Europa erlesen: Ruhrgebiet

Thomas Ernst und Florian Neuner (Hg.): Europa erlesen: Ruhrgebiet. Klagenfurt: Wieser, Oktober 2009. Print: 280 Seiten, gebunden, Lesebändchen, Prägedruck, 12,95 €, ISBN 978-3-85129-794-2.

Thomas Ernst und Florian Neuner (Hg.): Europa erlesen: Ruhrgebiet. Klagenfurt: Wieser, Oktober 2009. Print: 280 Seiten, gebunden, Lesebändchen, Prägedruck, 12,95 €, ISBN 978-3-85129-794-2.

Das Ruhrgebiet fungiert – vertreten durch die Stadt Essen – im Jahre 2010 als Kulturhauptstadt Europas, weshalb es nahe liegt, für die literaturinteressierten Besucher/innen aus ganz Europa einen Band Europa erlesen: Ruhrgebiet anzubieten, der im Oktober 2009 erschienen ist. Der Verlagsleiter Lojze Wieser hat mit der Herausgabe den aus dem Ruhrgebiet stammenden und aktuell in Brüssel lebenden Literaturwissenschaftler Thomas Ernst sowie den im Ruhrgebiet und in Berlin lebenden österreichischen Schriftsteller Florian Neuner beauftragt.

Neben der Darstellung bereits bekannter Texte und Autor/innen spüren die Herausgeber vor allem den abseitigen, vergessenen, grotesken, experimentellen oder popkulturellen Texten über das Ruhrgebiet nach und weisen somit der Topografie ‚Ruhrgebiet‘ einen Platz in der Literaturgeschichte zu, der sich jenseits von Arbeiterliteratur, Dialekt-Comedy oder Ruhrkrimis befindet. Die Anthologie zeigt, dass eine avancierte literarische Sprache im besten Fall von der Gebrochenheit, Entfremdung und Absurdität des Lebens kündet – und dass sich diese zentrale Eigenschaft der modernen Literatur auch in der Beschäftigung mit dem erlesenen Ruhrgebiet bestätigen lässt.

Inzwischen haben Thomas Ernst und Florian Neuner noch den Sammelband Das Schwarze sind die Buchstaben über Das Ruhrgebiet in der Gegenwartsliteratur veröffentlicht (Oberhausen: assoverlag, 2010).

Pressestimmen

„Die bislang beste Ruhrgebiets-Anthologie. (…) Die Spannbreite umfasst (…) ungewöhnlich viele Jahrhunderte, die Auswahl ist so sorgfältig wie originell.“
(Westdeutsche Allgemeine Zeitung, Jens Dirksen, 12.2.2010)

„Das Buch versammelt so viele tolle kleine Geschichten und Entdeckungen – sie reichen für ein ganzes Jahr.“
( Süddeutsche Zeitung/jetzt.de, Dirk von Gehlen, 8.1.2010)

„In der gelungenen Kombination von kanonisierten Ruhrgebietsautoren, bisher nahezu unbekannten historischen Texten und neuester Alternativliteratur ist der Band von allen bisher vorliegenden am besten geeignet, einen Eindruck von der Vielfalt der historischen wie auch aktuellen literarischen Topografie des Ruhrgebiets zu vermitteln, ohne zugleich den Eindruck der Beliebigkeit zu hinterlassen.“
(kultuRRevolution. zeitschrift für angewandte diskurstheorie, Rolf Parr, Heft 58/Mai 2010)

„Der Band ist ambitioniert und etwas schräg, versucht den abgelegeneren Texten auf die Spur zu kommen. (…) Lesenswerte Texte – ob als Gedicht, Reportage, Brief, Kurzgeschichte, Roman, Erinnerung, Porträt oder Song.“
(Der Emscherbrücher, Dirk Hallenberger, Band 15, 2011/12)

„Eine literarische Anthologie, in der sich die Beschaffenheit einer Region verdichtet. Geistige Topografie könnte hier nicht stärker zerklüftet sein, zwischen Selbstzerknirschung und Größenwahn. (…) Ruhrgebiet, und das ist doch wirklich angemessen, wird (…) auf mentalen Reichtum alliterarisiert.“
( Frankfurter Rundschau, Christian Thomas, 27.1.2010)

„Ein außergewöhnliches Buch über das Revier. (…) Die über 50 Texte von fast so vielen Autoren bieten auf jeder Seite eine Überraschung. (…) Es ist ein Buch, an dem man viel zu lesen hat und aus dem man viel zitieren kann. Ein Buch, das man, wenn man ihm begegnet, fragt: ‚Wo warst Du die ganze Zeit?‘“
( ruhrbarone.de, Stefan Laurin, 22.1.2010)

