Schlagwort-Archive: Social Media

Netzliteraturwissenschaft: Plattform und Mailingliste

Die vernetzte digitale Gesellschaft hält für die Literaturwissenschaft viele neue Herausforderungen bereit: die literarische Produktion auf Plattformen (Twitteratur, Instapoesie, Fan Fiction), das Social Reading und das Crowfunding literarischer Projekte sind nur einzelne Beispiele. Als Folge stehen etablierte Begriffe wie ‚das Werk‘ in Frage, ein neues Verständnis der Lektüreprozesse wird notwendig, neue kooperative Geschäfts- und offene Rechtsmodelle müssen untersucht werden, in der Vermittlung steht nun die Digital Literacy, die kritische Perspektive nennt sich Netz- und Plattformkritik.

In meiner Habilitationsschrift, die 2021 veröffentlicht wird, entwerfe ich daher eine Netzliteraturwissenschaft, die das notwendige interdisziplinäre und internationale Wissen, das die Literaturwissenschaft zur Erforschung von Literatur in Sozialen Medien benötigt, sammeln, reflektieren und weiterentwickeln soll. Auf dieser Webseite werden bald weitere Informationen dazu verfügbar gemacht, in der zweiten Jahreshälfte 2020 wird eine Plattform zur Netzliteraturwissenschaft aufgebaut, weitere Projekte sind für 2021 in Planung. Wenn Sie über diese Entwicklungen (unregelmäßig und in längeren Abständen) informiert werden möchten, können Sie die Netzliteraturwissenschaft-Mailingliste abonnieren. Senden Sie dann gerne eine Email an thomas.ernst [AT] uantwerpen.be mit dem Betreff „Netzliteraturwissenschaft“. Wir lesen uns.

Die Onlinelehre verbessern, nicht einfach nur zurück zur Präsenzlehre

Drei Viertel des Twittercampus wollen im WS 2020/21 weiterhin online lehren.

Ein offener Brief, der zur schnellstmöglichen Rückkehr zur Präsenzlehre an den Universitäten aufruft, ist jüngst von über 2.000 Professor*innen unterzeichnet worden. Er stellt die „Präsenzlehre“ einseitig den „virtuellen Formaten“ gegenüber und wertet die digitale Lehre ab. Da mein Eindruck jedoch ist, dass die gute Lehre der Zukunft gerade aus der sinnvollen Verschränkung von digitalen und Präsenzelementen bestehen sollte, habe ich auf Twitter ein Meinungsbild hierzu erstellt. Das Ergebnis: Von denjenigen, die sich unter dem Hashtag #Twittercampus austauschen, wollen im kommenden Semester zur „Präsenzlehre wie früher“ nur 6,5 % zurückkehren, während 76,4 % weiterhin an der Onlinelehre festhalten wollen (in verbesserter Form oder mit Präsenzelementen).

Dieses Meinungsbild mag für jene Lehrenden stehen, die sich als Wissenschaftler*innen auch auf Sozialen Medien bewegen und der Online-Lehre offener gegenüber stehen. Die Debatte über die Hochschullehre sollte sich deshalb nicht nur darauf richten, wie man schnellstmöglich wieder zur ‚alten Lehre‘ zurückkehren kann. Die Universitäten müssen die Coronaphase unbedingt nutzen, um kurzfristig die Online-Lehre und damit auch langfristig das Blended Learning zu verbessern.

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Greift Covid-19 auch die Geisteswissenschaften an? Wofür sich Medien und Studienanfänger*innen gerade interessieren

Die Covid-19-Pandemie hat einen großen Einfluss auf unser Alltagsleben, beispielsweise stehen plötzlich andere Arbeitsbereiche im Fokus der Öffentlichkeit. In der Wissenschaft ist auffällig, dass zuletzt Immunologen und Virologen eine ganz neue Prominenz erlangt haben. Internationale Koryphäen wie Anthony Fauci in den USA, Christian Drosten in Deutschland oder Marc van Ranst und Erika Vlieghe in Belgien sind medial präsent und werden fast schon zu Popstars.

