Die Erfindung der ‚Metropole Ruhr’ und ihre tödlichen Folgen. Plädoyer für einen Paradigmenwechsel im Ruhrgebiet nach der Katastrophe von Duisburg

Angesichts ihrer bestürzenden sozioökonomischen Lage haben sich die Ruhrgebietsstädte in den vergangenen Jahren zunehmend unter dem Marketinglabel ‚Metropole Ruhr’ vereint, das aus dem ökonomischen und politischen Diskurs auch sehr erfolgreich in den medialen und künstlerischen Diskurs hineingewuchert ist. Das Konzept, die 53 Städte des Ruhrgebiets unter einem griffigen Etikett zu vereinen, das möglichst bald auch auf den Atlanten des Auslands erscheinen und die anderen deutschen Ballungszentren wie Berlin, Hamburg, München oder den Rhein-Main-Raum überstrahlen sollte, erfordert für seine Durchsetzung natürlich auch diskursive Ereignisse mit internationaler Ausstrahlung. Das Jahr als ‚Europäische Kulturhauptstadt 2010′ ist in diesem Sinne ein Glücksfall für die Ruhr-Region, ebenso schien es die erfolgreiche Anwerbung der ‚Loveparade’ zu sein, die in Berlin partout nicht mehr durchführbar war und 2007 in Essen und 2008 in Dortmund erfolgreich stattfand.
Allerdings schrieb Erik Reger bereits 1929 über die Kulturpolitik an der Ruhr: „Man läuft hinter den Größen der Vergangenheit mit Superlativen der Bewunderung her, man erkennt nicht, wie destruktiv es ist, von einer alten Tradition zu zehren, ohne eine neue zu schaffen.” Dies trifft erstens für die Reaktivierung des Metropolenbegriffs zu, der vor allem im 19. Jahrhundert für Zentren mit kultureller Leitfunktion wie Paris seine Berechtigung hatte, aber in keinster Weise sinnvoll auf das Ruhrgebiet des 21. Jahrhunderts appliziert werden kann. Ich habe dies schon im letzten Jahr bei einem Vortrag über die ‚Nicht-Metropole Ruhrgebiet’ ausführlich begründet, der in Kürze als Aufsatz veröffentlicht wird (die Audioversion ist bereits online; die relevantesten Ausführungen zur Kritik der ‚Metropole Ruhr’ finden sich im 1. Teil, vor allem ab 9:27 Min., Erläuterungen zu Alternativen im 2. Teil). Auch kritische Journalisten und Aktivisten wie die Ruhrbarone, die Herausgeber der Pop-Protokolle aus dem Ruhrgebiet oder die AG Kritische Kulturhauptstadt haben in unterschiedlicher Weise das gigantomanische und vor allem auf die ökonomischen Interessen der darbenden Ruhrgebietsstädte ausgerichtete Konstrukt der ‚Metropole Ruhr’ fundamental kritisiert.
Zweitens trifft Regers 81 Jahre altes Verdikt auch auf die Adaption der Loveparade zur Stilisierung des Ruhrgebiets zu einer jugendlichen und weltoffenen ‚Metropole’ zu. Als die Loveparade ins Ruhrgebiet kam, hatte sie ihre innovative Phase schon lange hinter sich und war sie zu einer Werbeveranstaltung für die Marke ‚McFit’ geworden. Auch ihr Gründer, Dr. Motte, kritisiert retrospektiv, dass die Loveparade „nur noch der kommerziellen Verwertung und der Werbung für eine Marke dient. Da wurde die Marke Love Parade zum Steuerabschreibungsmodell. Mensch und Kultur bleiben auf der Strecke.”

