Schlagwort-Archive: Reisen

Wunderschönes Belgien: Leben in Liedekerke (Man bijt hond)

Das klassische flämische TV-Journal Man bijt hond (dt. Mann beißt Hund) berichtet von den Normalitäten des Alltagslebens jener, die außerhalb ihres jeweiligen Milieus oder Dorfs als skurril oder grotesk wahrgenommen würden, vergleichbar den Protagonisten aus Dimitri Verhulsts Erfolgsroman De helaasheid der dingen (2006, dt. Die Beschissenheit der Dinge). Ein besonders feines Beispiel für das Verfahren von Man bijt hond findet sich unter dem Titel Het dorp.

Zugleich illustriert dieser Auszug das Sprichwort, als Flame komme man mit einem Backstein im Magen zur Welt. Der Wunsch, eigenen Wohnraum zu besitzen, führt in Belgien mitunter zu ungewöhnlichen Konstellationen und Lebensumständen, insbesondere wenn der karge Lohn nicht für ein schmuckes Anwesen, sondern nur für ein kleines Häuschen mit noch kleinerer Garage gereicht hat. Doch sehen Sie selbst, wie sich der 87jährige Eugène aus dem flämischen Liedekerke mit Haus, Garage und seinem Fiat Panda arrangiert hat (auf Wunsch können Sie die englischsprachigen Untertitel aktivieren):

De mythe van de ‘Metropool Ruhr’. Een vertaalde versie van mijn opiniestuk over Duisburg en de Loveparade in ‚De Morgen‘

Mijn persoonlijke poging om de ramp van Duisburg te verwerken, die ik uiteindelijk op mijn blog heb gezet, werd ondertussen ook in Vlaanderen met interesse ontvangen. Een vertaalde en ingekorte versie van mijn tekst vulde eergisteren een hele pagina van De Morgen in de rubriek ‘de gedachte‘. Aan het einde van die tekst klinkt het:

„Sinds zaterdag is de drievuldigheid ‘Metropool + Mega-evenement + Centrum‘ verleden tijd voor het Ruhrgebied. En de toekomst ligt misschien besloten in de drievuldigheid ‘Netwerk + Kunst + Verscheidenheid‘, die hoe dan ook veel beter past bij de 21ste eeuw. Maar wat de toekomst ook brengen mag, 21 mensen zullen het niet meer beleven.“

Das Buch: Europa erlesen: Ruhrgebiet

In dieser Woche werde ich – gemeinsam mit dem Mitherausgeber Florian Neuner – das frisch erschienene Buch Europa erlesen: Ruhrgebiet in Essen (27.10., Heinrich-Heine-Buchhandlung) und in Bochum (30.10., Haus der Geschichte des Ruhrgebiets) präsentieren. Wir freuen uns sehr, dass der Wieser Verlag uns diese Veröffentlichung anvertraut hat, und sind mit den 68 von uns ausgewählten Texten von Autoren wie Heinrich Böll, Bertolt Brecht, Heinrich Heine, Eckhard Henscheid, Richard Huelsenbeck, Thomas Kapielski, Alexander Kluge, Georg Kreisler, Ferdinand Kriwet, Eva Kurowski, Jürgen Link, Waltraud Seidlhofer, Dezső Tandori, Walther von der Vogelweide, Wolfgang Welt u.v.a.m. vollauf zufrieden. Weiterlesen

Conference report: Collective Creativity (Sydney/Australia, July 2009)

From July, 23rd to 26th, I have been to Sydney/Australia, to the Sydney German Studies Symposium 2009 on Collective Creativity, organized by Gerhard Fischer and Florian Vaßen, where I met colleagues from Germany like Rolf G. Renner and Inge Stephan and colleagues from abroad like Axel Fliethmann, Ulrike Garde, Alison Lewis, Andrew McNamara or Christiane Weller. The conference report, which I collaborated on, has meanwhile been put online on h-soz-kult.

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Reisebilder Australien (2): Comedy down under…

Nun ja, wenn man ‚down under‘ lebt, ist man schon irgendwie lustig. Wie heißt es noch so schön bei den Men at Work:

I come from a land down under
Where beer does flow and men chunder
Can’t you hear, can’t you hear the thunder?
You better run, you better take cover.