Es ist eine gute Entwicklung, dass die populäre Wissenschaftskommunikation eine ganz neue Reichweite erhält, beispielsweise der Podcast von Christian Drosten oder der Vlog-Channel von Mai Thi Nguyen-Kim. Auch viele Nicht-Wissenschaftler*innen können nun etwas mit einem Begriff wie ‚Peer Review‘ anfangen. Einer aktuellen Studie zufolge sprechen sich 90% aller Bürger*innen dafür aus, die Politik möge auch zukünftig „verstärkt Meinungen und Analysen der Wissenschaft in politische Entscheidungsprozesse“ einbeziehen.

Zugleich bewirkt die aktuelle mediale Fixierung auf die Naturwissenschaften und die ökonomische Krise jedoch auch eine nachhaltige Verschiebung der gesellschaftlichen Interessenlage. Während viele Selbstständige aus dem Kultursektor gerade auftrags- und teilweise auch öffentlichkeitslos sind und Expert*innen bereits ein großes Zeitungs- und Kinosterben prophezeien, fokussiert sich die mediale Öffentlichkeit hauptsächlich auf die Bereiche Politik, Virologie und Ökonomie.

Geisteswissenschaften, Kompetenzen und Kulturkrisen

Diese einseitige Priorisierung greift jedoch zu kurz. Denn natürlich muss Weiterlesen

Call for papers veröffentlicht: Konferenz „Korrigieren – eine Kulturtechnik“ (bis 17.05.2020)

Heute haben Dr. Iuditha Balint und ich das Call for papers für unsere gemeinsame Konferenz veröffentlicht, die sich im November mit dem Thema „Korrigieren – eine Kulturtechnik“ befassen wird. Ausgangspunkt ist es einerseits, dass die digitale Vernetzung und die sozialen Medien uns in ganz anderer Weise ermöglichen, literarische und wissenschaftliche Texte in einer kollaborativen Zusammenarbeit zu korrigieren und zu verbessern. Andererseits halten wir diesen Bereich der Schreibarbeit noch für zu wenig erforscht – insbesondere auch in seiner Bedeutung für Schreibprozesse und Autorschaftsmodelle. Das Call for papers findet sich unter anderem hier.

Dr. Iuditha Balint ist die Direktorin des Fritz-Hüser-Instituts für Literatur und Kultur der Arbeitswelt und hat mich zur Partizipation an diesem Projekt eingeladen, wofür ich sehr dankbar bin. Unterstützt werden wir bei diesem Projekt von ihrer Mitarbeiterin Janneke Eggert. Es ist vorgesehen, dass die von uns eingeladenen Beiträger*innen ihre Reise- und Hotelkosten erstattet bekommen. Sollte die gemeinsame Bekämpfung der COVID19-Pandemie es ratsam erscheinen lassen, fände die Konferenz in einem digitalen Kommunikationsraum statt.

Vorträge im Februar 2020: Gegenwart, Populismen, Freiheit

Plakat der Bonner Konferenz zu Pop und Populismen

Ich freue mich, im Februar auf gleich drei Konferenzen meine Forschungsarbeiten präsentieren und diskutieren zu dürfen. Zunächst bin auf gleich zwei Konferenzen in Bonn: Zunächst darf ich auf der Konferenz „Figur(ation)en der Gegenwart“ des Bonner DFG-Graduiertenkollegs 2291 am 6. Februar über „Das Netzwerk als Prozess. Digitale Präsenz in der Literatur und als Literatur“ sprechen. Dann wechsle ich zur 12. Jahrestagung der AG Populärkultur und Medien in der Gesellschaft für Medienwissenschaft, die sich mit dem Thema „‚The People vs. The Power Bloc‘ (?) – Interdisziplinäre Perspektiven auf Pop und Populismen“ beschäftigen wird. Dort spreche ich in einem selbstreflexiven Vortrag über „Von ‚Faserland‘ zum Vaterland? Eine Revision umstrittener Thesen zur Neuen Deutschen Popliteratur“ und treffe unter anderem die Kolleginnen Dr. Charis Goer (Utrecht, Organisatorin) und Dr. Melanie Schiller (Groningen).

Am 20./21. Februar wird mein Paper mit dem Titel „Nach dem geistigen Eigentum: Neue Geschäfts- und Rechtsmodelle der Netzliteratur in der Praxis“ auf der interdisziplinäre Fachtagung „Tipping Points – Zum Verhältnis von Freiheit und Restriktion im Urheberrecht“ des Weizenbaum-Instituts für die vernetzte Gesellschaft und des Fachausschusses Urheberrecht der Gesellschaft für Musikwirtschafts- und Musikkulturforschung in Berlin präsentiert und diskutiert.