Die bankrotten Ruhrgebietsstädte und die Kommerzialisierung ihrer Kultur

Nun ist Dr. Motte zwar ein problematischer Gewährsmann, wenn es um die Qualität von Kunst und ihre politische Relevanz geht (die erste Loveparade stand 1989 unter dem Motto „Friede, Freude, Eierkuchen”), aber er weist auf ein fundamentales Problem des Ruhrgebiets hin: Weiterlesen »

Culturele hoofdstad van Europa: Het Ruhrgebied in de literatuur

In 2010 zijn het Ruhrgebied en Istanbul de twee culturele hoofdsteden van Europa. Op Radio Klara zwerft het programma Babel een week door het Ruhrgebied, zijn geschiedenis en zijn cultuur. Op donderdag 24 juni heb ik een interview gegeven rond het Ruhrgebied in de literatuur. In de woorden van Babel “praten we met literatuurwetenschapper Thomas Ernst, afkomstig uit het Ruhrgebied maar ondertussen verhuisd naar Brussel. Hij brengt de leukste boeken over zijn geboortestreek mee.”
Ik werd door Radio Klara uitgenodigd naar aanleiding van mijn twee boeken over het ruhrgebied in de literatuur, Europa erlesen: Ruhrgebiet (2009) en Das Schwarze sind die Buchstaben. Das Ruhrgebiet in der Gegenwartsliteratur (2010). In december 2010 zal ik - samen met Prof. Dr. Dieter Heimböckel - aan de Université du Luxembourg een conferentie rond het onderwerp Europäische Kulturhauptstädte interkulturell. Luxemburg und die Großregion (2007), das Ruhrgebiet (2010) und Istanbul (2010) organiseren.
Precies een maand later mocht ik al opnieuw uitleg komen geven, deze keer op een zaterdag in De kunstkaravaan waar het heette: “Thomas Ernst gidst ons door begeesterende plekken en boeken in het Ruhrgebied.” U vindt opnames van de twee interviews en links naar meer informatie rond het Ruhrgebied beneden!

INTERVIEWS OP RADIO KLARA:

DE VOLLEDIGE PROGRAMMA’S OP RADIO KLARA

MEER MATERIAAL OM TE LEZEN EN TE BELUISTEREN:

Bericht aus Brüssel (4): Belgien übernimmt die Ratspräsidentschaft der Europäischen Union - doch wie lange wird es Belgien noch geben?

In wenigen Tagen, ab dem 1. Juli 2010, wird Belgien die Ratspräsidentschaft der Europäischen Union übernehmen - allerdings in seiner größten Krisenphase der letzten Dekaden. Bizarrerweise lassen sich die aktuellen Probleme Belgiens auch auf etliche Grundsatzfragen der Europäischen Union selbst beziehen, die sich als höchst fragiles und diffiziles politisches Gebilde - idealiter - um die Herstellung von Einheit unter größtmöglicher Bewahrung von Vielheit bemüht. Die sprachlichen, politischen und ökonomischen Kulturen der EU-Mitgliedsstaaten sind so verschieden, dass es mitunter selbst für interessierte und weltoffene Köpfe äußerst schwer ist, schon die politische Kultur des jeweiligen Nachbarlandes halbwegs zu verstehen. Als Deutscher, der nun schon seit einigen Jahren in Brüssel lebt, kann ich beispielsweise über die mediale Panik, die das neue deutsche Fünf-Pateien-System (neben SPD, Union, Grünen und FDP hat sich Die Linke etabliert) oder die jüngste Ankündigung, dass Nordrhein-Westfalen eine Minderheitsregierung erhalten werde, nur müde schmunzeln. In Belgien sind die Verhältnisse schon seit Jahren deutlich komplexer und unüberschaubarer, dennoch besteht dieser Staat inzwischen auch bereits 180 Jahre.

Belgien und sein multilinguales und komplexes politisches System

In den letzten Jahren mehren sich allerdings die Stimmen, die ein Ende des belgischen Staates beschreien, denn die unterschiedlichen Sprachengruppen - vor allem die niederländischsprachigen Flamen und die französischsprachigen Wallonen - hätten sich mehr und mehr auseinanderentwickelt. Während ich beispielsweise die weltoffene Vielsprachigkeit der Einwohner Luxemburg immer wieder mit Begeisterung erlebe, stehen sich diese beiden sehr auf sich selbst fixierten Sprachgemeinschaften Belgiens immer feindlicher gegenüber, wobei auch das offiziell zweisprachige Brüssel und die kleine deutschsprachige Gemeinschaft im Osten des Landes die immer tieferen Gräben zwischen Flamen und Wallonen kaum mehr zuschütten können. Doch dazu später mehr, gönnen Sie sich - so Sie sich noch nicht in der ebenso faszinierenden wie absurden sprachlichen und politischen Struktur Belgiens auskennen - eine kleine und größtenteils sehr zutreffende Dokumentation:

