet wird.

Nach meinen bisherigen Erfahrungen können die formulierten Lernziele weitestgehend gleich bleiben – wobei es ratsam scheint, die quantitativen Anforderungen zu reduzieren, also zum Beispiel die Lektüreerwartungen oder die Länge von Hausarbeiten, und im Rahmen des Möglichen zu flexibilisieren (viel Gremienarbeit ist nötig, um diese Flexibilisierung zu verstehen und zu begleiten). Vor allem ändern sich der Lernweg und die Lernformen, und diese wiederum in unterschiedlicher Form für verschiedene Seminartypen. Beispielsweise können Lernvideos und individuelle Lektüren in Überblicksvorlesungen zum Beginn des Bachelorstudiums, in denen es vor allem um Wissensvermittlung geht, natürlich effektiv sein. Diese Formen sind am ehesten den MOOCs (massive open online courses) vergleichbar, die vor einigen Jahren sozusagen als Speerspitze der digitalen Lehre insbesondere für Bildungspolitiker*innen ein Versprechen auf günstige Digitallehre enthielten: Man nehme einmal eine Veranstaltung auf, präsentiere Studierenden das Video mit Übungsfragen und könne sich perspektivisch viele Präsenzstunden sparen, so die Hoffnung.

Was die Hochschuldidaktik inzwischen weiß, bestätigt sich auch bei meinen Bachelor-Veranstaltungen „Deutsche Literaturgeschichte 1“ und „Deutsche Kulturgeschichte“: Wenn es gut läuft, stellen die Studierenden gute Fragen zum Stoff und fordern sie eine Interaktion zu ihren Fragen ein. Daher erfolgt die Lehre im Livevideo, die Studierenden können Zwischenfragen stellen oder eigene Kommentare anbieten. Darüber hinaus gibt es auch ein Seminarwiki (oder wahlweise ein Forum), in dem die Studierenden Fragen oder Beobachtungen zu ihren Lektüren aufschreiben und reflektieren können und auf die ich dann in der nächsten Sitzung eingehe. Die Beobachtung und Kuratierung dieser interaktiv angelegten Portale geht jedoch deutlich über den Zeitaufwand für ‚normale Seminare‘ hinaus, in denen man vor Ort und informell viele Fragen beantworten und Gespräche führen kann.

Überhaupt verschiebt sich das Verhältnis von (digitaler) Präsenzlehre, studentischen Aktivitäten auf interaktiven Seminarplattformen und direkter Studierendenbetreuung: die eigentliche Lehre steht weniger im Mittelpunkt, die Interaktivität und die direkte Betreuung werden relevanter – und nur dann wird digitale Lehre als solche auch wirklich produktiv. In meinem Masterseminar „Literatur und Politik“, das im Verhältnis wenige, jedoch sehr gute und motivierte Studierende besuchen, kann ich die Hausarbeitsthemenentwicklungsprozesse durch die nun interaktive Seminarstruktur sozusagen in Echtzeit verfolgen. Anders gesagt: In dem Maße, in dem sich einige Studierende angesichts der Quarantänezeit noch einmal ganz anders mit dem Lehrstoff befassen können, erhöht sich auch der Anspruch an die Betreuung. Frühe und klare Absprachen zur Kommunikation und zu Gesprächs(zeit)räumen erscheinen daher wichtig. By the way: Für kleinere Forschungsgruppen oder Fachteams, bei denen jetzt notgedrungen der Small Talk des Alltags wegfällt, kann ein regelmäßiges digitales Jour fixe anregend sein, bei dem es vielleicht auch nur um einen privaten Austausch geht.

Erfahrungen und Tipps (2): Tools des E-Learning und die nachhaltige Digitalisierung der Fach-Communities

Wer suggeriert, dass es für die Digitallehre die eine gute Lösung gäbe, geht völlig an der Realität vorbei. Für jeden Seminartypus und Seminarinhalt muss prinzipiell ein eigenes Programm durchdacht werden, das sich auf das Lernziel, die Studierendengruppe, deren Vorkenntnisse und Fertigkeiten sowie die jeweiligen digitalen Möglichkeiten bezieht. Das ist bei einem solch disruptiven Vorgehen im Krisenmodus natürlich unmöglich, weshalb zumindest zwei Punkte wichtig sind: Erstens hilft es sehr, die Studierende immer wieder einzubeziehen und zum Feedback zum Lernprozess aufzufordern. Sie machen in unterschiedlichen Seminaren verschiedene Erfahrungen und auf diese Weise lässt sich interaktiv nachtarieren. Hier wird digitale Vernetzung einmal wirklich produktiv.

