Buchpräsentation “Verortungen der Interkulturalität” am 8.5.2012

Am Dienstag, 8. Mai 2012, um 19.30 Uhr, werde ich gemeinsam mit dem Mitherausgeber Prof. Dr. Dieter Heimböckel (Université du Luxembourg) und dem Beiträger Prof. Dr. Rolf Parr (Universität Duisburg-Essen) unser Buch Verortungen der Interkulturalität. Die Europäischen Kulturhauptstädte’ Luxemburg und die Großregion (2007), das Ruhrgebiet (2010) und Istanbul (2010) präsentieren. Dabei werden wir zunächst die wichtigsten Ergebnisse des Bandes präsentieren und fragen, wie das Kulturhauptstadtjahr ‚Ruhr.2010‘ retrospektiv zu bewerten ist. Danach besteht die Möglichkeit zur ausführlichen Diskussion der Frage, was nun eigentlich vom Kulturhauptstadtjahr ‚Ruhr.2010‘ geblieben ist. Die Veranstaltung findet statt in der Heinrich-Heine-Buchhandlung am Viehofer Platz 8 in Essen, der Eintritt ist frei.

Am Ende der Gutenberg-Galaxis und im Angesicht der ‚Netzintellektuellen‘: Günter Grass inszeniert noch einmal den ‚universellen Intellektuellen’

Unter dem Titel Vom universellen zum vernetzten Intellektuellen. Die Transformation einer politischen Figur im Medienwandel von der Literatur zum Internet habe ich gemeinsam mit dem Kollegen Dirk von Gehlen im September 2009 einen Beitrag für den Band Leitmedien veröffentlicht, in den wir wie folgt einführen:

„Im Februar 2000 erschien im Satiremagazin Titanic unter dem Titel Deutschland, Deine Dichter! eine Bild-Text-Collage, auf der Schwedens König Carl Gustav und Günter Grass, beide im Frack, bei der Überreichung des Literatur-Nobelpreises im Jahre 1999 an Günter Grass abgebildet sind. Sie reichen sich die Hand und verbeugen sich leicht voreinander. Doch während Grass euphorisch ‚Vielen, vielen Dank!‘ sagt, grummelt der schwedische König: ‚Laß endlich los, is´schon Februar.‘
Diese Collage spielt mit der allgemeinen Annahme, dass literarische Intellektuelle noch immer eine öffentliche Bedeutung beanspruchen, deren Zeit schon längst abgelaufen ist.”

Die aktuelle Debatte um Günter Grass‘ Gedicht Was gesagt werden muss ist aus dieser Perspektive wie eine postmortale Inszenierung des ‚universellen Intellektuellen‘ zu verstehen, die allerdings eine erstaunlich große Resonanz erhält. Das Arrangement ist erwartbar: Einflussreiche Medien (zunächst am 4.4.2012 El Paìs, La Repubblica und die Süddeutsche Zeitung) geben einem Denker, der sich auf dem literarischen Feld symbolisches Kapital erworben hat (im Fall Grass u.a. den Nobelpreis als höchste literarische Auszeichnung), die Gelegenheit, sich öffentlich zu einer politischen Frage zu äußern. Dieser nutzt zwar eine literarische Gattung (Lyrik), sein Text weist allerdings weniger literarästhetische Qualitäten als vielmehr die Form der politischen Rede auf.

Schon die Ankündigung des Textes in der Süddeutschen Zeitung scheint sich eher auf eine politische Meinungsäußerung als auf ein lyrisches Werk zu beziehen: „Günter Grass warnt [...] vor einem Krieg gegen Iran. In seinem Gedicht [...] fordert der Literaturnobelpreisträger deshalb, Israel dürfe keine deutschen U-Boote mehr bekommen.” Folglich kann Christoph Sydow auf Spiegel Online unter dem Titel So falsch liegt Günter Grass das Gedicht in acht politische Thesen ‚übersetzen‘, die „im Faktencheck” auf ihre Richtigkeit hin kontrolliert werden (Ergebnis: drei Thesen sind richtig, zwei falsch, drei unklar bzw. unentscheidbar). Die literarische Form regrediert hier zur weder innovativen noch anspruchsvollen Camouflage einer ‚gewagten‘ politischen Äußerung. Weiterlesen »

Perspektiven emanzipatorischer Bildungs- und Forschungsförderung - und die Frage nach Kultur und Emanzipation

Die Ergebnisse der Promovierendenkonferenz 2003 der Hans-Böckler-Stiftung sind inzwischen online als PDF einsehbar. Im Kern der Promovierendenkonferenz wie auch im Kern der Veröffentlichung steht die Frage nach den Perspektiven der Bildungs- und Forschungsförderung der Hans-Böckler-Stiftung. Sie finden hierzu auf den Seiten 49 bis 56 die Ausführungen der Leitungskollektivs der Promovierenden, in dem ich damals mitgearbeitet habe.