Die jüngsten Regierungskrisen in Belgien seit 2008

Der Konflikt zwischen Flamen und Wallonen hat sich nun in den letzten Jahren unter anderem in einem ständigen Scheitern der föderalen Regierungen niedergeschlagen, deren Bildung sich bereits als sehr schwierig erwies, da das gesamte Parteispektrum (Christdemokraten, Sozialdemokraten, Liberale und Grüne etc.) jeweils in einer flämischen und einer wallonischen Version existieren und es daneben noch einige wechselhaft erfolgreiche nationalistische bzw. rassistische bzw. separatistische Parteien gibt (Nieuw-Vlaamse Alliantie und Vlaams Belang auf flämischer Seite). Nachdem Belgien zwischen 1981 und 2008 mit Wilfried Martens, Jean-Luc Dehaene und Guy Verhofstadt nur drei Premierminister benötigte, traten in den letzten beiden Jahren gleich drei Premierminister (2008: Yves Leterme I, 2009: Herman Van Rompoy, 2010: Yves Leterme II) aus sehr unterschiedlichen Gründen aus dem Amt. Die durch den letzten Rücktritt des Flamen Leterme, der anstelle der belgischen Nationalhymne „Brabançonne” auch schon einmal gerne die französische „Marseillaise” sang, ausgelöste Krise sollte nun durch die jüngsten Wahlen am 13. Juni 2010 gelöst werden.

Flämische Separatististen und wallonische Sozialdemokraten als Sieger der Wahlen vom 13. Juni 2010 - eine paradoxe Ausgangssituation für die Regierungsbildung

Das Votum der Belgier hat den Staat jedoch erneut in eine nahezu paradoxe Situation geführt Weiterlesen »

„Die bislang beste Ruhrgebiets-Anthologie“

Vor drei Monaten erschien der von Florian Neuner und mir herausgegebene Sammelband Europa erlesen: Ruhrgebiet – und bislang sind wir über die Reaktionen auf unser Buch sehr erfreut! Heute erschien beispielsweise eine Rezension in der Westdeutschen Allgemeinen Zeitung, in der Jens Dirksen unseren Band hervorhebt, denn es handele sich um
„die bislang beste Ruhrgebiets-Anthologie. (…) Die Spannbreite umfasst (…) ungewöhnlich viele Jahrhunderte, die Auswahl ist so sorgfältig wie originell.”
Daneben schaffte es der Band bereits auf die Aufmacherseite des Feuilletons der Frankfurter Rundschau; Christian Thomas schrieb dort am 27.1.2010 über
„eine literarische Anthologie, in der sich die Beschaffenheit einer Region verdichtet. Geistige Topografie könnte hier nicht stärker zerklüftet sein, zwischen Selbstzerknirschung und Größenwahn. (…) Ruhrgebiet, und das ist doch wirklich angemessen, wird (…) auf mentalen Reichtum alliterarisiert.”
Und es gibt noch weitere positive Rezensionen: Weiterlesen »

Deutschlandbilder: Missglückte Multilingualität

Dafür sind deutsche Reisende im Ausland berüchtigt: Dass sie sich sich lautstark in Dinge einmischen, die sie besser nicht interessieren sollten. Hier machen sie aus einem völlig korrekten niederländischen ‚Dank U’ ein deutsches ‚Danke’, weil sie sich offenbar nicht vorstellen können, dass neben dem Deutschen es auch andere Sprachen gibt.Brüssel, Redaktionsräume der Tageszeitung De Morgen, Oktober 2004