Zweitens hat es sich als hilfreich erwiesen, wenn man den Studierenden – gerade in der unsicheren Situation unserer gegenwärtigen Krise – eine überschaubare Zahl an Tools nahelegt, die dann kontinuierlich genutzt werden. An der Universität Antwerpen bewegen wir uns zu großen Teilen auf der Lernplattform Blackboard, die einen eigenen digitalen Kursraum mit der Option, Arbeitsgruppen einzurichten, sowie weitere Tools wie Wiki, Forum, Blog etc. beinhaltet. Zu meiner Freude läuft diese Plattform auch ziemlich stabil; von anderen Universitäten oder auch beim digitalen Schulunterricht der Kinder habe ich mitbekommen, dass dies leider nicht immer gelingt, gerade zu bestimmten Stoßzeiten. Auch darauf sollte man sich einstellen.

Zur Beschränkung der Tools: Die Kommunikation mit Kolleg*innen habe ich in den letzten Tagen schon über Blackboard Collaborate ultra, Skype, WhatsApp, Zoom und Microsoft Team geführt; als kollaborative Schreibplattform haben wir Ideen über ein GoogleDoc ausgetauscht. Ich würde mir wünschen, dass sich auch hier zunehmend Standards etablieren und dabei vor allem die Debatte über die notwendige Datensouveränität der Nutzer*innen endlich auch breit und sinnvoll geführt wird. Es ist eigentlich beschämend, dass der Wissenschaftsbetrieb zu weiten Teilen noch immer auf die Plattform eines kommerziellen Anbieters zurückgreift, dessen überaus erfolgreiches Geschäftsmodell gerade auf intransparenten Algorithmen und einer problematischen Datenpolitik beruht.

Ein positiver Effekt dieser Krise könnte sein, dass die verschiedenen Disziplinen ihre digitalen Lernformen durchdenken und vor allem für das E-Learning hilfreiche Ressourcen bündeln. In der Kunstgeschichte hat sich eine solche Gruppe bereits herausgebildet, auf Initiative von PD Dr. Claudius Sittig (Rostock) gibt es eine ähnliche Initiative für die Germanistik. Wenn es gelingt, in solchen spontanen Arbeitskreisen kurzfristig hilfreiche Impulse für die Einrichtung der digitalen Lehre in den jeweiligen Disziplinen zu geben, und das gemeinsam entwickelte Erfahrungswissen auch nachhaltig zu bündeln, wäre uns allen geholfen. Mein Eindruck ist aber, bei allem Enthusiasmus der Beteiligten, auch hier, dass der Respekt vor der Krise und der Bewältigung des je individuellen Alltags das Engagement hemmen. Wir müssen uns das merken, wenn wir in den nächsten Monaten mit unseren Studierenden umgehen.

Erfahrungen und Tipps (3): Open Access und die digitale Bibliothek

Schließlich liegt mir noch ein Punkt besonders am Herzen. Ich habe mich in den vergangenen Jahren für das digitale Publizieren in der Wissenschaft und insbesondere für den Gedanken des Open Access engagiert. In dieser Krise sehen wir, wie wichtig es wäre, umfassend diese Potenziale zu nutzen, denn viele Texte stehen unseren Studierenden derzeit nicht oder nur eingeschränkt zur Verfügung (an manchen Unis sollen die Studierenden Hausarbeiten verfassen, ohne die Bibliotheken betreten zu dürfen). In der Praxis kann es darauf hinauslaufen, dass das Literaturverzeichnis in ‚digital verfügbare Primärliteratur‘, ‚digital verfügbare Sekundärliteratur‘ und ‚interessant klingende, aber digital leider nicht verfügbare Literatur‘ unterteilt werden muss. Das sollte jedoch so schnell wie möglich kein Problem mehr sein und ist ein Aufruf an alle Wissenschaftler*innen, spätestens aus dieser Erfahrung heraus nachhaltig darauf zu drängen, alle Veröffentlichungen auch in der Open Access-Variante anzubieten. Von manchen Universitätsbibliotheken weiß ich, dass derzeit extra Ressourcen genutzt werden, um manche Bücher endlich auch digital verfügbar zu machen – gut so!

