Schlagwort-Archive: Literaturwissenschaft

Wechsel an die Universiteit van Amsterdam

Ich freue mich sehr, dass ich zum neuen Jahr an die Universiteit van Amsterdam auf eine Stelle als Universitair Docent (im Englischen: Assistant Professor; im deutschen System etwa einer Juniorprofessur vergleichbar) berufen wurde. An der Fakultät für Geisteswissenschaften werde ich in der Abteilung für Moderne fremde Sprachen und Kulturen und dort wiederum im Bereich der German Studies arbeiten und vor allem zur deutschen Kultur, Literatur und Film, zur Medien-, Kultur- und Literaturtheorie sowie im Bereich der digitalen Kulturwissenschaft forschen und lehren. Das Foto zeigt mich im Kreise einiger meiner zukünftigen Kolleginnen und Kollegen bei der Feier zum 20jährigen Jubiläum des Duitsland Instituut Amsterdam. Meine neuen Adressdaten lauten ab morgen: Weiterlesen

Wolfgang Welt ist tot. Es lebe die Weltologie!

Wolfgang Welt ist tot. Mit großem Bedauern habe ich diese Nachricht erfahren. So traurig sein Tod ist, so groß wird die Freude sein, die uns sein literarisches Werk noch machen wird.

Bei ihm gehe es nicht um den „Stream of Consciousness, sondern um den Stream of Unconciousness“, sagt Welts Alter Ego in Der Tunnel am Ende des Lichts, seinem vielleicht intensivsten Werk, das vom Wahnsinn, Scheitern und dem einsamen Umherirren durch das Ruhrgebiet berichtet. Welt hat mit seinen wenigen Romanen und seiner sehr spezifischen autofiktionalen und ‚ehrlichen‘ Prosa bemerkenswerte Werke neben die Hauptströmung der deutschsprachigen Gegenwartsliteratur gelegt. Moritz Baßler nobilitiert Welts Romane treffend: „Von einer bestimmten Schreibqualität an ist Wahrheit Literatur.“

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Kathrin Röggla als Poet in Residence in Essen: „Von Zwischenmenschen, working Milieus, Parallel-Krisen und dem nicht eingelösten Futur“

Kathrin Röggla im Vorab-Videogespräch zu ihrer Poetik-Dozentur in Essen

Seit fast vierzig Jahren besteht die Einrichtung des ‚Poet in Residence‘ an der Universität Duisburg-Essen, sie ist damit eine der ältesten Institutionen dieser Art in Deutschland. Mit Kathrin Röggla war eine der bekanntesten Gegenwartsautorinnen in der ersten Dezemberwoche 2014 zu Gast, sie hat sich in ihren drei Poetikvorlesungen und ihrer Lesung sowohl theoretisch als auch praktisch mit dem literarischen Arbeiten mit dokumentarischen Mitteln beschäftigt. Es war mir eine große Freude, die Veranstaltungen durch eine Einleitung in das Werk von Kathrin Röggla und als Moderator zu begleiten.

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„Literature as Subversion: Potentials and Aporias of Contemporary Political Writing“. Video presentation at Carl von Ossietzky Universität Oldenburg

Video presentation by Thomas Ernst on „Literature as Subversion“ (23:50 min.)

Not least because of its 40th anniversary and the commemoration of the host University’s name patron, Carl von Ossietzky, the University of Oldenburg has organized a conference “Resistance. Subjects, Representations, Contexts”. The conference will explore phenomena of resistance in different historical and contemporary contexts from an interdisciplinary and transcultural perspective in order to add to a theoretical debate on the term and concept(s) of resistance. Invited speakers are Gayatri Chakravorty Spivak (New York), Maria do Mar Castro Varela (Berlin), Alex Demirovic (Berlin), Sabine Hess (Göttingen), Micha Brumlik (Berlin), Jens Martin Gurr (Duisburg-Essen), Rainer Winter (Klagenfurt) and others.