„Als Vor- und Nachbereitung für kulturelle Reisen in die Metropole Ruhr ist der Sammelband von Thomas Ernst und Florian Neuner bestens geeignet: Im handlichen Format und zwischen zwei robusten Buchdeckeln finden sich im ‚Ruhr-Kanon‘ bislang wenig beachtete Texte neben einem Überblick über die populäre Vielfalt der Ruhrgebietsliteratur.“
(ruhr2010.de, Februar 2010)

„Ein wunderbares Bändchen, das es inmitten der zahlreichen Ruhrgebietsliteratur herauszustellen gilt.“
(2010lab.tv, Rolf Dennemann, 22.3.2010)

„Was könnte sich als Reiselektüre besser eignen als der neue Band der Reihe ‚Europa erlesen‘, im Blickpunkt dieses Mal: das Ruhrgebiet. (…) Und besonders schön: Dieses Buch lässt sich auch als unkonventionellen Reiseführer einsetzen.“
(energiekulturruhr.de, Sarah Meyer-Dietrich, 11.4.2010)

Inhaltsverzeichnis

Erik Reger (1893-1954): Ruhrprovinz | 15

Heinrich Böll (1917-1985): Im Ruhrgebiet | 25

Ferdinand Kriwet (*1942): Manifest zur Umstrukturierung des Ruhrreviers zum Kunstwerk | 29

Peter der Ehrwürdige (1094-1156): Die Ermordung des schwarzen und des weisen Hewald | 32

Altfrid (um 800-874): Der Tod des heiligen Liudger | 35

Edmond Martene (1654-1739) / Ursine Durand (1682-1771): Ein Besuch in der Benediktinerabtei Werden im Jahre 1718 | 37

Annette von Droste-Hülshoff (1797-1848): Der Tod des Erzbischofs Engelbert von Cöln | 40

Walther von der Vogelweide (1170-1230): Auf den Tod Engelberts | 46

Fabio Chigi (1599-1667): Die Reise von Münster in Westfalen nach Aachen im Jahre 1649 | 46

Justus Gruner (1777-1820): Wesel | 50

Johann Heinrich Christian Nonne (1785-1853): Wanderungen durch Duisburgs Fluren | 53

Levin Schücking (1814-1883): Eine Eisenbahnfahrt nach Oberhausen und Duisburg | 55

Pierre-Hippolyte-Léopold Paillot (1759-1815): Essen  | 57

Gerhard Löbker (1809-1899): Eine Wanderung von Blankenstein nach Herbede und Witten | 60

Heinrich Heine (1797-1856): Hagen. Ein Sauerkrautmärchen | 63

Gustav Natorp (1824-1891): Hattingen. Ein Aufstand | 64

Otto Julius Quehl (1857-1914): Ein Sang von der Ruhr | 68

Christoph Wieprecht (1875-1942): Martinwerk  | 70

Heinrich Kämpchen (1847-1912): Im Schacht | 72

Victor Kalinowski (1879-1940): Vierzehn Prozent | 73

Heinrich Kämpchen (1847-1912): Auf der schwarzen Liste | 74

Heinrich Kämpchen (1847-1912): Der Proletarierin Klagelied | 76

Fred Endrikat (1890-1942): Die Bergmannskuh | 77

Josef Reding (*1929): Die Bergmannskuh ist auf den Hund gekommen | 78

Wilhelm Wenzel (1841-1914): Am Montag morgen | 83

Fred Endrikat (1890-1942): Schnapsgebete | 84

Heinrich Hauser (1901-1955): Schwarzes Revier: Irgendwo von 18 Uhr bis 22 | 85

August von Kotzebue (1761-1819): Bochumer Jungenlied | 87

Traditional (um 1700): Das Steigerlied | 89

Joseph Roth (1894-1939): Ein Ingenieur mit Namen K. | 90

Egon Erwin Kisch (1885-1948): Generalversammlung der Schwerindustrie | 96

Eckhard Henscheid (*1941): Gegenkandidatur | 101

Ingrid Tillen (*1943): Die Chefsekretärin | 104

Ilse Kibgis (*1928): Pommesfrau | 110

Joseph Roth (1894-1939): Der Hafen von Ruhrort | 111

Hans Siemsen (1891-1969): Duisburg | 115

Richard Huelsenbeck (1892-1974): Ruhrkrieg | 125

Ernest Hemingway (1899-1961): Hass im Ruhrgebiet  | 132

Bertolt Brecht (1898-1956): Untergang des ‚Egoisten‘ Fatzer | 136

Eduard Claudius (1911-1976): Das Vergangene | 138

Erik Reger (1893-1954): Kulturpolitik an der Ruhr | 142

Alexander Kluge (*1932): Die Oberhausener Erklärung von 1962 | 150

Werkkreis Literatur der Arbeitswelt (1970): Programm des Werkkreises Literatur der Arbeitswelt | 153