Nichts von dem, was ich hier geschrieben habe, ist wirklich neu. Vieles davon trifft auch schon auf die Präsenzlehre zu. Ich hoffe aber, dass die Möglichkeiten, Probleme und vor allem Verschiebungen, die ich in den letzten beiden Wochen mit der spontanen Komplettumstellung auf die digitale Lehre erfahren habe, deutlich geworden sind. Diesen Text werde ich immer mal wieder aktualisieren, für Hinweise bin ich daher dankbar.  

Viel wichtiger bleibt aber: Bleiben Sie gesund!

Vorträge im Februar 2020: Gegenwart, Populismen, Freiheit

Plakat der Bonner Konferenz zu Pop und Populismen

Ich freue mich, im Februar auf gleich drei Konferenzen meine Forschungsarbeiten präsentieren und diskutieren zu dürfen. Zunächst bin auf gleich zwei Konferenzen in Bonn: Zunächst darf ich auf der Konferenz „Figur(ation)en der Gegenwart“ des Bonner DFG-Graduiertenkollegs 2291 am 6. Februar über „Das Netzwerk als Prozess. Digitale Präsenz in der Literatur und als Literatur“ sprechen. Dann wechsle ich zur 12. Jahrestagung der AG Populärkultur und Medien in der Gesellschaft für Medienwissenschaft, die sich mit dem Thema „‚The People vs. The Power Bloc‘ (?) – Interdisziplinäre Perspektiven auf Pop und Populismen“ beschäftigen wird. Dort spreche ich in einem selbstreflexiven Vortrag über „Von ‚Faserland‘ zum Vaterland? Eine Revision umstrittener Thesen zur Neuen Deutschen Popliteratur“ und treffe unter anderem die Kolleginnen Dr. Charis Goer (Utrecht, Organisatorin) und Dr. Melanie Schiller (Groningen).

Am 20./21. Februar wird mein Paper mit dem Titel „Nach dem geistigen Eigentum: Neue Geschäfts- und Rechtsmodelle der Netzliteratur in der Praxis“ auf der interdisziplinäre Fachtagung „Tipping Points – Zum Verhältnis von Freiheit und Restriktion im Urheberrecht“ des Weizenbaum-Instituts für die vernetzte Gesellschaft und des Fachausschusses Urheberrecht der Gesellschaft für Musikwirtschafts- und Musikkulturforschung in Berlin präsentiert und diskutiert.

Vorträge 2018 (1): Mediale Subversion, Literatur in sozialen Medien, verbotene Bücher und Kritische digitale Kulturwissenschaft

Es freut mich sehr, dass ich in den kommenden Monaten meine Forschungsarbeiten und Thesen an deutschen und niederländischen Universitäten präsentieren und diskutieren darf. Die Fachgruppe Komparatik der Georg-August-Universität Göttingen hat mich eingeladen, im Rahmen ihrer öffentlichen Vortragsreihe Formen und Narrative politischen Protests zu sprechen. In meinem Vortrag werde ich mich mit der Frage Paradigmenwechsel des ästhetischen Protests? Von engagierter Literatur zu medialer Subversion beschäftigen (Dienstag, 23.1.2018, 17 Uhr, Platz der Göttinger Sieben, ZHG 008). Direkt einen Tag später spreche ich an der Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg im Rahmen der Ringvorlesung Bestandsaufnahmen. Literatur im (post-)digitalen Zeitalter, die das Interdisziplinäre Zentrum für Literatur und Kultur der Gegenwart (IZG) organisiert. Mein Vortrag trägt den Titel Jenseits von Buch, Verlag und Buchhandel (1): Literarische Produktivität in Sozialen Medien und bezieht sich indirekt auf den Vortrag Jenseits von Buch, Verlag und Buchhandel (2) von Prof. Dr. Svenja Hagenhoff, die eine Woche später sprechen wird (Mittwoch, 24.1.2018, 18 Uhr, KH 1.020, Universitätsstr. 15, Erlangen).