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„Wir erfinden digitale Autoren!“ Open Space auf dem Kongress „E:Publish 2014“ in Berlin

Momentan bin ich in Berlin-Adlershof auf dem Kongress „E:Publish 2014“, der von SWOP veranstaltet und von PaperC sowie dem Börsenverein des Deutschen Buchhandels, Berlin-Brandenburg, initiiert worden ist. Der Kongress beschäftigt sich mit den Veränderungen, die die Digitalisierung für die ‚Buchbranche‘ bedeutet, die sich auf sehr verschiedene Weisen transformiert.

Das Programm ist ebenso interessant wie vielfältig, die Tweets zum Kongress vermitteln Ihnen einen Einblick. Ich habe die Freude, am Freitag, 14:30 Uhr, im Einstein-Kabinett, einen Open Space zum Thema „Wir erfinden digitale Autoren! Welche Formen der Autorschaft das E-Publishing wirklich benötigt“ zu leiten. Die einführende Präsentation ist hier abrufbar, ich hoffe aber vor allem, dass wir eine produktive Diskussion haben werden.

Katharina Lührmann und Lisa-Marie Reingruber von unserem Essener Weblog Digitur – Literatur in der digitalen Welt sind auch vor Ort und werden in der nächsten Zeit verschiedene Beiträge zum Kongress bereitstellen.

Forschung und Lehre über digitale Literatur an der Universität Duisburg-Essen

Unsere LuM-Studentinnen Olga Fink und Sabrina Jaehn haben einen fünfzehnminütigen Bericht von der Frankfurter Buchmesse fertiggestellt, in deren Forum Zukunft in der Arena Digital LuM-Studentin Esther Kalb und ich den Studiengang Literatur und Medienpraxis und das Weblog Digitur – Literatur in der digitalen Welt vorgestellt haben. Ausführlichere Informationen finden Sie im Digitur-Posting. Einen Dank auch an die weiteren Digitur-Gründungsredakteurinnen Katharina Graef und Kristina Petzold sowie an Lisa-Marie Reingruber!

„Digitur – Literatur in der digitalen Welt“: Kurze Nachlese von der Frankfurter Buchmesse (FAZ,Twitter)

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Es war ein intensiver und schöner Tag, gestern auf der Frankfurter Buchmesse im „Forum Zukunft“ in der ‚Arena Digital‘ des Börsenvereins des Deutschen Buchhandels! Die LuM-Webredakteurinnen von „Digitur“ und ich haben es sehr genossen, unsere Kontakte zum Göttinger DFG-Graduiertenkolleg „Literatur und Literaturvermittlung im Zeitalter der Digitalisierung“, zum Weblog „Litlog. Göttinger eMagazin für Literatur, Kultur, Wissenschaft“, zum Fortbildungsprogramm „Buch- und Medienpraxis“ der Universität Frankfurt und zum Börsenverein des Deutschen Buchhandels zu vertiefen. Danke auch nochmals an das Team von Buchmesse und Börsenverein!

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„Digitur – Literatur in der digitalen Welt“: Blog des Monats in der ‚Arena Digital‘ auf der Frankfurter Buchmesse

Der Börsenverein des Deutschen Buchhandels hat unser Essener Weblog „Digitur – Literatur in der digitalen Welt“ eingeladen, sich im ‚Forum Zukunft‘ in der ‚Arena Digital‘ auf der Frankfurter Buchmesse zu präsentieren. Gemeinsam mit Esther Kalb werde ich das Weblog am Samstag, 11. Oktober 2014, um 12:00 und um 14:30 Uhr in einer Präsentation vorstellen und für Nachfragen und Diskussionen zur Verfügung stehen. Sie finden uns in Halle 3.1, an Stand K15. Dort waren in den letzten Tagen bereits Projekte wie Sascha Lobos Sobooks-Verlag und die E-Book-Messe Deutschlands zu Gast, zudem wurde dort der Young Excellence Award des Börsenblatts verliehen (Glückwünsche an die verdiente Preisträgerin Nicola Richter von Mikrotext, die passenderweise gerade auf „Digitur“ portraitiert wurde!). Zudem treffen wir morgen in der ‚Arena Digital‘ auf unsere Göttinger KollegInnen vom DFG-Graduiertenkolleg „Literatur und Literaturvermittlung in digitalen Medien“, deren Leitung in Person von Prof. Dr. Simone Winko und Dr. Matthias Beilein wir ebenfalls bereits für Digitur interviewt haben.