Hugo Ernst Käufer (*1927): Konzertierte Aktion | 155

Michael Klaus (1952-2008): 5 säuft | 156

Walter Gerlach (*1943): Jeder für sich und Wintjes für alle | 158

Marc Degens (*1971): Mein Poppott | 164

Georg Kreisler (*1922): Gelsenkirchen | 167

Peter Köhler (*1957): Recklinghausen | 174

Thomas Kapielski (*1951): Wanne-Eickel | 178

Ludwig Harig (*1927): Essener Tagebuch: 6. Mai | 182

Urs Jaeggi (*1931): Zum Beispiel Bochum | 185

Mohammed Mhaimah (*1957): Wenn Dortmund an Casablanca grenzen wurde | 189

Theorie & Praxis e.V. (Annette Jonak, Christian Schoppe, Stefan Schroer/2006): Bruckhausen  | 192

Waltraud Seidlhofer (*1939): tage, passagen | 195

Karl-Heinz Roth (*1942): Imaginare Schneegestöber | 197

Carl Arnold Kortum (1745-1824): Wie Hieronimus ein Autor ward, und wie er ein neues ABC-Buch herausgab, und wie er von den Bauern darob bei dem gnädigen Herren Patron hart verklagt ward | 204

Eva Kurowski (*1965): Ich als Kawenzmann | 210

Jürgen Link (*1940): Bangemachen gilt nicht auf der Suche nach der Roten Ruhr-Armee | 212

Boris Sieverts (*1969): 10 Reiseempfehlungen zur Entdeckung der A 40 | 221

Heinrich Kämpchen (1847-1912): Zwei Fragen | 228

Wolfgang Körner (*1937): Blimpp, crash, zack, wow: Unfälle im Ruhrgebiet | 229

Hans Henning Claer (1931-2002): Lass jucken, Kumpel | 233

Hansjürgen Bulkowski (*1938): Das Ereignis der 5 Millionen | 237

Florian Neuner (*1972): Derive III: Wanne | 242

Thomas Ernst (*1974): 2000 | 251

Wolfgang Welt (*1952): Der Tunnel am Ende des Lichts  | 254

Dezső Tandori (*1938): Schlussworte auf dem Duisburger Hauptbahnhof  | 262

Thomas Ernst/Florian Neuner: Nachwort  | 267

Quellenverzeichnis | 273

Zur Leseperformance Eine kurze Geschichte des Ruhrgebiets in der Literatur

Begleitend zur Anthologie hat das Herausgeber-Duo Ernst und Neuner, das mit Lesungen und Vorträgen in den USA, Australien, England, Wales, Dänemark, Polen, Ungarn, den Niederlanden, Belgien, Luxemburg, Österreich und Deutschland als äußerst leseerfahren gelten kann, eine eigene Leseperformance vorbereitet, die unter dem Titel Eine kurze Geschichte des Ruhrgebiets in der Literatur steht. Darin geben Ernst und Neuner in 90 Minuten am Beispiel ausgewählter Texte ihrer Anthologie einen Überblick über tausend Jahre Literaturgeschichte des Ruhrgebiets.

Zunächst erläutern sie ausgehend von ihrem Nachwort kurz das Konzept ihrer Textsammlung und grenzen dieses gegen das bisherige Verständnis einer ‚Ruhrgebietsliteratur‘ ab. Dabei zitieren sie Klassiker wie Erik Reger („Ruhrprovinz“) oder Heinrich Böll („Im Ruhrgebiet“), sehen sie kursorisch in die aktuellen Werke von Thomas Kapielski, Jürgen Link und Wolfgang Welt hinein und gehen auf satirische Texte über das Ruhrgebiet wie Peter Köhlers Text „Recklinghausen“ oder Georg Kreislers Lied „Das gibt es nur bei uns in Gelsenkirchen“ ein. In einem zweiten Teil stellen sie eher unbekannte Texte aus der vorindustriellen Zeit wie den Reisebericht des späteren Papstes Fabio Chigi und die Natur- und Stadtbeschreibungen von Autoren wie Justus Gruner vor sowie anschließend Texte aus der industriellen Zeit, wie jene von Heinrich Kämpchen oder Joseph Roth.

