2010 war ein produktives Jahr, insbesondere meine Arbeit als Postdoktorand an der Université du Luxembourg, unterstützt vom FNR Luxembourg und Prof. Dr. Georg Mein, ermöglichte mir die Fertigstellung zahlreicher Aufsätze und Forschungsbeiträge, die inzwischen teilweise auch online vorliegen: Weiterlesen »
Gestern haben Florian Neuner und ich im neuen Medienhaus von Mülheim an der Ruhr unsere neue literarische Anthologie „Das Schwarze sind die Buchstaben. Das Ruhrgebiet in der Gegenwartsliteratur” präsentiert, eingeführt von dem Leiter des assoverlags, Ernst Gerlach, und ausführlich vorgestellt vom Leiter des Ruhr Museums, Prof. Dr. Ulrich Borsdorf. Florian und ich haben uns zudem sehr gefreut, dass der von uns sehr geschätzte Autor und Literaturwissenschaftler Jürgen Link, die Leiterin des Fritz-Hüser-Instituts, Hanneliese Palm, sowie mit Holger Bergmann, Klaus-Peter Böttger und Dirk Schneider einige der wichtigsten (im Falle Böttgers: ehemaligen) Kulturvermittler aus Mülheim vor Ort waren.
Karl-Heinz Gajewski hat zudem in seinem Audioarchiv reviercast.de einige Fragmente der Buchpräsentation versammelt:
Zwar weiß ich nicht, wie sich die Debatte um die ‚Datenkrake’ Google und ihren Zugriff auf das ‚geistige Eigentum’ im Bereich der Buchkultur in Zukunft entwickeln wird, aber für die folgende Information ist dieser größere und zweifelsohne spannende Kontext zunächst einmal irrelevant:
Aktuell ist unser Sammelband SUBversionen. Zum Verhältnis von Politik und Ästhetik in der Gegenwart. Der Band wurde in Medien wie DeutschlandRadio Kultur, Das Argument oder Malmoe als „qualitativ hochwertig”, „sehr einsichtig”, „spannend” und „fundiert” bewertet.
Viel Freude bei der Lektüre!
Seit ein paar Wochen ist das deutsche Fußball-Schiedsrichterwesen nicht aufgrund seiner guten Leistungen, sondern aufgrund der Ereignisse um den inzwischen von allen DFB-Ämtern zurückgetretenen ehemaligen Bundesliga-Schiedsrichter und zuletzt als DFB-Schiedsrichtersprecher tätigen Manfred Amerell in den Schlagzeilen. Unstrittig scheint, dass das deutsche Schiedsrichterwesen bis heute im Sinne einer klassischen Burschen- und Männerseilschaft organisiert ist, so dass die Beförderung einzelner Referees durch Protégés zumindest möglich war. Diese Strukturen sollen nun massiv verändert werden - gut und Punkt.
Problematisch und für die DFB-Verantwortlichen offenbar delikat wird es nun in der Angelegenheit Manfred Amerell vs. Michael Kempter. Der junge Bundesliga-Schiri Kempter behauptet, sein ‚Ziehvater’ Amerell habe ihn sexuell belästigt; Amerell wiederum stellt fest, er sei bisexuell und beide hätten über eine längere Zeit ein mehr als freundschaftliches Verhältnis geteilt; Kempter erklärt wiederum im Interview, er sei definitiv nicht homosexuell. Die ganze Angelegenheit ist natürlich ein gefundenes Fressen für den Boulevard, werden Homo-/Bisexualität, Abhängigkeitsverhältnisse, Unwahrheit, Belästigung und Fußball hier doch zu einer unschönen Melange verquirlt, die wiederum das alte Vorurteil zu bestätigen scheint, dass bei ‚den Schwulen’ doch immer auch Unterdrückung, Lüge und Gewalt eine Rolle spielten.
Ich musste bei vielen journalistischen Beiträgen der letzten Wochen an den bekennend schwulen Schiedsrichter John Blankenstein aus den Niederlanden denken, dem mein Kollege Gerd Dembowski in einem Text mit dem Titel Der wichtigste Schiedsrichter der Welt ein postumes Denkmal gesetzt hat. Gerd als Moderator und ich als Übersetzer aus dem Niederländischen haben John bei einigen Veranstaltungen im Kontext der Reihe Homophobie im Fußball begleitet, was uns beide nachhaltig beeindruckt hat. Weiterlesen »
Da sich unser Sammelband SUBversionen (2008) sowie meine Dissertation über Literatur als Subversion, die 2010 erscheinen wird, mit Konzepten der Subversion befassen, wurde ich kürzlich zur Subversiv Messe nach Linz eingeladen, die im Rahmen des dortigen europäischen Kulturhauptstadtjahres stattfand. Ich habe dort einen kurzen Vortrag über meinen Begriff von Subversion gehalten, mich aber vor allem darüber gefreut, die Projektpräsentationen der wunderbaren Gruppen Ärzte ohne Ängste (D), Autonome a.f.r.i.k.a. Gruppe (D) mit ihrem Handbuch der Kommunikationsguerilla, Kanak Attak (D), monochrom (A) und Ubermorgen (A/CH/USA) sehen zu dürfen, die ich in jeder Hinsicht nur empfehlen kann.
