Zwar weiß ich nicht, wie sich die Debatte um die ‚Datenkrake’ Google und ihren Zugriff auf das ‚geistige Eigentum’ im Bereich der Buchkultur in Zukunft entwickeln wird, aber für die folgende Information ist dieser größere und zweifelsohne spannende Kontext zunächst einmal irrelevant:
Aktuell ist unser Sammelband SUBversionen. Zum Verhältnis von Politik und Ästhetik in der Gegenwart. Der Band wurde in Medien wie DeutschlandRadio Kultur, Das Argument oder Malmoe als „qualitativ hochwertig”, „sehr einsichtig”, „spannend” und „fundiert” bewertet.
Viel Freude bei der Lektüre!
Zeiten der Krise können auch Zeiten der grundsätzlichen Reflexion sein - und der Fußballsport steht den öffentlichen Debatten über Leistungsdruck, Depressionen, Spielsucht und Wettskandale momentan sehr ohnmächtig gegenüber. Mir lief in den letzten Tagen zufällig ein kleiner Videoclip über den Weg, der mich noch einmal an meine naive kindliche Fußballleidenschaft erinnerte, die die komplexen Probleme der realen Welt so unwichtig erschienen ließ.
Die herausragende Szene des Films Werner Beinhart (1990), der mit seinen 5,5 Millionen Besuchern bis heute einer der erfolgreichsten deutschen Filme ist, ist das legendäre Fußballspiel zwischen dem 1.FC Süderbrarup und Holzbein Kiel, das allerdings nicht im Stadion ausgetragen wird, sondern auf einem Marktplatz. Doch schauen Sie selbst (und verpassen Sie nicht die wunderbaren Zeilen: “Ich guck noch mal in die Flasche, wie spät das ist.” und “Mit schwarzen Punkten? Ischa merkwürdig!”)!
Wenn ein Merkmal der historischen Avantgarde die Dekonstruktion der kulturellen Alltagsgrammatik durch das künstlerische Spiel war: Ist das nicht Avantgarde? Und ist dann Polizist Bruno mit seinem Satz: “Halt, der Ball ist verhaftet!” nicht ein Agent der bösen Macht, die resignifiziert gehört? Und wäre es eigentlich denkbar, dass eine solche Befreiung des Homo ludens nicht nur im Zeichentrick, sondern auch real stattfände?
Nun, vor kurzem berichtete die Süddeutsche Zeitung über Remi Gaillard, einen Clown, der sich am Fernsehen rächt, der seinen Job als Schuhverkäufer verlor und seither als ebenjener Homo ludens reüssiert, der in Werners Welt der 1990er Jahre nur im Zeichentrick funktioniert. Das Internet macht es möglich, dass Gaillard - dessen Motto C’est en faisant n’importe quoi qu’on devient n’importe qui! (Indem man irgendetwas macht, wird man irgendwer!) lautet - heute ein Portal pflegt, auf dem er seine Videos zum kostenlosen Download anbietet - und darüber seine Berühmtheit erlangt hat. Doch sehen Sie selbst:
In Ordnung: Sowohl bei Werner Brösel als auch bei Remi Gaillard funktioniert das Spiel nur als eine Faszination an der penetrativen Ballflugschneise - die sexistischen Motive werden in beiden Filmen kaum verleugnet, pfui! Aber gleichzeitig lassen uns beide Filme ahnen, was der Fußballsport und auch unser Alltag einmal hätten sein können, bevor sich Joseph Blatter und Angela Merkel der Sache angenommen haben: Spielerisch, lustig und schön.
“Ich bin ein kleiner Junge und werde immer einer bleiben”, erklärt Gaillard im Gespräch mit der Süddeutschen Zeitung. Ja, möchte man rufen, so lange die Türen der Polizeiwachen und Ministerien noch offen stehen und wir noch einen Ball haben, ist noch nichts verloren. Anstoß!
From July, 23rd to 26th, I have been to Sydney/Australia, to the Sydney German Studies Symposium 2009 on Collective Creativity, organized by Gerhard Fischer and Florian Vaßen, where I met colleagues from Germany like Rolf G. Renner and Inge Stephan and colleagues from abroad like Axel Fliethmann, Ulrike Garde, Alison Lewis, Andrew McNamara or Christiane Weller. The conference report, which I collaborated on, has meanwhile been put online on h-soz-kult.