Der jährliche Abendkurs der Vereniging van Germanisten aan de Nederlandse Universiteiten beschäftigt sich 2018 mit dem Thema Verbotene Bücher! Ich habe die Freude, unter dem Titel Bücherverbote in der deutschen Literatur: Begriffe, Geschichte und Gegenwart. Eine diskursanalytische Einführung den Einführungsvortrag halten zu dürfen (Mittwoch, 7.2.2018, 19:15 Uhr, Utrecht, Drift 25, zaal 005). Schließlich hat das Organisationskomitee der DHd2018-Konferenz zum Thema Kritik der digitalen Vernunft meinen Beitrag Critical Digital Cultural Studies: Digitale Kulturwissenschaft und die Kritik des Mem-Begriffs eingeladen (Freitag, 2.3.2018, 11 Uhr, Universität zu Köln).

Politische und digitale Literatur: Meine Vorträge 2017

Es freut mich sehr, dass ich 2017 auf vier wichtigen Konferenzen meine Forschungsarbeit über politische und digitale Literatur präsentieren darf:

Veröffentlichung: „Eine Kritik der Kritik des Open Access“

Es freut mich sehr, dass kurz vor Jahresende mein Aufsatz „Eine Kritik der Kritik des Open Access. Zu den Debatten über das Zweitveröffentlichungsrecht und über die Wertigkeit von Print- vs. Digitalpublikationen in den Geisteswissenschaften“ in der 30. Ausgabe der Zeitschrift Libreas. Library Ideas unter dem Schwerpunkt „Post-Digital Humanities“ veröffentlicht worden ist. In diesem Beitrag zeichne ich zunächst nach, wie sich nach den frühen Appellen für Open Science und Open Access inzwischen Standards einer offenen Veröffentlichungspraxis in den Geisteswissenschaften etablieren. Die Etablierung von Open Access als Standard in den Geisteswissenschaften wird allerdings weiterhin scharf kritisiert, weshalb ich mich anschließend sowohl mit den buch- und medienwissenschaftlichen Grundannahmen der Kritiker des Open Access (vor allem am Beispiel von Michael Hagner und Roland Reuß) sowie mit einzelnen Praxiserfahrungen bei der Wahrnehmung des Zweitveröffentlichungsrechts beschäftige. Schließlich kann ich zwar einerseits die medientheoretischen Grundannahmen der Open Access-Kritiker zurückweisen, ich plädiere jedoch andererseits dafür, einzelne ihrer Kritikpunkte zu berücksichtigen, um eine bessere Praxis von Open Access-Veröffentlichungen zu etablieren. In meinen Ausführungen beziehe ich mich u.a. auf buchwissenschaftliche (Svenja Hagenhoff), rechtswissenschaftliche (Sebastian Krujatz, Reto Mantz) und medienwissenschaftliche Arbeiten (Vilém Flusser).

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#Siggenthesen zum wissenschaftlichen Publizieren im digitalen Zeitalter

Als Klaus Mickus mich auf der Future Publish 2016 in Berlin ansprach, ob ich nicht Interesse daran hätte, mit ihm und Constanze Baum eine Art ‚Think Tank‘ zum wissenschaftlichen Publizieren im digitalen Zeitalter zu organisieren, da er gerade „Eine Woche Zeit“ gewonnen habe, war ich gleich Feuer und Flamme. Zu häufig verlieren wir uns im Wissenschafts-, Bibliotheks- oder Verlagsalltag in kleinen Kämpfen, es erschien mir sehr sinnvoll, mich einmal intensiv mit KollegInnen auszutauschen, mit denen man nicht erst das Ob der Digitalisierung diskutieren muss, sondern über das Wie sprechen kann. Tatsächlich erwies sich die Woche im Seminarzentrum Siggen als sehr anregend, wie Kollege Ben Kaden auf dem LIBREAS-Weblog berichtet.

