How bizarr: Bier, Geschlechterstereotypen und wunderliche Syllogismen

1. Ich halte es für wichtig, jede Form von Geschlechterstereotypen zu unterminieren, da sie die Aufrechterhaltung patriarchaler Machtstrukturen unterstützen. Auch die Reproduktion von Geschlechterstereotypen in Videoclips und Werbebotschaften ärgert mich enorm.
2. Heineken ist kein gutes Bier. Eine Begründung mag sein: „es schmeckt wirklich jedermann“ (Gilbert Delos). Auch die Bier-Theoretiker Michael Rudolf und Jürgen Roth bestätigten in ihrem Bier-Lexikon: „das dürfte das Problem sein“.
3. Dennoch finde ich den unten stehenden Werbespot von Heineken, der in übelster Weise Geschlechterstereotype reproduziert, phänomenal. Wie man das nun zu einem funktionierenden Syllogismus umbiegt, wüsste ich selber gerne (Vorschläge nehme ich wissbegierig entgegen). Doch sehen Sie selbst:

Versäumen Sie auch nicht den Nachfolgeclip, in dem der Walk-in-Fridge zum Walkin’ Fridge mutiert. Na denn, Prost!

“SUBversionen. Zum Verhältnis von Politik und Ästhetik in der Gegenwart” - das Buch online lesen

Zwar weiß ich nicht, wie sich die Debatte um die ‚Datenkrake’ Google und ihren Zugriff auf das ‚geistige Eigentum’ im Bereich der Buchkultur in Zukunft entwickeln wird, aber für die folgende Information ist dieser größere und zweifelsohne spannende Kontext zunächst einmal irrelevant:
Aktuell ist unser Sammelband SUBversionen. Zum Verhältnis von Politik und Ästhetik in der Gegenwart. Der Band wurde in Medien wie DeutschlandRadio Kultur, Das Argument oder Malmoe als „qualitativ hochwertig”, „sehr einsichtig”, „spannend” und „fundiert” bewertet.
Viel Freude bei der Lektüre!

Een Eva die Gustav heet en een ‘Abgesang’ op ‘Wintervögelchen’

Gisteren heb ik het stuk Wintervögelchen van Jan Decorte op het theaterfestival ´09 in Brussel gezien. Het stuk was: Naja.

Maar een ontdekking was wel het beginnende lied van Gustav waarachter Eva Jantschitsch uit Wenen staat die - naar haar vaders wil - eigenlijk een „Gustav” en dus een man had moeten worden. In Abgesang zingt Gustav:

ich habe beschlossen
ich gehe konform
ich stelle mich richtig
und entspreche der norm

Downloads: Ingeborg Bachmann: Mit dem Gesicht auf der brennenden Herdplatte

Zu Ingeborg Bachmanns 80. Geburtstag lud mich die Redaktion von jetzt.de ein, für die nachwachsende Leserschaft der Süddeutschen Zeitung ein kleines Portrait der großen Autorin zu schreiben. Somit erfreute ich mich noch einmal an einigen Texten der Namensgeberin des Ingeborg-Bachmann-Preises, durch dessen strenge Inszenierungen der deutschsprachige Literaturnachwuchs jährlich zurechtgequetscht wird. Besondere Freude macht mir noch immer ihr Roman Malina:

In Malina erzählt eine weibliche Ich-Erzählerin, die zwischen den Männern Ivan und Malina steht, vom Scheitern ihrer Bemühungen, innerhalb der Ordnungsmuster einer von Männern beherrschten Welt eine eigene Identität zu entwickeln. Am Ende heißt es: ‚Ich muß aufpassen, daß ich mit dem Gesicht nicht auf die Herdplatte falle, mich selber verstümmle, verbrenne, Weiterlesen »

Subversion - Eine kleine Diskursanalyse eines vielfältigen Begriffs

Das Journal Psychologie & Gesellschaftskritik hat mich gebeten, für sein Heft zum Thema “Subversion” (Nr. 128/2008) einen einführenden Aufsatz zum Begriff der Subversion zu schreiben. Dieser ist inzwischen unter dem Titel Subversion - Eine kleine Diskursanalyse eines vielfältigen Begriffs auf 26 Seiten des Journals erschienen. Mein Beitrag basiert auf einigen Ergebnissen meiner Dissertation zum Thema Pop, Minoritäten, Untergrund. Subversive Konzepte in der deutschsprachigen Gegenwartsprosa, die 2009/2010 erscheinen wird und sich noch einmal ausführlicher und detaillierter mit dem Begriff der Subversion beschäftigt.

