Innere Werte

Fernsehfilm Deutschland 2007

Die doppelbödige Science-Fiction-Groteske Innere Werte stellt die Frage, wie stark Identität durch den Körper, den Geist oder die Selbstinzenierung eines Menschen produziert wird. Der Film wurde produziert für das Kleine Fernsehspiel des ZDF in der Reihe Agenda 2020 – wie werden wir leben? Von 350 Einreichungen für den Wettbewerb wurden fünf Projekte realisiert.

Inhalt

In der Kurklinik von Bad Salzuflen wurden mehrere Rentner von zwei Kindern überfallen und ausgeraubt. Kommissar Rufus Santer wird in die Stadt seiner Kindheit geschickt, um den Fall aufzuklären. Unterstützt wird er dabei von seiner 64-jährigen Kollegin Pachulke, die gerade ihren Körper per Schönheitsoperation in den einer jungen Frau verwandeln ließ. Santer muss sich nicht nur der Annäherungsversuche der jungen alten Frau Pachulke erwehren, er findet auch heraus, warum in Bad Salzuflen fast keine wirklichen Rentner mehr leben. Die Ermittlungen geraten immer mehr zu seinem ganz persönlichen biografischen Fall. Im Klinikkomplex, der einem Labyrinth gleicht, verschwimmen zunehmend die Grenzen zwischen Jung und Alt, Schein und Sein. Zuletzt bleiben nur noch die inneren Werte, an die man sich klammern kann. Aber worin bestehen die eigentlich?

Innere Werte thematisiert auf sarkastische Weise den aktuellen Kult um Schönheitsoperationen und stellt die Frage, wie stark Identität durch Körper, Geist oder die Selbstinszenierung eines Menschen bestimmt wird. Es ist der Debütfilm von Autor und Regisseur Jan Schomburg, Absolvent der Kunsthochschule für Medien in Köln, der bereits mit seinen preisgekrönten Kurzfilmen auf sein Talent aufmerksam gemacht hat.

Pressestimmen

„So hat das Lachen der Erkenntnis Zukunft.“ (FAZ)

„Packendes Drama über Menschen, denen die Oberfläche alles bedeutet!“ (Save TV)

„Fantasievolle und erschreckende Zukunftsvision“ (rtv)

„Eine verstörende Geschichte um plastische Chirurgie mit einigen einfachen, aber wirkungsvollen Kniffen in der Inszenierung.“ (Teleschau, Petra Fürst)

„Halb David Lynch, halb Didi Hallervorden“ (TV Spielfilm)

„Verwirrspiel zwischen jungen und alten Körpern im Zeitalter perfekter plastischer Chirurgie.“ (Lübecker Nachrichten)

„Für die Low-Budget-Verhältnisse wirklich großes Kino.“ (Frankenpost)

Produktionsstab

Regie: Jan Schomburg
Buch: Jan Schomburg, Thomas Ernst
Kamera: Sandra Merseburger
Ton: Jürgen Speidel
Ausstattung: Alexander Brehm, Korstaan Mahal
Kostüm: Patricia Royo
Schnitt: Claudia Gleisner
Musik/Soundd./Mischung: Markus Aust
Produzent: Peter Stockhaus
Produktion: Peter Stockhaus Filmproduktion im Auftrag von ZDF/Das kleine Fernsehspiel
Redaktion: Christian Cloos
Länge 60′

Die Rollen und ihre Darsteller

Rufus Santer: Arnd Klawitter
Frau Pachulke: Diana Amft
Mysteriöser Junge: Alban Hansen
Mysteriöses Mädchen: Bineta Hansen
Hotelpage: Martin Kiefer
Herbert Kraus: Hartmut Schories
Stimme Ibsen: Udo Schenk
Stimme Pachulke: Ilse Strambowski

Statement von Jan Schomburg (Buch und Regie)