Vorträge 2018 (1): Mediale Subversion, Literatur in sozialen Medien, verbotene Bücher und Kritische digitale Kulturwissenschaft

Es freut mich sehr, dass ich in den kommenden Monaten meine Forschungsarbeiten und Thesen an deutschen und niederländischen Universitäten präsentieren und diskutieren darf. Die Fachgruppe Komparatik der Georg-August-Universität Göttingen hat mich eingeladen, im Rahmen ihrer öffentlichen Vortragsreihe Formen und Narrative politischen Protests zu sprechen. In meinem Vortrag werde ich mich mit der Frage Paradigmenwechsel des ästhetischen Protests? Von engagierter Literatur zu medialer Subversion beschäftigen (Dienstag, 23.1.2018, 17 Uhr, Platz der Göttinger Sieben, ZHG 008). Direkt einen Tag später spreche ich an der Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg im Rahmen der Ringvorlesung Bestandsaufnahmen. Literatur im (post-)digitalen Zeitalter, die das Interdisziplinäre Zentrum für Literatur und Kultur der Gegenwart (IZG) organisiert. Mein Vortrag trägt den Titel Jenseits von Buch, Verlag und Buchhandel (1): Literarische Produktivität in Sozialen Medien und bezieht sich indirekt auf den Vortrag Jenseits von Buch, Verlag und Buchhandel (2) von Prof. Dr. Svenja Hagenhoff, die eine Woche später sprechen wird (Mittwoch, 24.1.2018, 18 Uhr, KH 1.020, Universitätsstr. 15, Erlangen).

Der jährliche Abendkurs der Vereniging van Germanisten aan de Nederlandse Universiteiten beschäftigt sich 2018 mit dem Thema Verbotene Bücher! Ich habe die Freude, unter dem Titel Bücherverbote in der deutschen Literatur: Begriffe, Geschichte und Gegenwart. Eine diskursanalytische Einführung den Einführungsvortrag halten zu dürfen (Mittwoch, 7.2.2018, 19:15 Uhr, Utrecht, Drift 25, zaal 005). Schließlich hat das Organisationskomitee der DHd2018-Konferenz zum Thema Kritik der digitalen Vernunft meinen Beitrag Critical Digital Cultural Studies: Digitale Kulturwissenschaft und die Kritik des Mem-Begriffs eingeladen (Freitag, 2.3.2018, 11 Uhr, Universität zu Köln).

UvA: Studentische Konferenzen und Gastvorlesung 2018

Es ist eine erfreuliche Priorität der Universiteit van Amsterdam, ihren Studierenden schon in den BA-Studiengängen eigene Präsentationen auf studentischen Konferenzen zu ermöglichen. In der zweiten Hälfte des Studienjahres 2017/18 betrifft dies gleich zwei meiner Seminare: Am Mittwoch, 31.1.2018, werden die Studierenden meines BA-Seminars Digitaal Duitsland ihre Gruppenprojekte aus den Bereichen Digitale Bildung, Digitales Schreiben und Publizieren sowie Digitales Forschen auf einer Abschlusskonferenz öffentlich präsentieren (31.1., 12:30-17:30 Uhr, P.C. Hoofthuis 5.55). Zum Abschluss des Seminar Germanistiek, das unsere BA-Studierenden auf ihre BA-Abschlussarbeit vorbereitet, werden wir am 22. und 23. März 2018 gemeinsam mit Dr. Angela Mielke von der Universität zu Köln eine studentische Konferenz durchführen, bei die Studierenden aus Amsterdam und Köln ihre Projekte präsentieren und diskutieren werden. In diesem Jahr Weiterlesen

Vom Urheber zur Crowd, vom Werk zur Version, vom Schutz zur Öffnung? Kollaboratives Schreiben und Bewerten in den Digital Humanities