Überhaupt ist der Oktober ein guter Monat für „Digitur“: Das Portal Uniglobale hat „Digitur“ zum Weblog des Monats Oktober 2014 gekürt, Digitur-Redakteurin Katharina Graef erzählt dort die Geschichte des Weblogs. Es ist wirklich fantastisch, was die inzwischen elf Redakteurinnen aus der kleinen Idee gemacht haben, die fünf Studentinnen meines Medienseminars im MA-Studiengang „Literatur und Medienpraxis“ im Sommer 2013 entwickelt haben, von denen vier sogar zuvor noch nie gebloggt hatten. Umso schöner, dass wir jetzt zum einjährigen Geburtstag von „Digitur“ (das erste Posting stammt vom 13. Oktober 2013) eine solche Resonanz erfahren.

Lesen Sie also gerne einmal hinein in die „Digitur“-Postings zwischen Interviews und Portraits, Fundstücken und Events, Markt und Wissenschaft, die sich mit dem E-Publishing und Sozialen Medien (u.a. E-Books, Weblogs, Facebook, Twitter, Podcasts), dem digitalen Literaturbetrieb (u.a. Online-Buchhandel, E-Leihe in Bibliotheken) sowie rechtlichen und ökonomischen Fragen der digitalen Literatur (u.a. Crowdfunding, Open Access) beschäftigen.

In Frankfurt werden wir wahrscheinlich im Anschluss an unsere Präsentation zwei Filme zeigen, die einen guten Einblick in unsere Aktivitäten im Studiengang „Literatur und Medienpraxis“ geben und auf die ich hier noch einmal hinweisen möchte:

Das Genre ‚Brief‘ und seine digitale Edition. Ein kurzer Bericht von der Potsdamer Fontane-Konferenz 2014

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Vom 17.–19. September fand auf dem Campus Griebnitzsee der Universität Potsdam die Tagung „Wie immer Ihr Th. F.“ – Theodor Fontanes Briefe im Kontext statt, veranstaltet vom Theodor-Fontane-Archiv und der Theodor Fontane Gesellschaft e.V. in Kooperation mit der Universität Potsdam, Institut für Germanistik. In Theodor Fontanes Œuvre nehmen seine Briefe einen nicht nur quantitativ beeindruckenden Platz ein, weshalb schon wenige Jahre nach seinem Tode die ersten Ausgaben seines Briefschaffens veröffentlicht wurden. Inzwischen liegen knapp 40 Fontane-Briefausgaben mit etwa 5.000 veröffentlichten Briefen vor, die von zahlreichen Aufsätzen und Kommentaren begleitet wurden. Was fehlt ist allerdings, so der Call zur Konferenz, eine „kritische Gesamtausgabe der Briefe von und an Fontane“. Zudem liege „das Spezialwissen“ nur „verstreut“ vor. Deshalb plant das Theodor-Fontane-Archiv momentan eine entsprechende Digitalausgabe der Fontane-Briefe.

Vor diesen Hintergründen hat sich bereits im Herbst 2013 eine erste Tagung „Fontanes Briefe ediert“ mit Fragen einer möglichen digitalen Edition der Fontane-Briefe befasst, auf der ExpertInnen wie u.a. Dr. Claudia Bamberg (Marburg), Dr. Thomas Burch (Trier), Dr. Patrick Sahle (Köln) und Dr. Jutta Weber (Berlin) sprachen. Die diesjährige Konferenz sollte sich nun eher mit einer kritischen Kontextualisierung der Briefe befassen und, so das Ziel der VeranstalterInnen, „Perspektiven für die künftige wissenschaftliche Auseinandersetzung mit Fontanes Briefen aufzeigen“. Dieses Ziel wurde einerseits erreicht, andererseits standen jedoch weiterhin Fragen einer angemessenen digitalen Edition im Vordergrund. Das Programm der diesjährigen Konferenz war breit gefächert, dieser kurze Konferenzbericht kann leider auf einzelne Vorträge gar nicht und auf andere nur unangemessen kurz eingehen.