Brüssel, Redaktionsräume der Tageszeitung De Morgen, Oktober 2004

Pierre Legendre und die Zivilisation des Interpreten

Während die Namen von Deleuze, Derrida oder Foucault an den deutschen Universitäten inzwischen äußerst geläufig sind, sind andere französische Denker von Gewicht noch nahezu unbekannt. Vom 79jährigen Psychoanalytiker und Rechtshistoriker Pierre Legendre liegen in deutscher Übersetzung bislang nur wenige Schriften vor, am bekanntesten wurde seine kurze Abhandlung Die Fabrikation des abendländischen Menschen. Mit seiner ‘dogmatischen Anthropologie’ entwickelt Legendre ein Theoriegebäude, dessen große Thesen ebenso faszinierend sind wie auch zum Widerspruch und Weiterdenken anleiten. Zentral stehen in seinem Werk die Macht der Schriftzeichen und die Reflexion über Gesetz und Gesetzgeber, die erst den abendländischen Menschen produzieren:

“Den Menschen zu fabrizieren, heißt ihm die Grenze anzugeben. Weiterlesen »

Multilingual Interventions. The Position of Literary German in Multilingual Belgium and Luxembourg

In der vergangenen Woche war ich auf der Konferenz (Multi-)lingual interventions. A comparative view on contemporary migration literature in Scandinavia and the Benelux, die an der Universiteit Gent stattfand und von Prof. Dr. Wolfgang Behschnitt organisiert wurde. Ich sprach dort zum Thema Minor Literatures? The Position of Literary German in Multilingual Belgium and Luxembourg, setzte mich dabei kritisch mit dem Konzept der littérature mineure von Gilles Deleuze und Félix Guattari auseinander und präsentierte Lektüren von Texten von Roger Manderscheid und Freddy Derwahl.

Für 2010 ist nun die Veröffentlichung eines Bandes geplant, der die unterschiedlichen literarischen Auseinandersetzungen mit Identität, Sprache und Migration in Skandinavien und den BeNeLux-Ländern komparatistisch untersuchen wird. Mehr dazu hoffentlich im kommenden Jahr!

Das Buch: Europa erlesen: Ruhrgebiet

In dieser Woche werde ich - gemeinsam mit dem Mitherausgeber Florian Neuner - das frisch erschienene Buch Europa erlesen: Ruhrgebiet in Essen (27.10., Heinrich-Heine-Buchhandlung) und in Bochum (30.10., Haus der Geschichte des Ruhrgebiets) präsentieren. Wir freuen uns sehr, dass der Wieser Verlag uns diese Veröffentlichung anvertraut hat, und sind mit den 68 von uns ausgewählten Texten von Autoren wie Heinrich Böll, Bertolt Brecht, Heinrich Heine, Eckhard Henscheid, Richard Huelsenbeck, Thomas Kapielski, Alexander Kluge, Georg Kreisler, Ferdinand Kriwet, Eva Kurowski, Jürgen Link, Waltraud Seidlhofer, Dezső Tandori, Walther von der Vogelweide, Wolfgang Welt u.v.a.m. vollauf zufrieden. Weiterlesen »

Conference report: Collective Creativity (Sydney/Australia, July 2009)

From July, 23rd to 26th, I have been to Sydney/Australia, to the Sydney German Studies Symposium 2009 on Collective Creativity, organized by Gerhard Fischer and Florian Vaßen, where I met colleagues from Germany like Rolf G. Renner and Inge Stephan and colleagues from abroad like Axel Fliethmann, Ulrike Garde, Alison Lewis, Andrew McNamara or Christiane Weller. The conference report, which I collaborated on, has meanwhile been put online on h-soz-kult.

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Downloads: “Vlaanderen - een inburgeringscursus” (Passa Porta Festival 2009)

Vorig weekend heeft de tweede editie van het Passa Porta Festival in Brussel plaats gevonden en achtduizend bezoekers aangetrokken. Op dit festival mocht ik - als lid van de ‘masterclass’ Vers bloed - mijn eerste literaire lezing in het Nederlands geven. Het programma werd gepresenteerd door Hai-Chay Jiang en Benno Barnard, onder de toeschouwers was onder meer Carlo Van Baelen, de directeur van het Vlaams Fonds voor de Letteren. Als documentatie van onze werken en ons optreden vinden jullie op deze pagina

De kwaliteit van de video- en audiobestanden is weliswaar niet optimaal maar ze geven een goede indruk van de tekst. Bedankt bij alle Vers bloeders, Passa Porta en mijn vriendinnen en vrienden voor de steun! Meer over Nederlandstalige publicaties en projecten volgt hopelijk binnenkort op deze pagina!