In eigener Sache: Konferenzberichte ‚Collective Creativity’ (Sydney), ‚Das Ruhrgebiet als Rhizom’ (Bochum) und ‚Goethes Pagerank’ (Göttingen)

In den letzten Monaten war ich wieder viel unterwegs und habe auf einigen Konferenzen Vorträge zu den Themen „Hybride und multilinguale Literatur aus Belgien und Luxemburg“, „Literatur als Subversion“, „Literatur im Internet“, „Kollektives Schreiben“, „Adornos Moderne-Konzeption“ und „Das Ruhrgebiet in der Literatur“ gehalten. Diese Vorträge führten mich nach Sydney, Warschau, Antwerpen, Gent, Göttingen, Bochum und Duisburg. Es freut mich sehr, dass inzwischen zu einzelnen dieser Konferenzen Tagungsberichte erschienen sind, in denen auch die Thesen und Inhalte meiner Vorträge dargestellt werden.

Über meinen Vortrag auf dem Sydney Symposium 2009 zum Thema Collective Creativity, das vom 23.-26.07.2009 am Goethe Institut von Sydney in Australien stattfand, schreibt Anna König (Hinweis: Ich habe am Tagungsbericht mitgearbeitet, allerdings nicht an der Darstellung meines eigenen Vortrags):

„THOMAS ERNST (Luxembourg) questioned the claim that literature today does not have political effects. Having examined the writings of contemporary authors such as Elfriede Jelinek, Thomas Meinecke and Feridun Zaimoglu Ernst came to the conclusion that the dissolution of individual authorship as traditionally carried out by the so-called avant-gardes is no longer subversive per se. Contemporary Western culture, shaped by commerce and media, asks for a more differentiated analysis, as collective creativity can imply submissive literary practices.“

Der Tagungsband mit einem Beitrag von mir zum Thema „From Avant-Garde Guerillas to Capitalistic Teamwork? Concepts of Collective Creative Writing Between Subversion and Submission“ soll noch in diesem Jahr bei Rodopi (Amsterdam; New York) erscheinen.

Über meinen Vortrag auf der Konferenz Literaturwunder Ruhr zum Thema „Das Ruhrgebiet als Rhizom. Die großen Erzählwerke von Jürgen Link und Wolfgang Welt und das Jenseits des Metropolen“ im Haus der Geschichte in Bochum vom 8.1.2010 schreibt mein Kollege Florian Neuner:

„Gegen das Wunsch-Selbstbild einer ‚Metropole Ruhr‘ wandte sich Thomas Ernst von der Universität Luxemburg in seinem Vortrag. Das Ruhrgebiet sei keine Metropole im raumsoziologischen Sinne, mit einem Herbeireden sei niemandem geholfen. Das Interessante an dieser Region sei vielmehr ihre rhizomatische Struktur – ein multidimensionaler Raum, in dem jeder Punkt mit jedem verbunden werden könne. Die interessanteste gegenwärtige Literatur über das Ruhrgebiet reagiert nach Ernst auch auf genau diese räumliche Besonderheit und redet nicht einem unkritischen Metropolen-Marketing das Wort. Als Beispiele nannte er die Bücher von Wolfgang Welt und Jürgen Links Roman Bangemachen gilt nicht auf der Suche nach der Roten Ruhr-Armee.“

Mein Vortrag „Das Ruhrgebiet als Rhizom. Die großen Erzählwerke von Jürgen Link und Wolfgang Welt und das Jenseits des Metropolen“ steht inzwischen auch als doppelte Audiodatei auf dem Reviercast von Karl-Heinz Gajewsky zur Verfügung (Audiodatei 1 und Audiodatei 2). Eine modifizierte und ausführlichere Version des Vortrags wird in den kommenden Monaten auch im Tagungsband im Klartext Verlag in Essen erscheinen.

Auf der Göttinger Konferenz Wertung, Kanon und die Vermittlung von Literatur in der Wissensgesellschaft habe ich schließlich am 7.2.2010 einen Vortrag mit dem Titel „Wer hat Angst vor Goethes Pagerank? Die digitale Distribution von Literatur und die Aufmerksamkeitsökonomie des Internets“ gehalten. In ihrem Tagungsbericht „Kanon war gestern?“ schreiben Katrin Blumenkamp, Sabine Buck und Markus Kessel:

„Thomas Ernst (Luxembourg) zeigte in seinen Vortrag ‚Wer hat Angst vor Goethes Pagerank‘, inwiefern die digitale Welt des Internets mit ihrem spezifischen Aufmerksamkeitsmanagement eine Demokratisierung der Literaturbewertung und daran anschließend eine Ausdifferenzierung einzelner, auf bestimmte Leseszenen bezogenen Kanones bewirkt. Im Mittelpunkt standen Wertungshandlungen durch Google Pagerank und in Blogs, dort zum Beispiel durch sogenannte Blogstipendien.“

In meinem Beitrag zum Tagungsband werde ich auch noch auf die Plagiatsdebatten um Helene Hegemanns Axolotl Roadkill und Airens Strobo sowie das Verhältnis von printmedialer und Online-Literaturkritik eingehen. Der Text wird den Titel „Wer hat Angst vor Goethes Pagerank? Und ist Helene Hegemann echt? Bewertungsprozesse von Literatur und Aufmerksamkeitsökonomien im Internet“ tragen.

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