Mein aktueller Beitrag Weiterlesen »

Marcel Reich-Ranicki, Thomas Gottschalk, Helge Schneider und die Debatte um das Fernsehen

Als dem Literaturkritiker Marcel Reich-Ranicki am 11. Oktober 2008 der Deutsche Fernsehpreis für sein Lebenswerk, zu dem u.a. die Literatursendung Das literarische Quartett gehört, verliehen werden sollte, lehnte er diesen ab mit den Worten:

Ich nehme diesen Preis nicht an (…) und finde es auch schlimm, dass ich hier vier Stunden das erleben musste. Es gibt ja Abende, die man ganz schön erlebt: (…) Man kann im Arte-Programm manchmal sehr schöne, wichtige Sachen sehen. Ich habe auch früher Wichtiges im 3Sat-Programm gesehen. Aber das hat sich jetzt geändert, meist kommen da schwache Sachen. Aber nicht der Blödsinn, den wir hier zu sehen bekommen haben.

Da schauten Sie ziemlich dumm aus der Wäsche, die Betriebsbuchsen Jenny Elvers-Elbertzhagen, Veronika Ferres, Ingolf Lück, Marco Schreyl, Johannes B. Kerner und natürlich der Moderator und Laudator Thomas Gottschalk. Doch sehen Sie selbst:

Als Effekt dieses ‘Eklats’ fand gestern unter dem Titel Aus gegebenem Anlass im ZDF ein Gespräch zwischen Reich-Ranicki und Gottschalk statt, während sich unterdessen alle Feuilletons in verschärfter Kritik der (öffentlich-rechtlichen) Fernsehprogramme geübt haben. Doch inwiefern treten diese Kritikversuche allesamt ins Leere, da sie den Formen des Mediums verhaftet bleiben? Und wie ließe sich eine wirklich Subversion des Mediums inszenieren, die auf überraschende Weise seine Standardisierungen unterliefe und nicht bloß hilflos an verlorene bildungsbürgerliche Ideale appellierte? Ein paar kleine Kommentare zu den Protagonisten Gottschalk, Reich-Ranicki (beide freiwillig), Helge Schneider (unfreiwillig) und dem Medium Fernsehen (superwillig):

Thomas Gottschalk, der neuerdings auch als Beiträger zur Frankfurter Anthologie der FAZ zu reüssieren versucht und am 13. September 2008 Joseph von Eichendorffs Gedicht An Görres in einer Weise besprach, die ohne Änderung in die verhohnepiepelnde Offenbacher Anthologie des Satiremagazins Titanic hätte übernommen werden können, spielte seine Gastgeberrolle ziemlich perfekt und mühte sich erfolgreich, den ausgescherten ‘Chefkritiker’ sobald als möglich wieder in das System zu integrieren: Weiterlesen »

Literaturwissenschaft als Kulturwissenschaft: Franziska Schößler

Seit einigen Dekaden ist es nicht mehr so, dass das geistige Zentrum der deutschen Gesellschaft von einem Kanon ‚schöner Literatur’ entscheidend mitbestimmt würde. Heute lohnt es sich eher zu fragen: Was ist eine ‚deutsche Gesellschaft’ überhaupt? Wo liegen ihre Grenzen? Wohin ist das ‚geistige Zentrum’ verschwunden? Und welchen Stellenwert hat das Medium Literatur überhaupt noch?