Audiodatei der Buchpräsentation

Das Buch wurde kurz auf der Konferenz Literaturwunder Ruhr am 30.10.2009 von Thomas Ernst und Florian Neuner in Bochum präsentiert. Diese 26minütige Kurzpräsentation gibt Ihnen einen Eindruck von weiteren möglichen Buchpräsentationen und ist unter dem Titel Buchpräsentation Europa erlesen: Ruhrgebiet auf dem reviercast.de abrufbar.

Bisherige Lesungstermine mit den Autoren

Zur Reihe Europa erlesen

Seit 1997 veröffentlicht der Klagenfurter Wieser Verlag die Reihe Europa erlesen, bislang erschienen über neunzig Bände, die sich u.a. mit Berlin, Brüssel, Ljubljana, London und Rom befassen. Die Bände versammeln jeweils literarische Texte von Autor/innen, die einen besonderen Bezug zur entsprechenden Stadt oder Gegend haben oder sich mit dieser literarisch auseinander setzen. In jedem Buch finden sich etwa siebzig Texte, bei denen es sich um Auszüge aus Romanen, Kurzprosa, Manifeste, Gedichte oder Lieder handelt.

Kurzbiografien der Herausgeber

Dr. Thomas Ernst (*1974) studierte Philosophie und Germanistik in Duisburg, Berlin, Bochum und Leuven/Belgien und promovierte 2008 an der Universität Trier mit einer Untersuchung zum Thema Pop, Minoritäten, Untergrund. Subversive Konzepte in der deutschsprachigen Gegenwartsprosa. Seine Forschungsschwerpunkte sind die deutschsprachige Gegenwartsliteratur und Literatur- und Medientheorien des 18. bis 21. Jahrhunderts. 2005 arbeitete er als Gastwissenschaftler an der Columbia University in New York, zudem nahm er Lehrtätigkeiten an den Universitäten in Duisburg, Trier, Leuven/Belgien und an der Popakademie Mannheim wahr. Seit 2008 arbeitet er als Postdoktorand an der Université du Luxembourg. Zu seinen Veröffentlichungen zählen Popliteratur (2001/2005), zahlreiche Aufsätze zur deutschsprachigen Gegenwartsliteratur und Literatur- und Medientheorie sowie – als Mitherausgeber – Wissenschaft und Macht (2004) und SUBversionen. Zum Verhältnis von Politik und Ästhetik in der Gegenwart (2008). Im Herbst 2009 hat er gemeinsam mit Florian Neuner die Anthologie Europa erlesen: Ruhrgebiet (Klagenfurt: Wieser) vorgelegt, daneben ist ein Aufsatz zum Thema Die Entdeckung des Ruhrgebiets in der Literaturwissenschaft (Essen: Klartext) erschienen. Im März 2010 erscheint der Band Das Schwarze sind die Buchstaben. Das Ruhrgebiet in der Gegenwartsliteratur (Oberhausen: assoverlag; gemeinsam mit Florian Neuner) und ein Aufsatz mit dem Titel Das Ruhrgebiet als Rhizom und das Jenseits des Metropolen. Die Stadt als Text in den Werken von Jürgen Link und Wolfgang Welt (Essen: Klartext).

Florian Neuner wurde 1972 in Wels/Oberösterreich geboren, er lebt nach Studien in Salzburg, Wien und Frankfurt am Main seit 1995 in Berlin und arbeitet dort als Schriftsteller und Journalist. Er war von 2003 bis 2006 Mitherausgeber der Literaturzeitschrift perspektive und ist Mitglied der Künstlervereinigung MAERZ, Linz, und der Grazer Autorenversammlung (GAV). Zusammen mit Lisa Spalt gründete er 2007 die Literaturzeitschrift IDIOME. Hefte für Neue Prosa. Buchveröffentlichungen: Und käme schwarzer Sturm gerauscht (2001), Jena Paradies (2004), China Daily (2006) und Zitat Ende (2007). Zuletzt erhielt er für seine schriftstellerischen Arbeiten u.a. den Förderpreis zum Heimrad Bäcker Preis (2009) sowie Arbeits- und Aufenthaltsstipendien im Domus Artium, Malo bei Vicenza (2008), im Künstlerhaus Lukas in Ahrenshoop (2008) und im Künstlerdorf Schöppingen (2006/2007). In seinem aktuellen Prosaprojekt mit dem Arbeitstitel Ruhr.Text beschäftigt sich Florian Neuner mit dem Ruhrgebiet als einem exemplarischen Stadtraum der Moderne, in dem nach dem Niedergang der Industrien auch die Krisen der (Nach-)Moderne besonders deutlich zu Tage treten. In Form einer Großcollage verbinden sich darin historische Tiefenbohrungen mit Oberflächenbetrachtungen der gegenwärtigen Stadtlandschaft vor dem Hintergrund der urbanistischen Konzepte der Situationistischen Internationale und deren Dérive-Experimenten. Der Ruhr.Text erscheint im Frühjahr 2010 im Klever Verlag, Wien.