Ein eigener und vor allem von mir zusammengestellter Bereich beschäftigt sich mit der Frage nach Kultur und Emanzipation - hier finden Sie Beiträge von

  • Christoph Hesse zum Bereich ‚Film‘ (S. 75-88)
  • Donna P. Nick zum Bereich ‚Science Fiction‘ (S. 89-96)
  • Nadja Sennewald zum Bereich ‚Literatur‘ (S. 97-102)
  • sowie von mir selbst (S. 69-74 + 103-108).

Zum neuen Jahr 2011: Die Schriftsteller, der Staat und der Widerstand

Im neuen Jahr wird meine Dissertationsschrift mit dem Titel Literatur und Subversion. Politisches Schreiben in der Gegenwart erscheinen, die sich der alten Frage nach der gesellschaftlichen und politischen Relevanz der Literatur und von Autorschaftsinszenierungen nach dem Ende des ‚Kalten Krieges‘ neu stellt. Dass die Auseinandersetzungen zwischen Schriftstellern und den staatlichen Instanzen nicht nur symbolischen Charakter besitzen, sondern „von den Protagonisten”, so Pierre Bourdieu, „durchaus als Fragen um Leben oder Tod erlebt werden”, davon mag ein ebenso kleiner wie dramatischer Videoclip aus dem Jahre 1981  (also aus den Vor-Wende-Zeiten mit klareren Frontverläufen, die heute weit entfernt scheinen) zeugen, in dem der Autor Thomas Brasch aus den Händen des damaligen bayrischen Ministerpräsidenten Franz-Josef Strauß den Bayrischen Filmpreis in Höhe von 50.000 DM entgegennimmt. In seiner Rede verteidigt sich Brasch gegen die Angriffe seiner KollegInnen, einen solchen Pakt mit den Herrschenden einzugehen:

„Der Widerspruch [eines Autors, T.E.], der mit dem Geld des Staates arbeitet und den Staat angreift, der den subversiven Außenseiter zum Gegenstand seiner Arbeit macht und sich selbst zur gleichen Zeit zu einem Komplizen der Macht, [ist] ein entscheidender. Er ist der Widerspruch der Künstler im Zeitalter des Geldes schlechthin - und er ist nur scheinbar zu lösen.”

Doch sehen Sie selbst (besonders ab 2:20 Min.):

Einerseits beeindruckt Brasch tatsächlich Weiterlesen »

“Europäische Kulturhauptstädte interkulturell”: Konferenz-Ergebnisse, Online-Vorträge und Tagungsband

Konferenz Europaeische Kulturhauptstaedte interkulturell

"Europäische Kulturhauptstädte interkulturell" - die Vortragenden

Die von Prof. Dr. Dieter Heimböckel und mir an der Université du Luxembourg organisierte Konferenz zum Thema Europäische Kulturhauptstädte interkulturell. Luxemburg und die Großregion (2007), das Ruhrgebiet (2010) und Istanbul (2010) war äußerst erfreulich. Die Vorträge von Dr. Wilhem Amann (Luxemburg), Prof. Dr. Volker Dörr (Düsseldorf), Dr. Thomas Ernst (Duisburg-Essen), Prof. Dr. Deniz Göktürk (Berkeley), Prof. Dr. Simon Güntner (Hamburg), Prof. Dr. Dieter Heimböckel (Luxemburg), Frank Hoffmann (Luxemburg), Prof. Dr. Sonja Kmec (Luxemburg), Dr. Jürgen Mittag (Bochum), Prof. Dr. Rolf Parr (Duisburg-Essen), Dr. Achim Prossek (Dortmund), Hans Sakkers (Utrecht) und Prof. Dr. Haci-Halil Uslucan (Duisburg-Essen) (siehe in dieser Reihenfolge auch auf den Fotos rechts) wurden interessiert aufgenommen und boten zahlreiche Ausgangspunkt für spannende und lehrreiche Diskussionen. Die meisten Vorträge werden in einem Tagungsband dokumentiert, der Mitte 2011 als erster Band der neuen Reihe Interkulturalität. Studien zu Sprache, Literatur und Gesellschaft im transcript Verlag Bielefeld erscheinen wird (Reihenherausgeber: Prof. Dr. Andrea Bogner und Prof. Dr. Dieter Heimböckel).
Vorläufig kann man meines Erachtens drei generelle Erkenntnisse zum Komplex der Europäischen Kulturhauptstädte und ihrer Interkulturalität, die sich durch die meisten Vorträge gezogen haben, festhalten:

