Falk Richter arbeitet als Autor und Theaterregisseur und erhielt u.a. den Hörspielpreis der Deutschen Akademie der Künste. Bekannt wurde er mit Das System (2004, Schaubühne am Lehniner Platz), mit Unter Eis aus diesem Zyklus wurde Richter zu den Mülheimer Dramatikertagen Stücke eingeladen, für dessen Festivalzeitung Stück für Stück ich ihn interviewt habe. Unter dem Titel ‚Ich trete nicht als Richter auf’. Falk Richter im Gespräch über Pop, Fernsehen und den Stillstand stellt er die These auf, dass das Fernsehen heute das ‚real life’ darstellt:
Medien sind in extremer Weise ein Teil unseres Lebens geworden. Fernsehserien werden nicht mehr dem Alltagsleben nachgebildet, sondern das Alltagsleben orientiert sich an den Serien. Ich habe neulich einen Dokumentarfilm gesehen über junge Inder, die in einem Callcenter arbeiten und vorgeben müssen, dass sie US-Amerikaner seien. Die lernen das anhand der Serie ‚Sex and the City’, müssen anhand einer Figur aus der Serie ihre Biografie ausbilden.
Das gesamte Interview kann nun abgerufen werden (Quelle: Stück für Stück 6/2004, S. 3). Auf der rechten Seite findet sich das Interview, auf der linken Seite eine Zusammenfassung der Publikumsdiskussion über das Stück, unter dem possierlichen Titel Zwiebelschalen und Flughafenhotels.
„Der Rang von Kunstwerken ist dem des Adels entgegengesetzt: er misst sich nicht an der Herkunft, sondern an den Konsequenzen.”
Heinz-Klaus Metzger
Bei Autoren wie Alexander von Schönburg, Alexa Hennig von Lange oder Benjamin von Stuckrad-Barre evoziert dies allerdings eine chiastische Struktur. Da mal drüber nachdenken!
Oliver Bukowski schreibt Theaterstücke und Hörspiele, gewann 1999 den Mülheimer Dramatikerpreis Stücke und arbeitet als Dozent für Szenisches Schreiben an der Universität der Künste in Berlin. Für die Festivalzeitschrift des Stücke-Dramatikerpreises habe ich Bukowski 2005 interviewt, da mit Dea Loher, Rebekka Kricheldorf und Anja Hilling gleich drei Absolventinnen des Studienganges eingeladen wurden. Bukowski hat u.a. drei Tipps für Theaterautoren:
Offene Ohren, gern genau hingucken und –hören wollen – wir planschen hier nicht im Nichtschwimmerbereich, wer sagt ‚War doch nur für die Schublade’ wird zurecht erbärmlich verdroschen.
Zweitens: Nicht feige perfektionistisch sein, sondern ausprobieren wollen, spielen, ne nahezu infantile Ader also. Und dann durchaus gern mal perfektionistisch.Weiterlesen »
Seit einigen Dekaden ist es nicht mehr so, dass das geistige Zentrum der deutschen Gesellschaft von einem Kanon ‚schöner Literatur’ entscheidend mitbestimmt würde. Heute lohnt es sich eher zu fragen: Was ist eine ‚deutsche Gesellschaft’ überhaupt? Wo liegen ihre Grenzen? Wohin ist das ‚geistige Zentrum’ verschwunden? Und welchen Stellenwert hat das Medium Literatur überhaupt noch?
Seit den 1970er Jahren hat somit auch die germanistische Literaturwissenschaft ihren gesellschaftlichen Stellenwert verloren, sie befindet sich in einer Dauerkrise. Während die einen sich auf die Residuen bildungsbürgerlicher Vorstellungen zurückziehen, bemühen sich die anderen um die Öffnung und – wenn man so will – Aktualisierung der Literaturwissenschaft hin zu den Kultur- und/oder Medienwissenschaften. In diesem Zusammenhang hat die Trierer Germanistik-Professorin Franziska Schößler Weiterlesen »
Während sich die Feuilletons und die Boulevardpresse über die “Feuchtgebiete” von Charlotte Roche oder die Selbstinszenierungsstrategien von ‘Lady Bitch Ray’ echauffieren, wird gerne übersehen, dass das offene Schreiben oder Sprechen über Sexualität und Körperflüssigkeiten nun wirklich keine Erfindung des 21. Jahrhunderts ist. Einen jüngeren Klassiker zum Thema, der allerdings im Gegensatz zu Roches Buch und ‘Lady Bitch Rays’ Inszenierungen über eine beeindruckende künstlerische Qualität und eine für den Boulevard inkompatible Form politischer Reflexion verfügt, hat Elfriede Jelinek bereits 1989 mit “Lust” vorgelegt.
Erstaunlich, in welch peinlicher Weise die damaligen und ‘natürlich’ männlichen Chefliteraturkritiker (Reich-Ranicki, Karasek, Busche) gegen die tapfere Sigrid Löffler den Text und seine Autorin denunzieren. Doch sehen Sie selbst:
Mir ist noch nicht klar, welcher Moment der peinlichste ist:
Jener, als Jürgen Busche auf Löfflers Satz “Die Sprache ist von Männern besetzt” den Kopf zur Seite wegdreht (Minute 1,13)?
Jener, als Hellmuth Karasek im Versuch, differenziert zu argumentieren, mit seiner Frage “Wie unterscheidet sich die Sprache der Jelinek von dieser männlichen Sprache?” doch wieder in die Differenzfalle tritt?
Oder jener, als Marcel Reich-Ranicki sagt: “…sie erzählt oft sehr gut. Mich interessiert aber eine ganz andere Frage: (…) Wie funktioniert die Psyche einer Frau, die jeden Morgen für zwei oder drei Stunden sich an den Schreibtisch gesetzt hat, um wieder nur den Dreck zu beschreiben, wie eine Frau gequält wird von ihrem Mann?”
Und noch einmal Elfriede Jelinek: Die Literatur-Nobelpreisträgerin erklärt in einem Interview, warum Interviews von Schriftstellerinnen eigentlich dumm sind. Alle Kreter lügen, sagt ein Kreter. Schon in den 1990er Jahren war es weit gekommen mit der Literatur angesichts ihrer minorisierten gesellschaftlichen Situation. Ungünstig, wenn diejenigen, die Texte rezensieren, lieber plauschen als lesen. Doch lesen Sie selbst:
Ja, das ist eine vertrackte Sache mit den Interviews. Ursprünglich wollte ich einfach den Leuten wirklich was erklären, damit sie meine Sachen besser verstehen sollen, ganz naiv, mit diesem 68er didaktischen Impetus, den wir damals alle draufhatten. Dann habe ich gemerkt, daß das nicht geht, weil Weiterlesen »
5.8.2010, 11 Uhr, Warschau (Polen), XII. Kongress der Internationalen Vereinigung für Germanistik, Sektion: „Luxemburgistik im Spannungsfeld von Mehrsprachigkeit, Regionalität, Nationalität und Internationalität“
26.9.2010, Universität Göttingen, Tagung der Gesellschaft für interkulturelle Germanistik zum Thema "Re-Visionen. Kulturwissenschaftliche Herausforderungen interkultureller Germanistik"
Wenn Sie den zwei- bis dreimal im Jahr erscheinenden Newsletter zu Veröffentlichungen oder Aufritten von Thomas Ernst erhalten möchten, senden Sie einfach eine Mail mit dem Betreff "Newsletter" an
webmaster[at]thomasernst.net.