In der Zeitschrift für digitale Geisteswissenschaften (Sonderband Nr. 1: „Grenzen und Möglichkeiten der Digital Humanities“, hg. von Dr. Thomas Stäcker und Dr. Constanze Baum) ist mein Aufsatz „Vom Urheber zur Crowd, vom Werk zur Version, vom Schutz zur Öffnung? Kollaboratives Schreiben und Bewerten in den Digital Humanities“ erschienen, der auf einen Vortrag bei der DHd-Konferenz 2014 Digital Humanities – methodischer Brückenschlag oder ‚feindliche Übernahme‘? Chancen und Risiken der Begegnung zwischen Geisteswissenschaften und Informatik-Konferenz zurückgeht. Der Aufsatz wurde zudem angeregt durch die Mitglieder der AG Publizieren im Verband Digital Humanities im deutschsprachigen Raum und die Aktivitäten der AG Potenziale digitaler Medien in der Wissenschaft der Global Young Faculty III, der ich zudem für ihre besondere Unterstützung danke.

Da der Aufsatz u.a. die These vertritt, dass digitale Medien den Geisteswissenschaften einen weitaus kritischeren, transparenteren und produktiveren Austausch über Veröffentlichungen ermöglichen, der im besten Fall zu verbesserten Versionen einer Veröffentlichungen führen kann, würde ich mich über kritische Kommentare zum Aufsatz sehr freuen, die unter diesem Posting hinterlassen oder per Email (s.o.) an mich geschickt werden können.

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„Open Knowledge? Potentials of Digital Publishing in the Academic World“

Eine Konferenz der Global Young Faculy III, 27. April 2015, 13:00-20:00, Universität Duisburg-Essen, Campus Essen, Glaspavillon, Universitätsstr. 12

Mit großer Freude kündige ich hiermit die Abschlusskonferenz unserer „AG Potenziale Digitaler Medien in der Wissenschaft“ in der Global Young Faculty III an. Wir werden uns mit der Frage beschäftigen, welche Konsequenzen sich aus den Potenzialen des digitalen Publizierens für die Wissenschaft ergeben, inwiefern eine freiere Verfügbarkeit von Wissen auch eine bessere Wissenschaft begünstigt und an welchen Stellen aktuell der mediale und wissenschaftliche Wandel noch umstritten ist. Dazu haben wir einerseits mit Prof. Dr. Kathleen Fitzpatrick (New York City/Modern Language Association), Dr. Markus Neuschäfer (Berlin/Open Knowledge Foundation) und Dr. Thomas Stäcker (Wolfenbüttel/Digital Humanities im deutschsprachigen Raum) einschlägige Keynote-Speaker gewinnen können, daneben werden Prof. Dr. Eva Wilden (Vechta), Dr. Stephan Winter (Duisburg-Essen) und ich aus der AG-Arbeit berichten und erstmals die Ergebnisse einzelner AG-Projekte, u.a. einer Studie zur Nutzung digitaler wissenschaftlicher Medien durch Studierende und zum Zweitveröffentlichungsrecht, präsentieren.

 

Der Eintritt ist kostenlos, eine Anmeldung bei Kristina Petzold unter blog@global-young-faculty.de erwünscht, weitere Informationen erhalten Sie auf der Konferenzseite.

„Wir erfinden digitale Autoren!“ Open Space auf dem Kongress „E:Publish 2014“ in Berlin

Momentan bin ich in Berlin-Adlershof auf dem Kongress „E:Publish 2014“, der von SWOP veranstaltet und von PaperC sowie dem Börsenverein des Deutschen Buchhandels, Berlin-Brandenburg, initiiert worden ist. Der Kongress beschäftigt sich mit den Veränderungen, die die Digitalisierung für die ‚Buchbranche‘ bedeutet, die sich auf sehr verschiedene Weisen transformiert.

Das Programm ist ebenso interessant wie vielfältig, die Tweets zum Kongress vermitteln Ihnen einen Einblick. Ich habe die Freude, am Freitag, 14:30 Uhr, im Einstein-Kabinett, einen Open Space zum Thema „Wir erfinden digitale Autoren! Welche Formen der Autorschaft das E-Publishing wirklich benötigt“ zu leiten. Die einführende Präsentation ist hier abrufbar, ich hoffe aber vor allem, dass wir eine produktive Diskussion haben werden.

Katharina Lührmann und Lisa-Marie Reingruber von unserem Essener Weblog Digitur – Literatur in der digitalen Welt sind auch vor Ort und werden in der nächsten Zeit verschiedene Beiträge zum Kongress bereitstellen.