Europa erlesen: Ruhrgebiet

Herausgegeben von Thomas Ernst und Florian Neuner

Klagenfurt: Wieser, 2009

Zur Reihe Europa erlesen

Seit 1997 veröffentlicht der Klagenfurter Wieser-Verlag die Reihe Europa erlesen, dabei wird er u.a. unterstützt von der Kunstförderung des österreichischen Bundeskanzleramtes. Bislang erschienen über neunzig Bände, die sich u.a. mit Berlin, Brüssel, London und Rom befassen. Die Bände versammeln jeweils literarische Texte von Autorinnen und Autoren, die einen besonderen Bezug zur entsprechenden Stadt oder Gegend haben oder sich mit dieser literarisch auseinander setzen. In jedem Buch finden sich auf knapp dreihundert Seiten etwa siebzig Texte, bei denen es sich um Auszüge aus Romanen, Kurzprosa, Manifeste, Gedichte oder Lieder handelt.

Da das Ruhrgebiet – vertreten durch die Stadt Essen – zu Europas Kulturhauptstadt 2010 erwählt worden ist, liegt es nahe, für die literaturinteressierten Besucherinnen und Besucher aus ganz Europa einen Band Europa erlesen: Ruhrgebiet anzubieten, der 2009 erscheinen soll. Der Verlagsleiter Lojze Wieser hat mit der Herausgabe den aus dem Ruhrgebiet stammenden und aktuell in Brüssel lebenden Literatur- und Kulturwissenschaftler Thomas Ernst sowie den österreichischen und in Bochum und Berlin lebenden Schriftsteller Florian Neuner beauftragt.

Europa erlesen: Ruhrgebiet

Der Band Europa erlesen: Ruhrgebiet soll etwa siebzig ein- bis fünfseitige Texte versammeln, die sich allesamt mit der Topografie ‚Ruhrgebiet’, ihren Personen, Motiven und ihrer Geschichte befassen. Mit fünfeinhalb Millionen Einwohnerinnen und Einwohnern ist das Ruhrgebiet eines größten Ballungsgebiete Europas, das auf eine außergewöhnliche Geschichte der Migration, der Arbeiterbewegung, der Industriekultur und des Strukturwandels verweisen kann und in den letzten Dekaden zudem eine außergewöhnlich hohe Dichte kultureller und akademischer Institutionen etablieren konnte. Die Präsentation des Ruhrgebiets als Kulturhauptstadt Europas 2010 bietet daher die Möglichkeit, die Metropole Ruhrgebiet und ihre literarischen Stoffpotenziale sowohl von Klischees zu befreien als auch für ein nationales und internationales Publikum in seiner Komplexität, Hybridität und Historizität differenziert zu präsentieren.

Neben der Darstellung national und international bereits bekannter Texte und Autoren geht es den Herausgebern vor allem darum, den abseitigen, vergessenen, grotesken, experimentellen oder popkulturellen Texten über das Ruhrgebiet nachzuspüren und auf diese Weise der Topografie ‚Ruhrgebiet’ einen Platz in der Literaturgeschichte zuzuweisen, der über das Klischee der Dichtungsversuche von harter Arbeit geschundener Männerhände oder der Herbert Knebel-Comedy hinausgeht.

Die Perspektive wird dabei keine unkritische, lokalpatriotische sein, zumal jede Form von Lokalpatriotismus – einem Worte Jürgen Roths folgend – immer nur verletzter Lokalpatriotismus ist. Im Gegensatz dazu soll die Anthologie zeigen, dass eine avancierte literarische Sprache im besten Fall von der Gebrochenheit, Entfremdung und Absurdität des Lebens kündet – und dass sich diese zentrale Eigenschaft relevanter moderner und postmoderner Literaturen auch in der Beschäftigung mit dem erlesenen Ruhrgebiet bestätigen lässt.

Die Presse zur Reihe “Europa erlesen”

“Echte Kulturmenschen erkennt man in Zukunft daran, ob Sie dieses kleine Büchlein eingesteckt haben.”

ORF (Karin Resetarits)

“Handlich, mit Goldprägung und Lesebändchen sind die kleinformatigen Büchlein wahre Kleinodien.”

Die Zeit (Tobias Gohlis)

“Eine Einstiegsdroge - ohne diese kleinen Bände mag man gar nicht mehr verreisen.”

Kleine Zeitung (Uschi Loigge)

Kurzbiografien der Herausgeber

Thomas Ernst, geb. 1974 in Mülheim an der Ruhr, leitete von 1992-1996 die Gruppe ‚Junge Autoren Mülheim’, studierte Germanistik und Philosophie in Duisburg, Bochum, Berlin und Leuven/Belgien. Er veröffentlichte die Bücher Popliteratur (2001/2005), Wissenschaft und Macht (2004), SUBversionen. Zum Verhältnis von Kunst und Politik in der Gegenwart (2008) und zahlreiche Aufsätze und Essays zur Gegenwartskultur und Literaturtheorie. 2005 arbeitete er als Gastwissenschaftler an der Columbia University in New York, von 2004 bis 2006 war er Redakteur der Festivalzeitung Stück für Stück bei den Mülheimer Theatertagen NRW Stücke. Vorträge und Lehrtätigkeiten in Deutschland, Österreich, Belgien, den Niederlanden, Dänemark, Polen, Wales, England und den USA. 2008 erfolgte die Promotion mit einer Arbeit über Pop, Minoritäten, Untergrund. Subversive Konzepte in der deutschsprachigen Gegenwartsprosa, die von der Hans Böckler Stiftung unterstützt wurde. Er lebt in Brüssel und in Mülheim an der Ruhr.

Florian Neuner, geb. 1972 in Wels, lebt als Schriftsteller und Journalist (u.a. für Deutschlandradio) in Bochum und Berlin. Er war von 2003 bis 2006 Mitherausgeber der Literaturzeitschrift perspektive. Ende 2007 erschien die erste Nummer der neuen Zeitschrift IDIOME. hefte für neue prosa, die er zusammen mit Lisa Spalt herausgibt. Zahlreiche Stipendien, zuletzt Aufenthaltsstipendium im Künstlerdorf Schöppingen. Buchveröffentlichungen: Und käme schwarzer Sturm gerauscht (Linz 2001), Jena Paradies (Klagenfurt 2004), China Daily (Wien 2006), Zitat Ende. Prosa (Klagenfurt 2007). Aktuell arbeitet er an einer Großcollage mit dem Arbeitstitel Ruhr.Text, die sich mit dem Stadtraum des Ruhrgebiets auseinander setzt.

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