Theodor Fontane und das Genre ‚Brief‘. Medientheoretische und literaturhistorische Perspektiven

In seinem Eröffnungs- und Abendvortrag Inszeniertes Briefeschreiben, inszenierte Briefe vollzog Prof. Dr. Rolf Parr (Duisburg-Essen) einen literatur-, kultur- und medienwissenschaftlich orientierten Dreischritt. Zunächst unterschied er drei bis heute relevante Konstellationen der Briefforschung, die er aus der Forschung zur Frühen Neuzeit, zum 18. Jahrhundert und zum 19. und 20. Jahrhundert ableitete, wobei diese dritte „Konstellation von Briefpraxis des 19./20. Jahrhunderts als Gegenstand in Kopplung mit medien-diskursanalytischen Zugriffen […] nicht mehr in erster Linie auf das Individualverstehen von Subjektivität ab[zielt], sondern vielmehr auf die Analyse der medialen Voraussetzungen des Briefverkehrs, insbesondere der Übertragungswege, die zugleich zum generellen Modell von Medialität werden können“. In einem zweiten Schritt befasste sich Parr mit den daraus resultierenden Überlagerungen und Ungleichzeitigkeiten konkreter Brief-Korpora, wobei er „für eine in theoretisch-methodischer Hinsicht mehrperspektische Briefforschung“ plädierte, die eine medientheoretische Betrachtung der jeweiligen Briefe mit einer Analyse ihrer literarischen Textur verbindet. Dieses Verfahren wandte Parr dann schließlich auf einige Teilkorpora des Fontane’schen Briefwerkes an, indem er fünf Aspekte herausarbeitete: Ankündigungen von Briefen, die bald folgen sollen; Briefschulden; Gewohnheiten und ihre Durchbrechung; die Materialität des Briefeschreibens und schließlich die Ökonomien des Postverkehrs.

Parrs Beitrag zeigte somit, dass sich die Auseinandersetzung mit Fontanes Briefen auch für medientheoretische und -historische Fragestellungen produktiv machen lässt. Aus einer etwas anderen Perspektive zeigte dies auch der Vortrag von Rainer Falk (Potsdam) über Fontanes Postkarten, der die – sich wandelnde – spezifische Struktur von Postkarten und ihre jeweilige Nutzung durch Fontane untersuchte und als eine Spezialform des Genres ‚Brief‘ beschrieb.

Auch andere Vorträge begründeten überzeugend die Notwendigkeit der wissenschaftlichen Auseinandersetzung mit Fontanes Briefen, um sein Werk oder aber die Literatur der Zeit und ihren ‚Betrieb‘ besser verstehen zu können. In diesem Sinne sprachen u.a. Dr. Franziska Mayer (München) erhellend über den Briefwechsel zwischen Theodor Fontane und Paul Heyse, der das litarische Netzwerk der Zeit ausleuchtet, Dr. Debora Helmer (Göttingen) untersuchte die theaterkritischen Äußerungen in Fontanes Briefwechseln, ohne die einzelne öffentliche Repliken nicht kontextualisierbar sind.

Eine digitale Edition der Fontane-Briefe. Chancen und Herausforderungen

Neben diesen medientheoretischen und literaturanalytischen Zugängen standen jedoch auch editionsphilologische Fragen im Zentrum der Konferenz. Klaus-Peter Möller, Mitarbeiter des Theodor-Fontane-Archivs, zeigte in seinem materialreichen Beitrag mit dem Untertitel Redaktionelle Grundsätze und Arbeitsverfahren der Erben bei der Editionen der Korrespondenz Fontanes, in welch editionsphilologisch unzureichender Weise in der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts die ersten Briefausgaben Fontanes entstanden sind, u.a. die Ausgaben von 1905, 1910, 1937 und 1942.