Insbesondere freut es mich, dass wir unsere Siggener Debatten zu zehn #Siggenthesen verdichten konnten, die auf dem Redaktionsblog von Merkur. Deutsche Zeitschrift für europäisches Denken erstveröffentlicht wurden und dort unterzeichnet und kommentiert werden können. Die Thesen lauten wie folgt:

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Vom Urheber zur Crowd, vom Werk zur Version, vom Schutz zur Öffnung? Kollaboratives Schreiben und Bewerten in den Digital Humanities

In der Zeitschrift für digitale Geisteswissenschaften (Sonderband Nr. 1: „Grenzen und Möglichkeiten der Digital Humanities“, hg. von Dr. Thomas Stäcker und Dr. Constanze Baum) ist mein Aufsatz „Vom Urheber zur Crowd, vom Werk zur Version, vom Schutz zur Öffnung? Kollaboratives Schreiben und Bewerten in den Digital Humanities“ erschienen, der auf einen Vortrag bei der DHd-Konferenz 2014 Digital Humanities – methodischer Brückenschlag oder ‚feindliche Übernahme‘? Chancen und Risiken der Begegnung zwischen Geisteswissenschaften und Informatik-Konferenz zurückgeht. Der Aufsatz wurde zudem angeregt durch die Mitglieder der AG Publizieren im Verband Digital Humanities im deutschsprachigen Raum und die Aktivitäten der AG Potenziale digitaler Medien in der Wissenschaft der Global Young Faculty III, der ich zudem für ihre besondere Unterstützung danke.

Da der Aufsatz u.a. die These vertritt, dass digitale Medien den Geisteswissenschaften einen weitaus kritischeren, transparenteren und produktiveren Austausch über Veröffentlichungen ermöglichen, der im besten Fall zu verbesserten Versionen einer Veröffentlichungen führen kann, würde ich mich über kritische Kommentare zum Aufsatz sehr freuen, die unter diesem Posting hinterlassen oder per Email (s.o.) an mich geschickt werden können.

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„Open Knowledge? Potentials of Digital Publishing in the Academic World“

Eine Konferenz der Global Young Faculy III, 27. April 2015, 13:00-20:00, Universität Duisburg-Essen, Campus Essen, Glaspavillon, Universitätsstr. 12

Mit großer Freude kündige ich hiermit die Abschlusskonferenz unserer „AG Potenziale Digitaler Medien in der Wissenschaft“ in der Global Young Faculty III an. Wir werden uns mit der Frage beschäftigen, welche Konsequenzen sich aus den Potenzialen des digitalen Publizierens für die Wissenschaft ergeben, inwiefern eine freiere Verfügbarkeit von Wissen auch eine bessere Wissenschaft begünstigt und an welchen Stellen aktuell der mediale und wissenschaftliche Wandel noch umstritten ist. Dazu haben wir einerseits mit Prof. Dr. Kathleen Fitzpatrick (New York City/Modern Language Association), Dr. Markus Neuschäfer (Berlin/Open Knowledge Foundation) und Dr. Thomas Stäcker (Wolfenbüttel/Digital Humanities im deutschsprachigen Raum) einschlägige Keynote-Speaker gewinnen können, daneben werden Prof. Dr. Eva Wilden (Vechta), Dr. Stephan Winter (Duisburg-Essen) und ich aus der AG-Arbeit berichten und erstmals die Ergebnisse einzelner AG-Projekte, u.a. einer Studie zur Nutzung digitaler wissenschaftlicher Medien durch Studierende und zum Zweitveröffentlichungsrecht, präsentieren.

 

Der Eintritt ist kostenlos, eine Anmeldung bei Kristina Petzold unter blog@global-young-faculty.de erwünscht, weitere Informationen erhalten Sie auf der Konferenzseite.

Vom Urheber zur Crowd, vom Werk zur Version, vom Schutz zur Öffnung? Linkliste zu meinem Marburger Vortrag #gfm14 über wiss. Publizieren in digitalen Medien

Heute spreche ich auf der Jahrestagung der Gesellschaft für Medienwissenschaft zum Thema Medien/Recht an der Philipp-Universität Marburg. Es ist eine hochgradig spannende Tagung, bei der man kaum weiß, welches der vielen Parallelpanels man lieber besuchen würde – einen Einblick mögen Ihnen auch die Tweets zur Konferenz geben.