Seit den 1970er Jahren hat somit auch die germanistische Literaturwissenschaft ihren gesellschaftlichen Stellenwert verloren, sie befindet sich in einer Dauerkrise. Während die einen sich auf die Residuen bildungsbürgerlicher Vorstellungen zurückziehen, bemühen sich die anderen um die Öffnung und – wenn man so will – Aktualisierung der Literaturwissenschaft hin zu den Kultur- und/oder Medienwissenschaften. In diesem Zusammenhang hat die Trierer Germanistik-Professorin Franziska Schößler Weiterlesen »

Projekt: Gegenwartsliteratur und Gender Studies

Für einen Sammelband der Universität Luxemburg entsteht momentan ein Aufsatz, der unter dem Arbeitstitel Zwischen Sexismen und Kategorienkrisen. De- und Rekonstruktionen der Geschlechterkategorien in der deutschsprachigen Gegenwartsprosa steht. Darin beziehe ich mich auf theoretische Ansätze von Judith Butler, Marjorie Garber und Barbara Vinken und zeige an einigen Beispielen der deutschsprachigen Gegenwartsprosa, wie Weiterlesen »

Lust, Feuchtgebiete und ‘Bitches’

Während sich die Feuilletons und die Boulevardpresse über die “Feuchtgebiete” von Charlotte Roche oder die Selbstinszenierungsstrategien von ‘Lady Bitch Ray’ echauffieren, wird gerne übersehen, dass das offene Schreiben oder Sprechen über Sexualität und Körperflüssigkeiten nun wirklich keine Erfindung des 21. Jahrhunderts ist. Einen jüngeren Klassiker zum Thema, der allerdings im Gegensatz zu Roches Buch und ‘Lady Bitch Rays’ Inszenierungen über eine beeindruckende künstlerische Qualität und eine für den Boulevard inkompatible Form politischer Reflexion verfügt, hat Elfriede Jelinek bereits 1989 mit “Lust” vorgelegt.

Erstaunlich, in welch peinlicher Weise die damaligen und ‘natürlich’ männlichen Chefliteraturkritiker (Reich-Ranicki, Karasek, Busche) gegen die tapfere Sigrid Löffler den Text und seine Autorin denunzieren. Doch sehen Sie selbst:

Mir ist noch nicht klar, welcher Moment der peinlichste ist:

  • Jener, als Jürgen Busche auf Löfflers Satz “Die Sprache ist von Männern besetzt” den Kopf zur Seite wegdreht (Minute 1,13)?
  • Jener, als Hellmuth Karasek im Versuch, differenziert zu argumentieren, mit seiner Frage “Wie unterscheidet sich die Sprache der Jelinek von dieser männlichen Sprache?” doch wieder in die Differenzfalle tritt?
  • Oder jener, als Marcel Reich-Ranicki sagt: “…sie erzählt oft sehr gut. Mich interessiert aber eine ganz andere Frage: (…) Wie funktioniert die Psyche einer Frau, die jeden Morgen für zwei oder drei Stunden sich an den Schreibtisch gesetzt hat, um wieder nur den Dreck zu beschreiben, wie eine Frau gequält wird von ihrem Mann?”

Downloads: Subversion, Popliteratur, Literaturtheorie

Im Wintersemester 2007/08 habe ich an der Universität Trier vier literaturwissenschaftliche Seminare angeboten. In der jeweiligen Abschlusssitzung haben sich die - übrigens zumeist erfreulich motivierten und umgänglichen - Studierenden noch einmal zum Seminarthema positioniert. Ein Studierender äußerte sich beispielsweise über die Legitimationskrise der Literaturtheorien der Gegenwart:

Irritiert hat mich, dass die Literaturtheorien die Tendenz haben, sich selbst abzuschaffen, und dann in einem feierlichen Akt sich selbst wieder zu legitimieren.

Sie können sich zwei- bis vierminütige Auszüge zu den Seminarthemen Literatur als Subversion, Popliteratur und Literaturtheorien des 20. Jahrhunderts nun anhören, downloaden und für eigene Referate verwenden oder bearbeiten (unter Angabe der Quelle). Entschuldigen Sie bitte die wechselhafte und teilweise schlechte Tonqualität, wir haben mit einer bescheidenen Ausstattung gearbeitet!