Riot on an Empty Street: Pictures of Globalization (1)

Air Sickness Bag, 2007.
A contribution by
Iberia regional
to the
processes of globalization.

Air Sickness Bag, 2007.
A contribution by
Iberia regional
to the
processes of globalization.
Was sind Blogger? Wenn sie mehr betrachten als ihren eigenen Bauchnabel machen sie nichts anderes als das Rentnerduo Waldorf und Statler aus der Muppet Show: Blöd in der Loge rumhocken und die Abstrusitäten auf der Bühne des Lebens kommentieren. Als Hommage an die beiden werten Herren From the Balcony werde ich zukünftig unregelmäßig einige ihrer berühmten Schlussworte nach dem Abspann dokumentieren. Heute beginne ich mit einem kurzen Dialog, der vielleicht als Motto über meinem ganzen Blog stehen könnte:
-This show is awful.
-Terrible.
-Disgusting.
(Pause.)
-See you next week?
-´Course.
Im September und Oktober kulminier(t)en leider viele Deadlines, weshalb ich zuletzt mein Blog ein wenig ruhen lassen musste. Nun scheint aber das Schlimmste überstanden und wird dieses Blog wieder in Bewegung geraten; in den kommenden Monaten werden nach und nach jene Texte veröffentlicht, die gerade abgeschlossen wurden und werden. Dabei handelt es sich um wissenschaftliche Texte, die im Rahmen meines Post-Doc-Projektes an der Universität Luxemburg über Heimat und Hybridität entstehen bzw. eine Auseinandersetzung mit dem Verhältnis von Globalisierung und Regionalliteraturgeschichtsschreibung darstellen (1-4), sich aus einer literaturtheoretischen Perspektive mit der deutschsprachigen Gegenwartsliteratur beschäftigen (5) sowie um eigenständige literarische (Lehr-)Tätigkeiten (6/7). Konkret werden im September und/oder Oktober folgende sieben Projekte bearbeitet und abgeschlossen:

(Soltau, Bibliothek Waldmühle, 1999)
Zur Nachahmung empfohlen: Bis 2005 arbeitete Jürgen Schrempf als Vorstandsvorsitzender eines Tante-Emma-Ladens in Dortmund-Bövinghausen, der allerdings dem Strukturwandel zum Opfer fiel, wie Financial Times Deutschland übereinstimmend meldete. Seither pfeift er bevorzugt Lieder vom Ende des Kapitalismus und denkt sich:
Lasst mich in den Gärten des Geistes der Plastikmülleimerträger sein!
Angeblich hat Director Spike Jonze für die Produktion dieses Videos in Kalifornien nur 800 US-Dollar benötigt. Er selbst agiert unter dem Pseudonym Richard Koufey, auch Fatboy Slim ist am Ende unter den Zuschauern kurz zu sehen. Aber jetzt:
Let tonight´s performance be the best performance we´ve ever had.
Angesichts dieses höchst ironischen Videos könnte man glatt für einen Moment pathetisch werden und denken: Wenn man sich nur traut, die Begrenzungen der Diskurse (oder hier: der Absperrungen) zu überschreiten, ist Großes möglich. Oder nostalgisch und mit Herrn Marx gesprochen: Man müsste mal häufiger
den versteinerten Verhältnissen ihre eigene Melodie vorspielen und sie so zum Tanzen bringen,
und sei es auch nur im Eingangsbereich eines kapitalistischen Kinotempels…
Skandal! Manche Flamen zerschießen nicht nur das wunderbare Projekt ‚Belgien’ aus separatistischen Schützengräben, sondern lachen auch öffentlich jene Menschen aus, die das zuallerletzt verdienen - denkt man glatt! Doch sehen Sie selbst:
Quatsch! Es handelt sich Weiterlesen »

Ruhrgebiet, Real-Supermarkt, 1998
Dieter Hund wurde jüngst von Josef Eckermann, dem Geschäftsführer der Real-Supermärkte, zum Helden der Arbeit (Kategorie: Wisch & Waschi) ernannt, weil er bei seiner Arbeit gerne Lieder vom Ende des Kapitalismus pfeift. Hund reiht sich in eine große Tradition ein: Vor ihm wurde der Titel u.a. an Ilse Biesmann (1950, Ringspinnerin aus Nieder-Schmalkalden), Maria Holl (1960, Schweinemeisterin aus Bölkendorf) und Wolfgang Heyl (1986, stellv. CDU-Vorsitzender) verliehen. Freundschaft!
Während sich die Feuilletons und die Boulevardpresse über die “Feuchtgebiete” von Charlotte Roche oder die Selbstinszenierungsstrategien von ‘Lady Bitch Ray’ echauffieren, wird gerne übersehen, dass das offene Schreiben oder Sprechen über Sexualität und Körperflüssigkeiten nun wirklich keine Erfindung des 21. Jahrhunderts ist. Einen jüngeren Klassiker zum Thema, der allerdings im Gegensatz zu Roches Buch und ‘Lady Bitch Rays’ Inszenierungen über eine beeindruckende künstlerische Qualität und eine für den Boulevard inkompatible Form politischer Reflexion verfügt, hat Elfriede Jelinek bereits 1989 mit “Lust” vorgelegt.
Erstaunlich, in welch peinlicher Weise die damaligen und ‘natürlich’ männlichen Chefliteraturkritiker (Reich-Ranicki, Karasek, Busche) gegen die tapfere Sigrid Löffler den Text und seine Autorin denunzieren. Doch sehen Sie selbst:
Mir ist noch nicht klar, welcher Moment der peinlichste ist:
Mit zwei Freunden traf ich mich regelmäßig zum Austausch über die Frage, wie man so vorankomme. Ging´s mal schlecht, entwickelten wir Strategien, wie vielleicht dennoch etwas zu produzieren wäre. Irgendwann bei einem solchen Gespräch fiel der Satz: „Nein, das kann ich nicht machen – das würde mich zu sehr aus meiner Schreibkrise reißen!“ Es ist wohl kein Zufall, dass bislang keine unserer Arbeiten beendet worden ist.
Aus: Titanic. Das endgültige Satiremagazin. Heft 8 (2005), S. 42.
Der finnische Sänger und Schriftsteller Mauri Antero Numminen bringt uns das Frühwerk Tractatus logico-philosophicus des österreichischen Philosophen Ludwig Wittgenstein in gesungener Weise nahe. Er hat sich dabei gegen den ersten Satz -„Die Welt ist alles, was der Fall ist.“ (S. 11) - und für den siebten und letzten Satz - „Wovon man nicht sprechen kann, darüber muß man schweigen.“ (S. 85) - entschieden:
Mir gefällt übrigens der ‚Satz 5.634’ am besten :
Alles, was wir sehen, könnte auch anders sein. Alles, was wir überhaupt beschreiben können, könnte auch anders sein. Es gibt keine Ordnung der Dinge a priori.
[Ludwig Wittgenstein: Tractatus logico-philosophicus. Werkausgabe Band 1. Frankfurt/Main: Suhrkamp, 1993. S. 68]