Da ich mich in meinem Vortrag im Panel 4.1. Kollektive Autorschaft, Archive (Film, Musik, Wissenschaft) zum Thema Vom Urheber zur Crowd, vom Werk zur Version, vom Schutz zur Öffnung? Wissenschaftliches Publizieren in digitalen Medien auf verschiedene online verfügbare Quellen berufen werde, die Sie individuell sichten sollten, während ich vortrage, finden Sie hier die entsprechende Linkliste:

Allgemeine Links zum Vortrag

Beispiele für kollaboratives Schreiben und Social Reading in einer digitalen Wissenschaft

Interaktives Weblog unter CC-Lizenz

Vernetzte Wissenschaftskommunikation in Sozialen Medien

(Teilweise anonyme) Bearbeitung konkreter Forschungsfragen auf kollaborativen Online-Plattformen

Transparente Academic Social Reading- und Commenting-Plattformen

Video-Dokumentation des Workshops „Nach dem geistigen Eigentum?“

Die studentische Webredaktion unseres Essener MA-Studiengangs „Literatur und Medienpraxis“ hat aus den sechs Stunden Videomaterial eine achtminütige Kurzzusammenfassung des Workshops „Nach dem geistigen Eigentum? Digitale Literatur, die Literaturwissenschaft und das Immaterialgüterrecht“ geschnitten, die Ihnen einen ersten Einblick in die Präsentationen und Diskussionen geben:

Dank der fabelhaften Unterstützung durch die Essener Medientechnik (ein Dank an Jochen Ehlert und Ralf Wassermann!) stehen auch die kompletten Präsentationen und Diskussionen des Workshops zur Nachbetrachtung auf den Workshopseiten www.uni-due.de/ndge/livestream zur Verfügung. Sie finden dort die folgenden Video- und Audiodateien:

  • Prof. Dr. Rolf Parr (Studiengangleiter ‚MA Literatur und Medienpraxis‘ an der Universität Duisburg-Essen): »Grußwort« (4:36, Video, Direktlink zu div. Dateiformaten in DuEPublico)
  • Dr. Thomas Ernst (Universität Duisburg-Essen): Vortrag zum Thema »Nach dem geistigen Eigentum? Die Literaturwissenschaft und das Immaterialgüterrecht« (26:24, Video, Direktlink zu DuEPublico)
  • Dirk von Gehlen (Süddeutsche Zeitung, Leiter Social Media/Innovation): Vortrag und Diskussion zum Thema »War Crowdfunding besser als Suhrkamp? ‚Eine neue Version ist verfügbar‘ – Probleme und Potenziale digitaler Buchveröffentlichungsformen« (59:17, Video, Direktlink zu DuEPublico)
  • Klaus-Peter Böttger (Präsident EBLIDA/Leiter Stadtbibliothek Essen): Vortrag und Diskussion zum Thema »Warum das Urheberrecht ein Problem für die ›Onleihe‹ ist. Oder: Was macht für Bibliotheken den Unterschied zwischen einem Kauf und einer Lizenz aus?« (54:09, Video, Direktlink zu DuEPublico)
  • Prof. Dr. Katharina de la Durantaye (Humboldt-Universität Berlin): Vortrag und Diskussion zum Thema »›Geistiges Eigentum‹ vs. Immaterialgüterrecht. Rechtswissenschaftliche Perspektiven für die Literaturwissenschaft« (46:00, Audio, Direktlink zu DuEPublico)
  • Podiumsdiskussion zum Thema »Digitale Literaturen, Geschäftsmodelle digitalen Publizierens und das Immaterialgüterrecht. Probleme und Perspektiven« mit den Diskutanten: Prof. Dr. Hermann Cölfen (Kustos der Germanistik an der Universität Duisburg-Essen; Gründer des Universitätsverlags Rhein-Ruhr), Dorothee Graf (Fachreferentin Germanistik der Universitätsbibliothek der Universität Duisburg-Essen), Matthias Spielkamp (Projektleiter iRights.info – Urheberrecht in der digitalen Welt), Dr. Paul Heinemann (Lektor des Olms Verlag, Hildesheim), Moderation: Dr. Thomas Ernst (1h40, Video, Direktlink zu DuEPublico)
  • Sehen Sie auch den Kurzbericht zum Workshop von Esther Kalb für das Weblog Digitur – Literatur in der digitalen Welt.