Pro und contra Ruhrgebiet – einige Lieblingszitate aus dem Buch

„Dann durch die Heide, und nun liegt ein Frauenkloster am Wege;
Aber die Tore bleiben verschlossen, die Nonnen verweigern
Jegliches Gastrecht, da helfen kein Bitten und keine Bezahlung!
An dies unmenschliche Volk wird der scheußliche Name des Ortes
Sterkenroden erinnern in allen Ländern der Erde!“
Fabio Chigi (1599-1667)

„Gestowte Kastanien im grünen Kohl!
So aß ich sie einst bei der Mutter!
Ihr heimischen Stockfische, seid mir gegrüßt!
Wie schwimmt ihr klug in der Butter!“
Heinrich Heine (1797-1856)

„Wir sind verdorben, verloren, geopfert. Wir arbeiten, leben in schmutzigen Städten und haben vier Stunden Aufenthalt in Duisburg.“
Hans Siemsen (1891-1969)

„Ein Gebiet, das seine Struktur auf drängende Entwicklung, auf schlagende Energie, auf leidenschaftliches Ringen um den Zeitausdruck verweist, wird nun von Kommissionen, Kammern und Bildungsbanausen aller Art mit einer völlig fremden und völlig toten Tradition gefüllt. Man läuft hinter den Größen der Vergangenheit mit Superlativen der Bewunderung her, man erkennt nicht, wie destruktiv es ist, von einer alten Tradition zu zehren, ohne eine neue zu schaffen.“
Erik Reger (1893-1954)

„Das ist ein fettes und behäbiges Bürgertum hier im Revier. Es ist nicht im geringsten großstädtisch, ein schwerer, bäuerisch zufriedener Menschenschlag. Schweres Essen, schweres Getränk. Riesenportionen einer Nahrung, die sich ohne viele Mühe des Beißens und Kauens in den Bauch legen läßt. Weiches, gekochtes Fleisch, rot, ohne blutig zu sein, das sich wie Gelee vom Knochen löst: Eisbein. Fette, talgige Suppen.“
Heinrich Hauser (1901-1955)

„Und doch leben nirgendwo in Deutschland so viele Menschen auf so engem Raum, sind die Menschen nirgendwo unpathetischer, einfacher und herzlicher.“
Heinrich Böll (1917-1985)

„Las Vegas und die Alpen sind nichts gegen das RUHR-KUNSTWERK.“
Ferdinand Kriwet (*1942)

„Dann schnappte ich mir die WAZ und knüllte sie zu einer Keule und hielt sie unter Wasser und legte sie ins Eisfach des Kühlschranks. Ich wollte sie schnellgefrieren, um sie als Waffe zu gebrauchen, aber es ging nicht schnell genug.“
Wolfgang Welt (*1952)

„Friseure arbeiten in Recklinghausen mit der Häckselmaschine, Ärzte operieren mit Lötkolben und Brecheisen, außer in schweren Fällen. Dann nehmen sie Hammer oder Elektrozange zur Narkose. Nur bei chirurgischen Eingriffen im Kopf kann auf örtliche Betäubung verzichtet werden, weil es keine chirurgischen Eingriffe im Kopf gibt. Gehirntumore beispielsweise sind unbekannt, weil sie ihr Ziel nicht finden.“
Peter Köhler (*1957)

„Zu den schönsten Möglichkeiten der Kontaktaufnahme an der B1 zählen: Ein Gespräch mit der Wirtin der Gaststätte Morsbach. Ein Heckengespräch im Kleingartenverein Vietingstr., hinter der Schallschutzwand der Shell-Tankstelle gegenüber dem Dückerweg. Ein Dosenbier mit Jugendlichen in einem der zahllosen Lärmschutzwäldchen. Einkehr bei Familie Lose in der Hombrucherstr. in Essen-Frillendorf.“
Boris Sieverts (*1969)

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