In ihrem Vortrag Sprache und Schweigen. Rekontextualisierung des Jüdischen in Fontanes Korrespondenzen als Leitmotiv eines digitalen Editionsverfahrens stellten Dr. Hanna Delf von Wolzogen, die Leiterin des Theodor-Fontane-Archivs, und ihre Mitarbeiterin Dr. Anke Hertling ein erstes Projekt vor, in dem – orientiert an dieser inhaltlichen Fragestellung – erste Schritte auf dem Weg zu einer digitalen Edition der Briefe Fontanes gegangen werden sollen. Dabei wurde einerseits deutlich, dass ein solches Projekt enorme Vorteile bietet, da die Briefe freier und in unterschiedlichen Formaten verfügbar wären, zugleich aber noch viele komplexe Fragen geklärt werden müssen. Die intensive Diskussion des Vortrags zielte einerseits auf inhaltliche Fragen – vor allem die Bestimmung der Kategorie ‚des Jüdischen‘ – sowie technische Probleme – wie jene nach einer angemessenen Schnittstelle zu anderen Repositorien – ab.

Auf viele technischen Probleme digitaler Editionen ging der Vortrag von Dr. Gabriele Radecke (Göttingen/München) ein, die zum korrespondierenden Thema Theodor Fontanes Notizbücher – die genetisch-kritische und kommentierte Hybrid-Edition als Vorarbeit zu einer digitalen Gesamtausgabe der Briefkorrespondenz Fontanes sprach. Radecke zeigte anhand des von ihr geleiteten und von der DFG geförderten Göttinger Projekts, wie in einer ‚born digital edition‘ die zahlreichen Schwierigkeiten, die bei einem digitalen Editionsprojekt auftreten, gelöst werden können. Allerdings thematisierte ihr Vortrag auch einige fundamentale und ungeklärte Schwierigkeiten, die die Möglichkeiten der Digitalisierung für die Geisteswissenschaften mit sich bringen. So plädierte Radecke dafür, dass in solchen Editionen viel stärker als zuvor Informationen zu nicht-überlieferten Briefen, die aber indirekt belegt sind, veröffentlicht werden sollten, was die Philologien jedoch vor fundamentale Probleme stellt. Zudem wurde ersichtlich, dass die urheberrechtliche Situation solcher Editionen und der edierten Gegenstände prekär ist.

Mit diesem Problem hat sich wiederum mein Konferenzbeitrag unter dem Titel Zwischen privater Nachricht und geistiger Schöpfung. Die Gattung ‚Brief‘, Eigentum und Recht im 19. Jahrhundert befasst. Dabei ging es vor allem um zwei Fragen: Erstens konnte ich – auf Basis literaturtheoretischer und rechtshistorischer Ausführungen – zeigen, dass zu Beginn des 20. Jahrhunderts den Briefen Fontanes an sich noch kein ‚Werk‘-Charakter zugeschrieben werden konnte, sondern dass sie unter das Persönlichkeitsschutzrecht fielen. Als private Nachrichten konnten sie jedoch durch ihre Erstveröffentlichung in einer wissenschaftlich fundierten Edition einen Werk-Charakter erhalten, allerdings in Abhängigkeit von der Qualität der Editionen, die sich – siehe oben – mitunter als problematisch erwiesen haben. Zweitens ist auch in der Gegenwart der rechtliche Status digitaler Editionen problematisch, denn hier konkurriert einerseits die geisteswissenschaftliche Vorgabe, solche Editionen sowohl mit einem Editorennamen zu versehen und urheberrechtlich zu schützen, mit der andererseits wünschenswerten Eigenschaft digitaler Editionen, für möglichst viele ForscherInnen im Sinne des Open Access frei verfügbar und für die jeweiligen Zwecke weiterverarbeitbar zu sein. Es wäre darüber nachzudenken, inwiefern man zur Lösung dieses Dilemmas Creative-Commons-Lizenzen nutzen kann, die allerdings auch neue Probleme aufwerfen.

