Literatur als Soziales Medium in der digitalisierten Gesellschaft (Habilitationsschrift)

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Thomas Ernst: Literatur als soziales Medium in der digitalisierten Gesellschaft. Zur Begründung einer Netzliteraturwissenschaft. Universität Duisburg-Essen: Habilitationsschrift, 2019. 478 Seiten.

Die vernetzte Kommunikation im World Wide Web, die neue digitale Form literarischer Texte und die Potenziale der digitalen Kopie stellen die Struktur, die Methoden, die Begriffe und die Analyseweisen der Germanistischen Literaturwissenschaft vor fundamentale Herausforderungen. In seiner Habilitationsschrift entwickelt Thomas Ernst als Antwort das Modell der Netzliteraturwissenschaft: Darin systematisiert die Forschungsbereiche, die für die Literaturwissenschaft aus dem Medienwandel erwachsen, und macht in exemplarischen Analysen Vorschläge, wie die Literaturwissenschaft mit diesen Herausforderungen einer digitalisierten Gesellschaft umgehen könnte. In das Modell fließt vor allem literatur-, aber auch medien-, kultur-, buch- und rechtswissenschaftliches, ökonomisches und soziologisches Wissen ein.

Im Kern stehen dabei 1) die begriffliche Grundlegung einer Netzliteraturwissenschaft, in deren Kontext die Begriffe der Netzliteratur sowie der Netzwerkgesellschaft und der literaturwissenschaftliche Forschungsstand selbst grundsätzlich reflektiert werden; 2) die Auseinandersetzung mit literarischen Reflexionen der Netzwerkgesellschaft und deren Einflüssen auf die Inhalte und Ästhetiken der Gegenwartsliteratur, u.a. am Beispiel der Plagiatsdebatte um Helene Hegemanns Debüt „Axolotl Roadkill“; 3) die Revision literarischer Kategorien und Institutionen unter den Bedingungen des digitalen Wandels, z.B. bezogen auf Konzeptionen der ‚Leser-Autoren‘ oder die Entwicklung vom literarischen Werk zum Netzwerk; 4) die Methodik von Netzliteraturanalysen, zum Beispiel Analysen der mehrsprachigen Litblogs von Guy Helminger; 5) die Entwicklung neuer Geschäfts-, Rechts- und Produktionsmodelle der Netzliteratur, beispielsweise das Crowdfunding und Crowdsourcing des Projekts „Morgen mehr“ von Tilman Rammstedt; 6) die Publikations- und Lehrpraxen der digitalen Geisteswissenschaften, dazu gehören unter anderem Open-Review-Plattformen oder studentische Lernredaktionen.

Inhaltsverzeichnis (oberste Ebene)

1. Netzliteraturwissenschaft in der digitalisierten Gesellschaft. Eine Einleitung | 5

2. Digitale Arbeit, kollaborative Produktion, Intertextualität und Multimedialität. Literarische Reflexionen der Netzwerkgesellschaft | 35

3. Werk, Leser-Autoren und Literaturkritik. Literarische Kategorien und Institutionen unter den Bedingungen des digitalen Wandels | 80

4. Schreiben als Prozess und Interaktion. Netzliteraturanalysen am Beispiel von Litblogs | 149

5. Nach dem geistigen Eigentum. Geschäfts-, Rechts- und Produktionsmodelle der Netzliteratur | 202

6. Kollaboratives Arbeiten, Open Access und digitale Lehre. Zur Publikations- und Lehrpraxis der digitalen Geisteswissenschaften | 262

7. Entwurf einer Netzliteraturwissenschaft: Fazit und Perspektiven | 346

8. Literaturverzeichnis und Anhänge | 368

Verfügbarkeit und Veröffentlichung

Informationen zur Habilitationsschrift erhalten Sie über die Universitätsbibliographie der Universität Duisburg-Essen. Die Arbeit soll 2021 in einer modifizierten Version als Monographie veröffentlicht werden.

Habilitationsverfahren und Venia legendi

Thomas Ernst wurde 2019 zum Abschluss des Habilitationsverfahrens und u.a. auf Basis der drei Gutachten zur Habilitationsschrift vom Dekan der Essener Fakultät für Geisteswissenschaften, Prof. Dr. Dirk Hartmann, eine Venia legendi für Germanistische Medienkulturwissenschaft verliehen. Die Antrittsvorlesung zum Thema „Netzliteraturwissenschaft: Literatur und Medienpraxis heute“ fand am 1. Februar 2021 statt.

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