„Die Herausforderung im Rahmen der Ausschreibung „Agenda 2020“ bestand für mich in erster Linie darin, mit extrem wenig Geld einen Film zu drehen, der in der Zukunft spielt. Wie erzählt man Zukunft, wenn man eigentlich kein Geld für Effekte hat? Das war die zentrale Frage, mit der ich mich bei der Ausschreibung auseinandergesetzt habe.
Die wirklich beeindruckenden Erfahrungen im Kino habe ich persönlich nicht durch Spezialeffekte gehabt, sondern wenn es Filmen gelungen ist, im Kopf Dinge entstehen zu lassen, die über das Geschehen auf der Leinwand hinausgehen. Bei der Produktion von „Innere Werte“ wollte ich diese Erkenntnis radikal umsetzen, und konsequent darauf verzichten, Zukunft über technische Gegenstände zu erzählen. Zukunft soll mit einfachsten Mitteln im Kopf des Betrachters entstehen. Einfache Lösungen, bei denen Phantasie Budget ersetzt. Also grundsätzlich keine technischen Geräte im Bild, keine Autos, kein Telefon. Wenn telefoniert wird, geschieht dies durch einen Griff hinters Ohr, wo ein (nicht sichtbarer) Chip installiert ist, eine radikale plastische Veränderung von Körpern wird ausschließlich über das fertige Ergebnis bzw. über die Vorbereitung erzählt.
Die Umdeutung bekannter Situationen und Muster. Bildern eine vollkommen andere Aufladung und Bedeutung geben: Beim Anblick einer jungen Frau, denkt man an eine 64-Jährige, bei auftauchenden Kindern fragt man sich, ob diese vielleicht in Wirklichkeit erwachsen sind, und die Rentner von Bad Salzuflen werden zu einer Ansammlung von jungen, subversiven Leuten, die das Rentensystem ausnutzen.

“Innere Werte“ nimmt auf humorvolle und sarkastische Art und Weise Bezug auf die aktuelle Welle von Schönheitsoperationen und deren mediale Verarbeitung in Serien wie „The Swan“. Gleichzeitig ist es mir jedoch wichtig, auch die tragische und poetische Ebene von plastischen Veränderungen des menschlichen Körpers zu erzählen.
Die Bilder von Menschen, die sich zum ersten Mal nach ihren Operationen im Spiegel erblicken und diesen Anblick kaum ertragen können, haben mich nicht nur beunruhigt, sondern in ihrer transzendenten, quasireligiösen Aussagekraft auch tief berührt und Assoziationen zu den Metamorphosen des Ovid geweckt. „Innere Werte“ soll auf diese Komponenten des Themas Bezug nehmen und die Frage stellen, was die Bedeutung einer körperlichen Hülle ist, wenn diese beliebig veränderbar ist.
Kann ein ‚falscher’, umoperierter Körper unter Umständen authentischer wirken als das Original? Was bedeutet eine körperliche Veränderung für die Suche nach Identität und die erlernten Rollenmodelle? Wird die Entstehung einer Identität oder die Zugehörigkeit zu einem gesellschaftlichen Milieu eher durch die körperliche Materialität, durch einen spezifischen Geist oder durch eine performative Selbstinszenierung bestimmt?

Gerade die Darstellung von Bad Salzuflen als verschworene Parallelgesellschaft mit dem Kurpark als Zentrum der Subversion und die Entwicklung von Frau Pachulke boten mir Gelegenheiten, ernsthaft und gleichzeitig humorvoll über diese Themenkomplexe nachzudenken, ohne dabei pädagogisch zu werden.

Vitae der Drehbuchautoren

Jan Schomburg (Buch und Regie)

Jan Schomburg wurde 1976 in Aachen geboren. Er studierte Visuelle Kommunikation an der Kunsthochschule Kassel und Filmregie an der Kunsthochschule für Medien Köln. Nach mehreren Kurzfilmen, u.a. dem international mit zahlreichen Preisen ausgezeichneten „Nie solo seiN“, hat Jan Schomburg nun mit „Innere Werte“ seinen ersten längeren Spielfilm inszeniert.

Thomas Ernst (Buch)

Thomas Ernst wurde 1974 geboren und arbeitete als Kulturwissenschaftler und freier Autor u.a. im Trierer Graduiertenkolleg „Identität und Differenz“ sowie in Brüssel und New York. 2008 promovierte er mit einer Arbeit über subversive deutschsprachige Gegenwartsliteratur. Er veröffentlichte zahlreiche literarische Texte sowie die Bücher „Popliteratur“ (2001), „Wissenschaft und Macht“ (2004) und „SUBversionen“ (2008). Die Arbeit am Drehbuch zu „Innere Werte“ ist seine zweite Zusammenarbeit mit Jan Schomburg nach der Arbeit am Erzählertext für den preisgekrönten Kurzfilm „Nie solo seiN“ (2004).

Ausstrahlungen und öffentliche Vorführungen (Auswahl)

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