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Wo Coronasemester war, soll gutes Blended Learning werden: Digitale Lehrerfahrungen 2020 und Empfehlungen für eine bessere Zukunft

Artikel in FAZ und Welt vom 23./24.5.2020

Nun sagt, wie halten wir es zukünftig mit der digitalen Lehre? Diese neue Gretchenfrage der Hochschullehre stellt sich in neuer Form, denn der aktuelle Forschungsstand zur Covid-19-Pandemie lässt Präsenzunterricht vorerst wenig ratsam erscheinen. Die ersten Universitäten wie die University of Cambridge deklarieren folglich bereits das komplette Studienjahr 2020/21 zum Online-Lehrjahr. Gegen diese nahe liegende Entwicklung polemisieren nun konservative Medien: Thomas Thiel behauptet jüngst in der FAZ, dass „das digitale Einheitsprodukt billiger ist als das physische Seminar vor Ort“ und letztlich nur Medienkonzernen wie Bertelsmann und Microsoft diene; Susanne Gaschke proklamiert in der Welt gar „das Ende der Universität, wie wir sie kannten“. Auch eine linke Aktivistin wie Naomi Klein problematisiert den Digitalunterricht als Teil einer „High-Tech Dystopia“, die sie in The Intercept als Teil des „Screen New Deal“ diffamiert.

Es ist weise, diese sozialen und ökonomischen Gefahren im Blick zu behalten. Zur Weisheit gehört jedoch auch, diese Thesen mit konkreten Erfahrungen in der Hochschullehre abzugleichen. Es gibt bereits entsprechende Threads zu den Artikeln von Thiel und Gaschke, in denen Kolleg*innen diese Meinungsbeiträge als „antiakademische Polemik“ in Kombination mit „Technikfeindlichkeit“ (@miriamzeh) bzw. „Unfassbarer Schmarrn“ (@ArminNassehi) und „quasi argumentfrei“ (@drbieber) bewerten. Im Gegensatz dazu müssten auch die positiven Erfahrungen berücksichtigt werden, denn: „Wir werden das Gute aus der Online-Lehre behalten, und damit die Präsenzlehre aufwerten.“ (@nettwerkerin)

Da bei uns in Belgien das Sommersemester früher liegt als in Deutschland (von Februar bis Mai), erwischte uns die Umstellung auf reinen Online-Unterricht mitten im laufenden Semester. Das war im März eine enorme Herausforderung, ermöglicht mir nun jedoch, bereits anderthalb Monate vor den Kolleg*innen aus Deutschland ein vorläufiges Fazit dieser digitalen Lernerfahrungen und vor allem Empfehlungen für 2020/21 zu formulieren. Weiterlesen

Greift Covid-19 auch die Geisteswissenschaften an? Wofür sich Medien und Studienanfänger*innen gerade interessieren

Die Covid-19-Pandemie hat einen großen Einfluss auf unser Alltagsleben, beispielsweise stehen plötzlich andere Arbeitsbereiche im Fokus der Öffentlichkeit. In der Wissenschaft ist auffällig, dass zuletzt Immunologen und Virologen eine ganz neue Prominenz erlangt haben. Internationale Koryphäen wie Anthony Fauci in den USA, Christian Drosten in Deutschland oder Marc van Ranst und Erika Vlieghe in Belgien sind medial präsent und werden fast schon zu Popstars.

Es ist eine gute Entwicklung, dass die populäre Wissenschaftskommunikation eine ganz neue Reichweite erhält, beispielsweise der Podcast von Christian Drosten oder der Vlog-Channel von Mai Thi Nguyen-Kim. Auch viele Nicht-Wissenschaftler*innen können nun etwas mit einem Begriff wie ‚Peer Review‘ anfangen. Einer aktuellen Studie zufolge sprechen sich 90% aller Bürger*innen dafür aus, die Politik möge auch zukünftig „verstärkt Meinungen und Analysen der Wissenschaft in politische Entscheidungsprozesse“ einbeziehen.

Zugleich bewirkt die aktuelle mediale Fixierung auf die Naturwissenschaften und die ökonomische Krise jedoch auch eine nachhaltige Verschiebung der gesellschaftlichen Interessenlage. Während viele Selbstständige aus dem Kultursektor gerade auftrags- und teilweise auch öffentlichkeitslos sind und Expert*innen bereits ein großes Zeitungs- und Kinosterben prophezeien, fokussiert sich die mediale Öffentlichkeit hauptsächlich auf die Bereiche Politik, Virologie und Ökonomie.