Dass das mainstreamige ARD-Format Tagesthemen - selbst wenn es einen freundlichen Bericht zeigen will - über nicht eine dieser Gruppen berichtet, sondern wieder mal die eher schnöderen, aber im Redaktionsduktus vermutlich ‚visuell überzeugenderen’ Beiträge subsummiert, sagt einiges über das Medium Fernsehen, in dem die Nachrichten der öffentlich-rechtlichen Sender sogar eher noch zur Güteklasse gehören.
Wie subversiv ist eigentlich Caren Miosga? Zur Beantwortung dieser Frage schaue man sich folgenden Beitrag an:
Für einen Sammelband der Universität Luxemburg entsteht momentan ein Aufsatz, der unter dem Arbeitstitel Zwischen Sexismen und Kategorienkrisen. De- und Rekonstruktionen der Geschlechterkategorien in der deutschsprachigen Gegenwartsprosa steht. Darin beziehe ich mich auf theoretische Ansätze von Judith Butler, Marjorie Garber und Barbara Vinken und zeige an einigen Beispielen der deutschsprachigen Gegenwartsprosa, wie Weiterlesen »
Während sich die Feuilletons und die Boulevardpresse über die “Feuchtgebiete” von Charlotte Roche oder die Selbstinszenierungsstrategien von ‘Lady Bitch Ray’ echauffieren, wird gerne übersehen, dass das offene Schreiben oder Sprechen über Sexualität und Körperflüssigkeiten nun wirklich keine Erfindung des 21. Jahrhunderts ist. Einen jüngeren Klassiker zum Thema, der allerdings im Gegensatz zu Roches Buch und ‘Lady Bitch Rays’ Inszenierungen über eine beeindruckende künstlerische Qualität und eine für den Boulevard inkompatible Form politischer Reflexion verfügt, hat Elfriede Jelinek bereits 1989 mit “Lust” vorgelegt.
Erstaunlich, in welch peinlicher Weise die damaligen und ‘natürlich’ männlichen Chefliteraturkritiker (Reich-Ranicki, Karasek, Busche) gegen die tapfere Sigrid Löffler den Text und seine Autorin denunzieren. Doch sehen Sie selbst:
Mir ist noch nicht klar, welcher Moment der peinlichste ist:
Jener, als Jürgen Busche auf Löfflers Satz “Die Sprache ist von Männern besetzt” den Kopf zur Seite wegdreht (Minute 1,13)?
Jener, als Hellmuth Karasek im Versuch, differenziert zu argumentieren, mit seiner Frage “Wie unterscheidet sich die Sprache der Jelinek von dieser männlichen Sprache?” doch wieder in die Differenzfalle tritt?
Oder jener, als Marcel Reich-Ranicki sagt: “…sie erzählt oft sehr gut. Mich interessiert aber eine ganz andere Frage: (…) Wie funktioniert die Psyche einer Frau, die jeden Morgen für zwei oder drei Stunden sich an den Schreibtisch gesetzt hat, um wieder nur den Dreck zu beschreiben, wie eine Frau gequält wird von ihrem Mann?”
Zur performativen Konstruktion von Geschlecht und Sexualität schrieb Judith Butler Folgendes:
„Daß die Geschlechter-Realität durch aufrechterhaltene gesellschaftliche Performanzen geschaffen wird, bedeutet gerade, daß die Begriffe des wesenhaften Geschlechts und der wahren und unvergänglichen Männlichkeit und Weiblichkeit ebenfalls konstituiert sind. Sie sind Teil jener Strategien, die den performativen Charakter der Geschlechtsidentität und performativen Möglichkeiten verschleiert, die Konfigurationen der Geschlechtsidentität jenseits des einschränkenden Rahmens der maskulinen Herrschaft und der Zwangsheterosexualität zu vervielfältigen.
Die Geschlechtsidentitäten können weder wahr noch falsch, weder wirklich noch scheinbar, weder ursprünglich noch abgeleitet sein. Als glaubwürdige Träger solcher Attribute können sie jedoch gründlich und radikal unglaubwürdig gemacht werden.“
[In: Judith Butler: Das Unbehagen der Geschlechter. Frankfurt/Main: Suhrkamp, 1991. S. 208.]
Drag Queen, Drag Kings, Parodien, Travestien, Transgender, Queer – hurra! Sehen Sie auch folgende Filme zum Thema: Paris is Burning (1990), Enthüllung einer Ehe (1999), Gendernauts (1999), A Boy Named Sue (2000), Venus Boyz (2001), Agnes und seine Brüder (2004).
14.2.2011, 16 Uhr, Tel Aviv University (Israel), Gilman Building, Drachlis Hall, Konferenz „Germany and its Neighbors - Borders, Identities, Relations“
4.10.2011, 10 Uhr, Loveno di Menaggio (Italien), Villa Vigoni. Deutsch-italienisches Kulturzentrum, Konferenz „Literatur als Wagnis/Literature as a risk“
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