Digitale Lehre in Belgien und den Niederlanden

Am 8. Juli 2020 bin ich zu Gast in der Reihe „Digitales Lehren in (…)“ an der Ruhr-Universität Bochum. Dort spreche über meine Erfahrungen mit der digitalen Lehre in den Niederlanden (vor der Coronakrise an der Universiteit van Amsterdam) und in Belgien (während des Coronasemester an der Universiteit Antwerpen). Zudem stelle ich sechs Thesen zur digitalen Lehre auf. Sie können sich die Präsentation (in einer gekürzten Form) können Sie sich ansehen und hier noch die sechs Thesen lesen. Kommentare sind sehr willkommen!

These 1: Universitätslehre als Blended Learning denken
  • 1.1. Schon vor der Corona-Krise hatten die meisten Lehrveranstaltungen raumgebundene und digitale, synchrone und asynchrone Lernmomente.
  • 1.2. Das Coronasemester hat die Erfahrungen mit digitalen und asychronen Lernmomenten sowie mit digitalen Tools intensiviert.
  • 1.3. Es ist eine wichtige Aufgabe der Fachdisziplinen, aus diesen Erfahrungen heraus Standards für ein gutes Blended Learning der Zukunft zu definieren.
These 2: Den erhöhten Lehraufwand einplanen
  • 2.1. MOOCs mit reinem Selbststudium sind eine problematische Vorstellung von digitaler Lehre.
  • 2.2. Digitale Lehre kann erfolgreich sein, wenn sie sowohl Freiräume zur Kollaboration lässt als auch eine intensive Studierendenbetreuung mit Feedbackmomenten einschließt.
  • 2.3. Dadurch ist digitale Lehre besonders zeitintensiv und benötigt sie eine bessere (auch technische) Ausstattung als die traditionelle Präsenzlehre. Wer digitale Lehre als Argument für Einsparungen nutzt, handelt asozial.
These 3: Digitales Lehren ändert Lern- und Arbeitsformen
  • 3.1. Gute digitale Lehre benötigt eine optimierte Verschränkung von synchronen und asynchronen Lehrmomenten.
  • 3.2. Kollaborative Arbeitsformen und eine Flexibilisierung der Seminarverläufe sind wichtig.
  • 3.3. Folglich beeinflussen digitale Lernformate auch die Seminarverläufe, Seminarformen, Lehrziele und Lerninhalte von Studiengängen.
These 4: Open Science und Datensouveränität sind zentral
  • 4.1. Es hilft sehr, wenn die digitalen Lernaktivitäten auf einer universitären Lehrplattform stattfinden, die den Nutzer*innen Datensouveränität ermöglicht.
  • 4.2. Die Prinzipien von Open Science, OER, Open Access und Open Source sind förderlich für gute digitale Lehre.
  • 4.3. Im Gegenzug sollte digitale Lehre das Bewusstsein für Netzpolitik schärfen und die Prinzipien von Open Science, OER, Open Access und Open Source befördern.
These 5: Digitale Bildungsgleichheit fördern
  • 5.1. Digitale Lehre kann gesellschaftliche Bildungsunterschiede verstärken.
  • 5.2. Es ist daher eine wichtige Aufgabe der Universitäten und der Lehrenden, Studierende mit sozialen, psychischen, ökonomischen etc. Problemen besonders zu fördern.
  • 5.3. Für die digitale Lehre ist die Bereitstellung der notwendigen technischen, räumlichen und informativen Ausstattung von Lehrenden und Studierenden besonders wichtig.
These 6: Experimentieren, Diskutieren, Standardisieren
  • 6.1. Um die Potenziale der digitalen Lehre zu nutzen, müssen wir mutig experimentieren, über die Experimente diskutieren und aus den Diskussionen heraus Standards für die digitale Lehre entwickeln.
  • 6.2. Dafür müssen Plattformen geschaffen werden, die im Idealfall selbst nach den Regeln guter digitaler Lehre funktionieren.
  • 6.3. Einen solchen Ort wird es für die Germanistik bald geben: https://vfr.mww-forschung.de/web/digitale-lehre-germanistik/konferenz.
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