1. Alle Europäischen Kulturhauptstädte sind (allerdings in unterschiedlichen Weisen und Graden) gescheitert.

Während die Konzeption der Europäischen Kulturhauptstädte in der EU darauf zielt, die europaweite Vernetzung urbaner Räume zu fördern und einzelnen Städten und Ballungsgebieten einen Imagewechsel zu ermöglichen, lässt sich nahezu kein Beispiel benennen, bei dem dieses Ziel wirklich nachhaltig erreicht wurde. Im Idealfall blieben vor Ort kleine Initiativen nachhaltig, weshalb es wichtig erscheint, zumindest auf lokaler Ebene ein Kulturbüro zu installieren, das in der Nachfolge des Kulturhauptstadtjahres junge und avancierte Projekte weiterhin fördert.

Weiterlesen »

Helden der Arbeit (4): Uwe Wöllner

Nach Griechenland ist nun auch Irland ziemlich pleite; andere Länder wie Spanien oder Portugal werden wohl die nächsten Krisenopfer sein, manche reden bereits vom Ende des Euro. Bizarr, dass die Bundesrepublik Deutschland in der Europäischen Union noch als solides Vorzeigebeispiel gilt, wo sie aktuell einen Gesamtschuldenstand von etwa 1.850.000.000.000,00 € verzeichnet. Wer glaubt ernsthaft, dass das jemals ohne einen heftigen Crash noch abtragbar ist?

Aber glücklicherweise gibt es den Ökonomie- und Computerspiel-Experten Uwe Wöllner (aka Christian Ulmen), der uns die Welt und in diesem Falle die ‘Finanzkrise’ einleuchtend erklärt. Oder etwa nicht?

Doch sehen Sie selbst:

In Gedenken an Martin Büsser

Heute wird mein Kollege Martin Büsser begraben, der mit nur 42 Jahren an einer Krebserkrankung verstorben ist. Zukünftig muss ich einen Kollegen vermissen, der zweifelsohne einer der wenigen Guten war, an deren ebenso verbindlicher wie kritischer Haltung man selbst eine Orientierung in den Wirren des Lebens finden konnte, ohne dass sich Martin auch nur ansatzweise als starke Figur inszeniert hätte, der zu folgen sei. In zweiter Linie werde ich ihn dankbar erinnern als einen ebenso weitläufig vernetzten wie uneitlen Freund, ohne dessen Kontakte zum damals noch in Hamburg angesiedelten Rotbuch-Verlag ich mein „Popliteratur”-Büchlein vermutlich nie geschrieben hätte, da eigentlich Martin vom Verlag als Autor vorgesehen war, er aber wiederum der Meinung war, dass ich diesen Text schreiben solle und mich folglich an seiner Statt dem Verlag vorschlug. Da dieses kleine Büchlein in einer Phase meines Lebens eine zentrale Rolle spielte, wäre meine Biografie ohne ihn wohl anders verlaufen.

Wer Martin Büsser und sein unkorrumpiertes Engagement noch einmal virtuell sehen möchte, kann sich beispielsweise den Beitrag aus der 3Sat-Kulturzeit zur Initiative „I Can’t Relax in Deutschland” von 2005 ansehen, an der sich Martin natürlich federführend beteiligt hat:

Zuletzt war ich intensiv in Kontakt mit ihm, Weiterlesen »

Liminal Spaces in Tel Aviv

Good news! I got an invitation of the Minerva Institute for German History in Tel Aviv to give a presentation during their conference on Germany and its Neighbors - Borders, Identities, Relations that will take place on February 13-14, 2011.

In Tel Aviv, I will speak on “The Position of German in Multilingual Belgium and Luxembourg. Reflections on Liminal Spaces and the Connotations of Languages”. The presentation will be a kind of aftermath of my postdoc-project at the University of Luxembourg. I am looking forward to my first visit to Israel!