Ein Zeitungsartikel, der inzwischen in den Potsdamer Neuesten Nachrichten erschienen ist, gibt meinem Vortrag zwar erfreulich viel Raum, ist am Ende aber inkorrekt: So kritisiere ich nicht eine bestehende Digitalausgabe der Fontane-Briefe, vielmehr habe ich Hinweise zu einer möglichen rechtlichen Konstellation einer überhaupt erst noch zu erstellenden Edition gegeben. Die Beiträge der Konferenz sollen im nächsten Jahr in einem Sammelband zur Verfügung stehen, mindestens so wichtig wären die notwendigen Mittel für das Theodor-Fontane-Archiv, um die anvisierte Digitaledition der Briefe Fontanes in den kommenden Jahren auf den Weg zu bringen.

Video-Dokumentation des Workshops „Nach dem geistigen Eigentum?“

Die studentische Webredaktion unseres Essener MA-Studiengangs „Literatur und Medienpraxis“ hat aus den sechs Stunden Videomaterial eine achtminütige Kurzzusammenfassung des Workshops „Nach dem geistigen Eigentum? Digitale Literatur, die Literaturwissenschaft und das Immaterialgüterrecht“ geschnitten, die Ihnen einen ersten Einblick in die Präsentationen und Diskussionen geben:

Dank der fabelhaften Unterstützung durch die Essener Medientechnik (ein Dank an Jochen Ehlert und Ralf Wassermann!) stehen auch die kompletten Präsentationen und Diskussionen des Workshops zur Nachbetrachtung auf den Workshopseiten www.uni-due.de/ndge/livestream zur Verfügung. Sie finden dort die folgenden Video- und Audiodateien:

  • Prof. Dr. Rolf Parr (Studiengangleiter ‚MA Literatur und Medienpraxis‘ an der Universität Duisburg-Essen): »Grußwort« (4:36, Video, Direktlink zu div. Dateiformaten in DuEPublico)
  • Dr. Thomas Ernst (Universität Duisburg-Essen): Vortrag zum Thema »Nach dem geistigen Eigentum? Die Literaturwissenschaft und das Immaterialgüterrecht« (26:24, Video, Direktlink zu DuEPublico)
  • Dirk von Gehlen (Süddeutsche Zeitung, Leiter Social Media/Innovation): Vortrag und Diskussion zum Thema »War Crowdfunding besser als Suhrkamp? ‚Eine neue Version ist verfügbar‘ – Probleme und Potenziale digitaler Buchveröffentlichungsformen« (59:17, Video, Direktlink zu DuEPublico)
  • Klaus-Peter Böttger (Präsident EBLIDA/Leiter Stadtbibliothek Essen): Vortrag und Diskussion zum Thema »Warum das Urheberrecht ein Problem für die ›Onleihe‹ ist. Oder: Was macht für Bibliotheken den Unterschied zwischen einem Kauf und einer Lizenz aus?« (54:09, Video, Direktlink zu DuEPublico)
  • Prof. Dr. Katharina de la Durantaye (Humboldt-Universität Berlin): Vortrag und Diskussion zum Thema »›Geistiges Eigentum‹ vs. Immaterialgüterrecht. Rechtswissenschaftliche Perspektiven für die Literaturwissenschaft« (46:00, Audio, Direktlink zu DuEPublico)
  • Podiumsdiskussion zum Thema »Digitale Literaturen, Geschäftsmodelle digitalen Publizierens und das Immaterialgüterrecht. Probleme und Perspektiven« mit den Diskutanten: Prof. Dr. Hermann Cölfen (Kustos der Germanistik an der Universität Duisburg-Essen; Gründer des Universitätsverlags Rhein-Ruhr), Dorothee Graf (Fachreferentin Germanistik der Universitätsbibliothek der Universität Duisburg-Essen), Matthias Spielkamp (Projektleiter iRights.info – Urheberrecht in der digitalen Welt), Dr. Paul Heinemann (Lektor des Olms Verlag, Hildesheim), Moderation: Dr. Thomas Ernst (1h40, Video, Direktlink zu DuEPublico)
  • Sehen Sie auch den Kurzbericht zum Workshop von Esther Kalb für das Weblog Digitur – Literatur in der digitalen Welt.