Geisteswissenschaften, Kompetenzen und Kulturkrisen

Diese einseitige Priorisierung greift jedoch zu kurz. Denn natürlich muss Weiterlesen

Vorträge im Februar 2020: Gegenwart, Populismen, Freiheit

Plakat der Bonner Konferenz zu Pop und Populismen

Ich freue mich, im Februar auf gleich drei Konferenzen meine Forschungsarbeiten präsentieren und diskutieren zu dürfen. Zunächst bin auf gleich zwei Konferenzen in Bonn: Zunächst darf ich auf der Konferenz „Figur(ation)en der Gegenwart“ des Bonner DFG-Graduiertenkollegs 2291 am 6. Februar über „Das Netzwerk als Prozess. Digitale Präsenz in der Literatur und als Literatur“ sprechen. Dann wechsle ich zur 12. Jahrestagung der AG Populärkultur und Medien in der Gesellschaft für Medienwissenschaft, die sich mit dem Thema „‚The People vs. The Power Bloc‘ (?) – Interdisziplinäre Perspektiven auf Pop und Populismen“ beschäftigen wird. Dort spreche ich in einem selbstreflexiven Vortrag über „Von ‚Faserland‘ zum Vaterland? Eine Revision umstrittener Thesen zur Neuen Deutschen Popliteratur“ und treffe unter anderem die Kolleginnen Dr. Charis Goer (Utrecht, Organisatorin) und Dr. Melanie Schiller (Groningen).

Am 20./21. Februar wird mein Paper mit dem Titel „Nach dem geistigen Eigentum: Neue Geschäfts- und Rechtsmodelle der Netzliteratur in der Praxis“ auf der interdisziplinäre Fachtagung „Tipping Points – Zum Verhältnis von Freiheit und Restriktion im Urheberrecht“ des Weizenbaum-Instituts für die vernetzte Gesellschaft und des Fachausschusses Urheberrecht der Gesellschaft für Musikwirtschafts- und Musikkulturforschung in Berlin präsentiert und diskutiert.

UvA: Studentische Konferenzen und Gastvorlesung 2018

Es ist eine erfreuliche Priorität der Universiteit van Amsterdam, ihren Studierenden schon in den BA-Studiengängen eigene Präsentationen auf studentischen Konferenzen zu ermöglichen. In der zweiten Hälfte des Studienjahres 2017/18 betrifft dies gleich zwei meiner Seminare: Am Mittwoch, 31.1.2018, werden die Studierenden meines BA-Seminars Digitaal Duitsland ihre Gruppenprojekte aus den Bereichen Digitale Bildung, Digitales Schreiben und Publizieren sowie Digitales Forschen auf einer Abschlusskonferenz öffentlich präsentieren (31.1., 12:30-17:30 Uhr, P.C. Hoofthuis 5.55). Zum Abschluss des Seminar Germanistiek, das unsere BA-Studierenden auf ihre BA-Abschlussarbeit vorbereitet, werden wir am 22. und 23. März 2018 gemeinsam mit Dr. Angela Mielke von der Universität zu Köln eine studentische Konferenz durchführen, bei die Studierenden aus Amsterdam und Köln ihre Projekte präsentieren und diskutieren werden. In diesem Jahr Weiterlesen

Politische und digitale Literatur: Meine Vorträge 2017

Es freut mich sehr, dass ich 2017 auf vier wichtigen Konferenzen meine Forschungsarbeit über politische und digitale Literatur präsentieren darf:

„Internationaler Literaturpreis 2015“: Preisträger Amoz Oz & Miriam Pressler, Buchtrailer

Seit anderthalb Jahren begleitet eine studentische Redaktion unseres Essener Masterstudiengangs „Literatur und Medienpraxis“ in Kooperation mit dem Berliner Haus der Kulturen der Welt in einem Blog den „Internationalen Literaturpreis“. In diesem Jahr stehen sechs Titel auf der Shortlist, die im Original in englischer, französischer, hebräischer, kroatischer und ungarischer Sprache geschrieben wurden. Gerade hat das Haus der Kulturen der Welt bekannt gegeben, dass der mit insgesamt 35.000 € dotierte Preis an den Roman Judas geht, der von Amos Oz geschrieben und von Mirjam Pressler übersetzt wurde.

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Kathrin Röggla als Poet in Residence in Essen: „Von Zwischenmenschen, working Milieus, Parallel-Krisen und dem nicht eingelösten Futur“

Kathrin Röggla im Vorab-Videogespräch zu ihrer Poetik-Dozentur in Essen

Seit fast vierzig Jahren besteht die Einrichtung des ‚Poet in Residence‘ an der Universität Duisburg-Essen, sie ist damit eine der ältesten Institutionen dieser Art in Deutschland. Mit Kathrin Röggla war eine der bekanntesten Gegenwartsautorinnen in der ersten Dezemberwoche 2014 zu Gast, sie hat sich in ihren drei Poetikvorlesungen und ihrer Lesung sowohl theoretisch als auch praktisch mit dem literarischen Arbeiten mit dokumentarischen Mitteln beschäftigt. Es war mir eine große Freude, die Veranstaltungen durch eine Einleitung in das Werk von Kathrin Röggla und als Moderator zu begleiten.

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„Literature as Subversion: Potentials and Aporias of Contemporary Political Writing“. Video presentation at Carl von Ossietzky Universität Oldenburg

Video presentation by Thomas Ernst on „Literature as Subversion“ (23:50 min.)