De mythe van de ‘Metropool Ruhr’. Een vertaalde versie van mijn opiniestuk over Duisburg en de Loveparade in ‘De Morgen’

Mijn persoonlijke poging om de ramp van Duisburg te verwerken, die ik uiteindelijk op mijn blog heb gezet, werd ondertussen ook in Vlaanderen met interesse ontvangen. Een vertaalde en ingekorte versie van mijn tekst vulde eergisteren een hele pagina van De Morgen in de rubriek ‘de gedachte’. Aan het einde van die tekst klinkt het:

“Sinds zaterdag is de drievuldigheid ‘Metropool + Mega-evenement + Centrum’ verleden tijd voor het Ruhrgebied. En de toekomst ligt misschien besloten in de drievuldigheid ‘Netwerk + Kunst + Verscheidenheid’, die hoe dan ook veel beter past bij de 21ste eeuw. Maar wat de toekomst ook brengen mag, 21 mensen zullen het niet meer beleven.”

Die Erfindung der ‚Metropole Ruhr’ und ihre tödlichen Folgen. Plädoyer für einen Paradigmenwechsel im Ruhrgebiet nach der Katastrophe von Duisburg

Angesichts ihrer bestürzenden sozioökonomischen Lage haben sich die Ruhrgebietsstädte in den vergangenen Jahren zunehmend unter dem Marketinglabel ‚Metropole Ruhr’ vereint, das aus dem ökonomischen und politischen Diskurs auch sehr erfolgreich in den medialen und künstlerischen Diskurs hineingewuchert ist. Das Konzept, die 53 Städte des Ruhrgebiets unter einem griffigen Etikett zu vereinen, das möglichst bald auch auf den Atlanten des Auslands erscheinen und die anderen deutschen Ballungszentren wie Berlin, Hamburg, München oder den Rhein-Main-Raum überstrahlen sollte, erfordert für seine Durchsetzung natürlich auch diskursive Ereignisse mit internationaler Ausstrahlung. Das Jahr als ‚Europäische Kulturhauptstadt 2010′ ist in diesem Sinne ein Glücksfall für die Ruhr-Region, ebenso schien es die erfolgreiche Anwerbung der ‚Loveparade’ zu sein, die in Berlin partout nicht mehr durchführbar war und 2007 in Essen und 2008 in Dortmund erfolgreich stattfand.
Allerdings schrieb Erik Reger bereits 1929 über die Kulturpolitik an der Ruhr: „Man läuft hinter den Größen der Vergangenheit mit Superlativen der Bewunderung her, man erkennt nicht, wie destruktiv es ist, von einer alten Tradition zu zehren, ohne eine neue zu schaffen.” Dies trifft erstens für die Reaktivierung des Metropolenbegriffs zu, der vor allem im 19. Jahrhundert für Zentren mit kultureller Leitfunktion wie Paris seine Berechtigung hatte, aber in keinster Weise sinnvoll auf das Ruhrgebiet des 21. Jahrhunderts appliziert werden kann. Ich habe dies schon im letzten Jahr bei einem Vortrag über die ‚Nicht-Metropole Ruhrgebiet’ ausführlich begründet, der in Kürze als Aufsatz veröffentlicht wird (die Audioversion ist bereits online; die relevantesten Ausführungen zur Kritik der ‚Metropole Ruhr’ finden sich im 1. Teil, vor allem ab 9:27 Min., Erläuterungen zu Alternativen im 2. Teil). Auch kritische Journalisten und Aktivisten wie die Ruhrbarone, die Herausgeber der Pop-Protokolle aus dem Ruhrgebiet oder die AG Kritische Kulturhauptstadt haben in unterschiedlicher Weise das gigantomanische und vor allem auf die ökonomischen Interessen der darbenden Ruhrgebietsstädte ausgerichtete Konstrukt der ‚Metropole Ruhr’ fundamental kritisiert.
Zweitens trifft Regers 81 Jahre altes Verdikt auch auf die Adaption der Loveparade zur Stilisierung des Ruhrgebiets zu einer jugendlichen und weltoffenen ‚Metropole’ zu. Als die Loveparade ins Ruhrgebiet kam, hatte sie ihre innovative Phase schon lange hinter sich und war sie zu einer Werbeveranstaltung für die Marke ‚McFit’ geworden. Auch ihr Gründer, Dr. Motte, kritisiert retrospektiv, dass die Loveparade „nur noch der kommerziellen Verwertung und der Werbung für eine Marke dient. Da wurde die Marke Love Parade zum Steuerabschreibungsmodell. Mensch und Kultur bleiben auf der Strecke.”

Die bankrotten Ruhrgebietsstädte und die Kommerzialisierung ihrer Kultur

Nun ist Dr. Motte zwar ein problematischer Gewährsmann, wenn es um die Qualität von Kunst und ihre politische Relevanz geht (die erste Loveparade stand 1989 unter dem Motto „Friede, Freude, Eierkuchen”), aber er weist auf ein fundamentales Problem des Ruhrgebiets hin: Weiterlesen »