Neben den zahlreichen positiven Erfahrungen, die ich in New South Wales machen durfte, zu denen nicht nur äußerst angenehme Begegnungen zählen, sondern beispielsweise auch der Besuch im idyllischen Nationalgebiet des Hawkesbury River, lernte ich ebendort, dass nicht nur in Deutschland die Macher schlechter Comedy in freier Wildbahn ihr Unwesen treiben. Doppelklickst und guckst Du hier, was man aus ‚Hawkesbury River Arts‘ so alles machen kann:

Australien, Hawkesbury River, Juli 2009

Australien, Hawkesbury River, Juli 2009

Reisebilder Australien (1): Wo ist hier?

Bin gerade in Australien, vorrangig für eine Tagung zum Thema Collective Creativity. Kurze Zwischenmeldung von der Bondi Beach in Sydney, gesprochen „Bonn-Dai-Bietsch“. Hätte gerne gewusst, what and where I am. Eine Bodenmarkierung von Bondi Beach told me: You are here. Schön, wie einfach das Leben manchmal sein kann. Erinnerte mich an das Album Wo ist hier? von Die Sterne und ihren Song Solangehierunterwegs:

Wir sind so lange hier
unterwegs
Wir sind so weit weg
Wo ist hier

Australien, Sydney, Bondi Beach, Juli 2009

Post-Doc-Projekt bewilligt: Heimat und Hybridität? Globalisierte Identitäten in der Gegenwartsliteratur aus Luxemburg, Belgien und Deutschland

Es gibt sehr gute Nachrichten: Ab August 2008 hat das Ministère de la Culture, de l´Enseignement supérieur et de la Recherche des Großherzogtums Luxemburg mir ein Post-Doc-Projekt genehmigt, das ich an der Universität Luxemburg bei Prof. Dr. Georg Mein in der Germanistik durchführen werde. In diesem Projekt untersuche ich

die Frage, wie vor dem Hintergrund der ökonomischen, kulturellen und medialen Globalisierung noch Identität konstruiert wird, und ob sich in diesen Konstruktionen Hybridisierungen oder vielmehr Rückbesinnungen auf (neue Formen von) ‚Heimat’ zeigen.

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Wunderschönes Belgien: Warum ich Belgier geworden bin

Gestern fand ein Fußball-Freundschaftsspiel zwischen Belgien und Deutschland statt, das in Belgien noch nicht einmal live übertragen wurde, was wiederum in Deutschland undenkbar wäre. Aber in anderen Ländern ist der Fußballsport glücklicherweise nicht auf so irrationale Weise mit der nationalen Identität verwachsen wie in der BRD (remember “Das Wunder von Bern”, 1954, oder “Das Sommermärchen”, 2006), leider interessieren sich außerhalb von Brüssel jedoch immer weniger Menschen für Kollektive, die unter dem Namen ‘Belgien’ operieren, da sich das Alltagsleben und -bewusstsein zunehmend als ‘flämisches’ oder ‘wallonisches’ begreift.

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Anstelle einer Urlaubspostkarte aus Balkonien

USA, Montauk auf Long Island, August 2005

Wer von New York City etwa zwei Stunden in Richtung der Nordspitze von Long Island fährt, erreicht ebendort das ehemalige Fischerdorf Montauk, das nicht nur in einem Gedicht von Walt Whitman (From Montauk Point) und einem Lied von Billy Joel (The Downeaster Alexa) eine Rolle spielt, sondern auch der ebenso schonungslosen wie lesenswerten Erzählung von Max Frisch ihren Titel gab.

In Montauk (Frankfurt/Main: Suhrkamp, 1981) stellt der altersweise Protagonist beispielsweise fest: „Es stört ihn, daß immer Erinnerungen da sind.“ (S. 9) Oder: „Es mehren sich die Toten als Freundeskreis.“ (S. 203)

Besonders gefällt mir der Satz:

Ich bin ein Narr und weiß es. (S. 149)

Wissen es aber auch jene, die dort am Strand von Montauk herumliegen und Frisch nicht gelesen haben?