Not least because of its 40th anniversary and the commemoration of the host University’s name patron, Carl von Ossietzky, the University of Oldenburg has organized a conference “Resistance. Subjects, Representations, Contexts”. The conference will explore phenomena of resistance in different historical and contemporary contexts from an interdisciplinary and transcultural perspective in order to add to a theoretical debate on the term and concept(s) of resistance. Invited speakers are Gayatri Chakravorty Spivak (New York), Maria do Mar Castro Varela (Berlin), Alex Demirovic (Berlin), Sabine Hess (Göttingen), Micha Brumlik (Berlin), Jens Martin Gurr (Duisburg-Essen), Rainer Winter (Klagenfurt) and others.

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Video-Dokumentation des Workshops „Nach dem geistigen Eigentum?“

Die studentische Webredaktion unseres Essener MA-Studiengangs „Literatur und Medienpraxis“ hat aus den sechs Stunden Videomaterial eine achtminütige Kurzzusammenfassung des Workshops „Nach dem geistigen Eigentum? Digitale Literatur, die Literaturwissenschaft und das Immaterialgüterrecht“ geschnitten, die Ihnen einen ersten Einblick in die Präsentationen und Diskussionen geben:

Dank der fabelhaften Unterstützung durch die Essener Medientechnik (ein Dank an Jochen Ehlert und Ralf Wassermann!) stehen auch die kompletten Präsentationen und Diskussionen des Workshops zur Nachbetrachtung auf den Workshopseiten www.uni-due.de/ndge/livestream zur Verfügung. Sie finden dort die folgenden Video- und Audiodateien:

  • Prof. Dr. Rolf Parr (Studiengangleiter ‚MA Literatur und Medienpraxis‘ an der Universität Duisburg-Essen): »Grußwort« (4:36, Video, Direktlink zu div. Dateiformaten in DuEPublico)
  • Dr. Thomas Ernst (Universität Duisburg-Essen): Vortrag zum Thema »Nach dem geistigen Eigentum? Die Literaturwissenschaft und das Immaterialgüterrecht« (26:24, Video, Direktlink zu DuEPublico)
  • Dirk von Gehlen (Süddeutsche Zeitung, Leiter Social Media/Innovation): Vortrag und Diskussion zum Thema »War Crowdfunding besser als Suhrkamp? ‚Eine neue Version ist verfügbar‘ – Probleme und Potenziale digitaler Buchveröffentlichungsformen« (59:17, Video, Direktlink zu DuEPublico)
  • Klaus-Peter Böttger (Präsident EBLIDA/Leiter Stadtbibliothek Essen): Vortrag und Diskussion zum Thema »Warum das Urheberrecht ein Problem für die ›Onleihe‹ ist. Oder: Was macht für Bibliotheken den Unterschied zwischen einem Kauf und einer Lizenz aus?« (54:09, Video, Direktlink zu DuEPublico)
  • Prof. Dr. Katharina de la Durantaye (Humboldt-Universität Berlin): Vortrag und Diskussion zum Thema »›Geistiges Eigentum‹ vs. Immaterialgüterrecht. Rechtswissenschaftliche Perspektiven für die Literaturwissenschaft« (46:00, Audio, Direktlink zu DuEPublico)
  • Podiumsdiskussion zum Thema »Digitale Literaturen, Geschäftsmodelle digitalen Publizierens und das Immaterialgüterrecht. Probleme und Perspektiven« mit den Diskutanten: Prof. Dr. Hermann Cölfen (Kustos der Germanistik an der Universität Duisburg-Essen; Gründer des Universitätsverlags Rhein-Ruhr), Dorothee Graf (Fachreferentin Germanistik der Universitätsbibliothek der Universität Duisburg-Essen), Matthias Spielkamp (Projektleiter iRights.info – Urheberrecht in der digitalen Welt), Dr. Paul Heinemann (Lektor des Olms Verlag, Hildesheim), Moderation: Dr. Thomas Ernst (1h40, Video, Direktlink zu DuEPublico)
  • Sehen Sie auch den Kurzbericht zum Workshop von Esther Kalb für das Weblog Digitur – Literatur in der digitalen Welt.

„Literatur und Subversion“ ist erschienen!

Hurra, große Freude: Nach vielen Jahren der Arbeit an meinem zunächst 870seitigen Manuskript „Literatur und Subversion. Politisches Schreiben in der Gegenwart“, das ich in einem anstrengenden und längeren Prozess auf 570 Seiten gekürzt und dabei aktualisiert habe, ist heute ein großer Karton vom transcript Verlag mit den ersten Exemplaren in meinem Essener Büro angekommen! Ich danke allen, die mich auf diesem langen Weg unterstützt haben – und bin gespannt auf die Reaktionen. Weitere Informationen zum Buch, das Sie ab sofort erwerben können, erhalten Sie auf der Webseite „Literatur und Subversion“. Dort finden Sie auch Informationen zu den aktuell bereits feststehenden Buchpräsentationen in Essen, Münster, Brüssel, Leuven und Antwerpen.