Kurz vor der Bekanntgabe der Bundestagswahl-Ergebnisse soll hiermit noch kurz an die Option der künstlerischen Um- oder Überformung der politischen Rituale erinnert werden. In brillanter und höchst unterhaltsamer Weise führen dies beispielsweise die Kandidaten der (Titanic-)Partei Die Partei vor - an vorderster Front der Partei-Vorsitzende (und ehemalige Titanic-Chefredakteur) Martin Sonneborn oder auch der Partei-Spitzenkandidat zur Hamburger Senatswahl 2007, Heinz Strunk.
Meine Lieblingssätze aus Heinz Strunks famoser Wahlrede sind die Folgenden:
1. „Fakten unterfüttert mit Emotion ergibt Kernkompetenz.”
2. „Hedgefonds ist kein Streichelzoo.”
3. „Wir sehen Hamburgs wirtschaftliche Zukunft nicht im Bergbau.”
Weil die Tagesthemen so traurig berichten, fühle ich mich noch zum Verweis auf eine erfrischende Performance verpflichtet, die in Linz in französischer Sprache mit englischer Übersetzung zu sehen war und das strikt gehaltene Einwanderungsrecht mit dem im Sinne der Kulturindustrie freundlichst gebeugten Urheberrecht zusammenführt. Die Performance X and Y versus France ist eine Gemeinschaftsaktion der Künstler und Juristen Patrick Bernier, Olive Martin, Sébastien Canevet, Sylvia Preuss-Laussinotte aus Frankreich. Ein Auszug aus ihrer Projektbeschreibung liest sich wie folgt:
The project evolved out of a short novel written by Patrick Bernier in 2004 entitled A Tale for Creating a Legal Precedent, in which a foreign woman defends her right to reside in France in front of a judge, arguing that she is the co-author, guardian, and performer of an intangible art work.
Considering that French and EU lawmakers are Weiterlesen »
Da sich unser Sammelband SUBversionen (2008) sowie meine Dissertation über Literatur als Subversion, die 2010 erscheinen wird, mit Konzepten der Subversion befassen, wurde ich kürzlich zur Subversiv Messe nach Linz eingeladen, die im Rahmen des dortigen europäischen Kulturhauptstadtjahres stattfand. Ich habe dort einen kurzen Vortrag über meinen Begriff von Subversion gehalten, mich aber vor allem darüber gefreut, die Projektpräsentationen der wunderbaren Gruppen Ärzte ohne Ängste (D), Autonome a.f.r.i.k.a. Gruppe (D) mit ihrem Handbuch der Kommunikationsguerilla, Kanak Attak (D), monochrom (A) und Ubermorgen (A/CH/USA) sehen zu dürfen, die ich in jeder Hinsicht nur empfehlen kann.
Dass das mainstreamige ARD-Format Tagesthemen - selbst wenn es einen freundlichen Bericht zeigen will - über nicht eine dieser Gruppen berichtet, sondern wieder mal die eher schnöderen, aber im Redaktionsduktus vermutlich ‚visuell überzeugenderen’ Beiträge subsummiert, sagt einiges über das Medium Fernsehen, in dem die Nachrichten der öffentlich-rechtlichen Sender sogar eher noch zur Güteklasse gehören.
Wie subversiv ist eigentlich Caren Miosga? Zur Beantwortung dieser Frage schaue man sich folgenden Beitrag an:
Im August 2008 verfasste ich einen Abstract für einen Vortrag über das Verhältnis von Bildung und Urheberrecht um 1800, den ich auf einer Konferenz der altehrwürdigen Leuvener Universität zum Thema Matters of State: Bildung and Literary-Intellectual Discourse in the Nineteenth Century halten wollte. Damals ahnte ich noch nicht, dass die deutschen Feuilletons und die Geisteswissenschaften heute - ausgehend vom sog. Heidelberger Appell vom März 2009 - in heftigste Auseinandersetzungen über die Bewahrung versus Modifikation des Urheberrechts, die Möglichkeiten versus Probleme des Internets und das Ende versus die Transformation der Gutenberg-Galaxis eingetreten wären. Wie erfreulich, dass wissenschaftliche Vorträge manchmal eine aktuelle Relevanz erhalten können - und dass meine Beschäftigung mit einem der ‘Erfinder’ des ‘geistigen Eigentums’ und somit indirekt des Urheberrechts, Johann Gottlieb Fichte (1762-1814), einen direkten Beitrag zur Debatte liefern kann.
Meinen 26minütigen Vortrag habe ich am 24. April 2009 in Leuven gehalten, er kann als
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Der Vortrag zeigt, dass man es sich zu leicht macht, wenn man angesichts der sich radikal wandelnden Medienverhältnisse unter Negierung der digitalen Möglichkeiten einfach für die Beibehaltung des rechtlichen und medialen Status quo wirbt. Noch problematischer wird es zudem, wenn man sich auf Fichte als den scheinbaren intellektuellen Garanten eines Beweises der Unrechtmäßigkeit des Büchernachdrucks (bzw. heute ihrer Digitalisierung) beruft. Sowohl bei Fichte als auch in den aktuellen Debatten um das Urheberrecht ist immer alles komplizierter als man zunächst glauben mag. Aus meiner Fichte-Lektüre leite ich u.a. die folgenden drei Ergebnisse ab:
Erstens konnte gezeigt werden, dass die Erfindung des geistigen Eigentums bei Johann Gottlieb Fichte auf der Unterscheidung von frei flottierenden, kommunizierten Gehalten von Büchern einerseits und einem nicht-kommunizierbaren Spezialwissen einer als ‘Black Box’ zu denkenden Autorfigur andererseits basiert. Aus einer literaturtheoretischen Perspektive der Gegenwart ist diese Unterscheidung obsolet, spätestens seit Roland Barthes und Michel Foucault Ende der 1960er Jahre programmatisch den Tod bzw. die Relativierung der Autorfigur bzw. -funktion ausgerufen haben. [...] Es kann also bezweifelt werden, ob sich das ‘geistige Eigentum’ heute überhaupt noch begründen lässt Weiterlesen »
Jeder Individualismus ist schon lange obsolet, spätestens seit Beckett, wird aber auf dem Theater immer noch gern gekauft und gesehen: Individuelles Handeln ist längst Illusion geworden (…). Vielleicht besteht ja die Freiheit darin, unter dem Bilderschrott hervorzukriechen? Weiterlesen »
Das Journal Psychologie & Gesellschaftskritik hat mich gebeten, für sein Heft zum Thema “Subversion” (Nr. 128/2008) einen einführenden Aufsatz zum Begriff der Subversion zu schreiben. Dieser ist inzwischen unter dem Titel Subversion - Eine kleine Diskursanalyse eines vielfältigen Begriffs auf 26 Seiten des Journals erschienen. Mein Beitrag basiert auf einigen Ergebnissen meiner Dissertation zum Thema Pop, Minoritäten, Untergrund. Subversive Konzepte in der deutschsprachigen Gegenwartsprosa, die 2009/2010 erscheinen wird und sich noch einmal ausführlicher und detaillierter mit dem Begriff der Subversion beschäftigt.
Falk Richter arbeitet als Autor und Theaterregisseur und erhielt u.a. den Hörspielpreis der Deutschen Akademie der Künste. Bekannt wurde er mit Das System (2004, Schaubühne am Lehniner Platz), mit Unter Eis aus diesem Zyklus wurde Richter zu den Mülheimer Dramatikertagen Stücke eingeladen, für dessen Festivalzeitung Stück für Stück ich ihn interviewt habe. Unter dem Titel ‚Ich trete nicht als Richter auf’. Falk Richter im Gespräch über Pop, Fernsehen und den Stillstand stellt er die These auf, dass das Fernsehen heute das ‚real life’ darstellt:
Medien sind in extremer Weise ein Teil unseres Lebens geworden. Fernsehserien werden nicht mehr dem Alltagsleben nachgebildet, sondern das Alltagsleben orientiert sich an den Serien. Ich habe neulich einen Dokumentarfilm gesehen über junge Inder, die in einem Callcenter arbeiten und vorgeben müssen, dass sie US-Amerikaner seien. Die lernen das anhand der Serie ‚Sex and the City’, müssen anhand einer Figur aus der Serie ihre Biografie ausbilden.
Das gesamte Interview kann nun abgerufen werden (Quelle: Stück für Stück 6/2004, S. 3). Auf der rechten Seite findet sich das Interview, auf der linken Seite eine Zusammenfassung der Publikumsdiskussion über das Stück, unter dem possierlichen Titel Zwiebelschalen und Flughafenhotels.
5.8.2010, 11 Uhr, Warschau (Polen), XII. Kongress der Internationalen Vereinigung für Germanistik, Sektion: „Luxemburgistik im Spannungsfeld von Mehrsprachigkeit, Regionalität, Nationalität und Internationalität“
26.9.2010, Universität Göttingen, Tagung der Gesellschaft für interkulturelle Germanistik zum Thema "Re-Visionen. Kulturwissenschaftliche Herausforderungen interkultureller Germanistik"
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